Kurz reingeschaut: "Breaking Bad", Staffel 1

Durch einen SpOn-Artikel über amerikanische Serienschätze war ich auf „Breaking Bad“ aufmerksam geworden. Also flugs mal reingeschaut und, da die erste Staffel nur sieben Folgen hat, gestern Nacht und an diesem regnerischen Nachmittag auch gleich durchgeschaut.

Die Story: Der Chemielehrer Walter White erfährt kurz nach seinem 50. Geburtstag, dass er Lungenkrebs hat. Um für die Behandlungskosten aufkommen zu können, entschließt er sich, nebenberuflich ins kriminelle Fach zu wechseln und Crystal Meth herzustellen. Als gelerntem Chemiker gelingt ihm das so gut, dass die Meth-Händler interessiert sind – zu interessiert. Da White sich außerdem mit einem grenzdebilen Kleindealer zusammen getan hat, ergeben sich allerlei üble Verwicklungen.

Herausragend an „Breaking Bad“ ist, wie die Serie kippt. Sie beginnt als Kriminalgroteske: White kocht Meth in Unterhose und Schürze in einem Wohnwagen mitten in der Wüste, stolpert nolens volens ins kriminelle Milieu und muss sich mit üblen Nebeneffekten wie der Entsorgung von Leichen beschäftigen. Doch ab der vierten Folge widmet sich die Serie sehr glaubwürdig der Krebserkrankung von White, den Auswirkungen auf sein Familienleben und wie er selbst mit seinem drohenden Tod umzugehen versucht. Der Ton wechselt hier völlig, wird sehr ruhig, nachdenklich und intim.

Gegen Ende kommt dann noch mal ein bisschen mehr Action auf, aber letztlich ist das Tolle an „Breaking Bad“, wie glaubwürdig Bryan Cranston die innere Zerrissenheit von Walter White darstellt, die wilde Entschlossenheit und die großen Skrupel. White ist ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hat. Nur sehr selten ist die Serie in Gefahr, das Kriminelle seiner Taten zu verharmlosen, immer lauert die Gefahr, und oft genug wird das Elend der Abhängigkeit gezeigt, das Crystal Meth verursacht.

Stilistisch hat „Breaking Bad“ viel von „One Hour Photo„, nicht nur wegen der äußeren Ähnlichkeit von Walter White mit Seymour Parrish (Robin Williams), und nicht nur wegen der Ähnlichkeit der Geschichten: Hinter der bürgerliche Fassade eines vermeintlich harmlosen, alterndern Mannes verbirgt sich ein Verbrecher. Auch der nüchterne, manchmal sehr leise Stil der Kamerarbeit und die lakonische Erzählweise erinnern aneinander.

Einziger Haken der ersten Staffel ist, dass sie kein echtes Ende hat. Eigentlich keiner der Handlungsfäden wird hier zu einem Abschluss gebracht, alles bleibt in der Schwebe. Das ist andererseits aber auch das zentrale Thema von „Breaking Bad“: Die Schwebe zwischen Leben und Tod, zwischen Bürgerlichkeit und Verbrechen, zwischen Geld und Gewissen.

8 von 10. Ich hoffe, die zweite Staffel hält das Niveau.

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