Wie der T-Punkt auf der Schildergasse nur knapp der Apokalypse entging

Ich bin sehr zufrieden mit meinem G1. Schon etwas weniger zufrieden war ich mit dem Bestellprozess bei T-Mobile. Aber noch weniger zufrieden bin ich mit dem Service rund um einen mechanischen Defekt an der Tastatur meines G1.

Zwei der mechanischen Tasten begannen seit einiger Zeit zu schwächeln: das Z und der Punkt. Der Druckpunkt der beiden Tasten war zwar immer noch klar spürbar, aber sein Überwinden führte nicht zum Erscheinen des Zeichen auf dem Bildschirm. Dazu musste man fester drücken, was ja nun nicht der Sinn eines Druckpunkts ist.

Kann ja passieren, dachte ich, und schlenderte letzten Montag in den T-Punkt auf der Schildergasse. (Für Nicht-Kölner: Das ist Europas meistfrequentierte Einkaufsstraße, also keine unrepräsentative Lage.) Nachdem ich mein Leid geklagt hatte und der freundliche Mitarbeiter den Schaden problemlos nachvollziehen konnte, war klar, was kommen musste: Einschicken. Immerhin, so hieß es, solle ich das Gerät schon am nächsten Tag wieder abholen können. Wie das gehen sollte, war mir zwar unklar, wenn die Werkstatt nicht gerade einen Direktkurier senden würde?

Und natürlich wurde es dann doch nicht Dienstag, sondern Mittwoch, bis der Anruf kam. Hätte man auch gleich wissen und ein falsches Versprechen weniger abgeben können. Dennoch: Eine respektable Turnaround-Zeit – wenn das Austauschgerät denn funktioniert hätte, als ich es am Donnerstag abholte. Das Gerät fing sich aber beim Hochfahren in einer Endlosschleife und kam nie auch nur bis zur PIN-Eingabe.

Zum Glück hatte ich die Scheiße noch gleich im Laden ausprobiert. Ich also zum Tresen, musste natürlich erneut warten, klagte dem Servicemitarbeiter mein Leid, und er sagte das unvermeidliche Wort: Einschicken. Ich resignierte nach kurzem Protest, gab ihm mein 5 min zuvor empfangenes Ersatzgerät, er füllte die Reparaturmeldung aus – und delierte, dass das Gerät mit etwas Glück schon am nächsten Tag, Freitag, wieder zurück sei. Is klar, Kumpel, dachte ich, und fragte lieber gleich nach den Servicezeiten am Samstag. „Samstag bekommen wir keine Lieferungen.“ Natürlich, doof von mir.

Heute, am Montag, kam dann die Benachrichtigung, dass mein Ersatzgerät angekommen sei. Ich also vorhin in den Laden, nehme das Gerät entgegen, lege SIM- und SD-Karte – und tatsächlich fährt die Mühle hoch. Ich gebe meine PIN ein, das Gerät fragt nach dem Google-Konto, ich klappe die Tastatur aus, trage meinen Account-Namen ein, will mit dem Trackball zum Passwortfeld navigieren – und bemerke, dass der Trackball klemmt.

In drei von vier Richtungen ließ sich das kleine, durchaus nicht unwichtige Teufelsding rollen, aber nicht in die vierte. Ich stelle mich wieder an und warte, bis sich eine neue Mitarbeiter mir zuwendet. Ich schildere ihr das Problem, sie bekommt den Trackball auch nur in drei Richtungen gerollt, gesteht ein, dass es sich um einen Fehler handelt und will gerade das schlimme Wort sagen, als ich ihr zuvor komme: „Sagen Sie mir jetzt aber nicht, dass Sie das Gerät einschicken wollen.“ Sie so: „Doch, das geht leider nicht anders.“ Ich: „Das ist das zweite Ersatzgerät, das ich binnen weniger Tage defekt ausgeliefert bekomme. Wie lange soll denn das noch so weitergehen?“ Sie: Das wisse sie jetzt auch nicht, aber sie könne nur einschicken. Ich so: „Ich hätte jetzt eigentlich erwartetet, dass Sie ins Lager gehen, ein Gerät holen, es mir in die Hand drücken und den Rest unter sich regeln.“ Das sei leider nicht möglich, bleibt sie unerweichlich.

Ich hatte es schon nach dem ersten Mal getwittert: Es ist tatsächlich eine meiner Stärken, solchen Ärger nicht an unmündigen Servicemitarbeitern auszulassen. Aber ich kochte innerlich – und verlangte nach dem Chef. Wenn die Dame gewusst hätte, in welcher Gefahr sie schwebte, sie hätte nicht so gelassen auf einen Herrn im hinteren Ladenbereich gezeigt.

Der Chef war gerade noch mit einem Verkaufsgespräch beschäftigt. Ich folgte ihm mit seinen Kunden zur Kasse und wartete darauf, dass er frei würde, fest entschlossen, auf einem sofortigen Austausch des Geräts zu bestehen. In der Zwischenzeit probierte ich noch ein bisschen an dem G1 rum – als sich plötzlich irgendein Hemmnis löste und der Trackball wieder in alle Richtungen bewegen ließ.

Ich glaube, wenn das erst in der Hand des Filialleiters passiert wäre und ich als Dummie dagestanden hätte wie zu Schulzeiten, wenn meine Mutter das Lieblings-T-Shirt vor meinen Augen mit den Worten „Augen auf“ aus dem Kleiderschrank zauberte, in dem es fünf Sekunden zuvor garantiert noch nicht gelegen hatte, ich hätte irre lachend auf dem Gerät rumgetrampelt und gerufen „Is wohl kaputt!“

So drehte ich mich um udn verließ den Laden, nicht ohne der Mitarbeiterin von vorhin zu sagen, dass es das Gerät nun doch täte.

Jetzt liegt es hier bei mir zuhause und funktioniert, obwohl zwischenzeitlich das Trackballproblem doch wieder kurz aufgetreten war. Es macht den Anschein, als sei da ein winziges Gummistückchen unter dem Trackball, das sich ab und an verklemmt, dann aber komischerweise nur genau eine Rollrichtung hemmt.

Ich hoffe, das Problem erledigt sich durch mechanische Reibung während der Nutzung.

Aber ich bin etwas erschüttert, dass mein erstes G1 nach sechs Monaten kaputt geht und gleich zwei Austauschgeräte defekt ausgeliefert werden. Und dass sich außerdem ein T-Punkt nicht in der Lage sieht, einem nun wirklich vom Schicksal gebeutelten Early-Adopter-Kunden mit etwas Kulanz und einem Lagergerät aus der Patsche zu helfen.

Ich bleibe dran.

Advertisements

4 Gedanken zu “Wie der T-Punkt auf der Schildergasse nur knapp der Apokalypse entging

  1. pixelboogie schreibt:

    sehr schön geschrieben!

    und – ich mach doch nur spaß – wer weiss, wer weiss, ob das bei dem gerät mit dem apfel auch passiert wäre?
    ach nee…das gibts ja sowas old-schooliges wie n trackball gar nicht. warum eigentlich? vielleicht weil die dinger so oft klemmen?

  2. tronicum schreibt:

    Hi, was mich wundert ist der erste Satz. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem G1“.

    Ich habe ein G1 Devphone, was 1:1 Deinem Teemobil Gerät entsprechen dürfte (bis auf die Bootfirmware). Die Akkulaufzeit ist bescheiden. Das Gerät ist klobig.

    Im Endeffekt empfinde ich es halt als „erstes Gerät“ der Plattform und somit halt noch insgesamt Beta. Die neuen Geräte und Software 2.0 werden es wohl voll nutzbar machen.

    Aber mit 1 Tag Batterielaufzeit ist es für mich persönlich nicht alltagstauglich….

  3. Ein kleines bisschen Beta ist noch dabei, wobei mit der Android-Version 1.5 einige paar der schlimmsten Probleme behoben wurde, beispielsweise die fehlende Videoaufzeichnung oder eben die tilt-ausgelöste Bildschirmrotation. und das mit dem einen Tag Batterielaufzeit ist auch mit Cupcake besser gworden, letztlich aber ein Thema, das G1 und iPhone teilen. Es scheint, dass es einfach noch keine hinreichend leistungsstarken Akkus für derartig performanceintensive Mobilgeräte.

    und das mit der Klobigkeit ist wohl der Preis, den man für die integrierte Tastatur zahlen muss. Man kann alternativ ja auch das HTC Magic nehmen.

    Ich gehe aber auch davon aus, dass die nächste Generation nicht alles anders, aber vieles besser machen wird ;-)

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s