Kurz reingeklickt: Vodafone "Update" für Android

Einer der Vorwürfe gegen die Vodafone-Kampagne war ja, dass da außer großen Worten und einer Image/Testomonial-Kampagne nicht viel ist, womit sich Vodafone tatsächlich als Partner der aktiven Netzbewohner empfehlen würde. Nico Lumma erwähnte in einem Kommentar hier im Blog die „Update-Applikation“, die Vodafone kostenlos für Android- und Blackberry-Nutzer zur Verfügung stellt.

Mal abgesehen davon, dass das im Rahmen einer viele Millionen schweren Kampagne ein ziemlich kleiner Anfang ist und aktuelle Vodafone-Blogpost zeigen, dass der Weg noch sehr weit ist, wenn Vodafone ihn tatsächlich gehen will – mal abgesehen davon ist eine solche kostenlose Applikation tatsächlich ein Schritt in die richtige Richtung. Also mal kurz reingeschaut.

Screenshot: Vodafone

„Update“ ist eine 1,2 MB schwere Android-Applikation (Das ist nicht wenig, aber leider ganz okay, zum Vergleich: Twidroid: 1,0 MB), mit denen der Nutzer seinen Twitter-, Facebook- und Myspace-Account auslesen und schreiben kann. (Anmerkung: Da ich keinen lebenden MySpace-Account habe, konnte ich diesen Kanal nicht testen.) Meines Wissens gibt es keine andere Android-Applikation, wenigstens keine populäre, mit der man mehrere Social-Web-Dienste auslesen kann. Lediglich die Applikation von ping.fm bietet diesen Service noch, allerdings nur um den Preis eines ping.fm- Registrierung. (Man möge mich bitte korrigieren, wenn ich hier eine gute App übersehen habe!) Die Grundidee von „Update“ ist also so schlicht wie sinnvoll.

Die Registrierung der Accounts ist einfach, nach Eingabe der Account-Credentials muss der Nutzer noch auf der jeweiligen Website quittieren, dass „Update“ tatsächlich Zugriff erhalten soll.

Anschließend liest „Update“ dann den Status der verschiedenen Dienste aus und stellt ihn in chronologischer Reihenfolge dar. Optional kann man jeden Dienst einzeln aktivieren oder deaktivieren, sich also beispielsweise nur seine Tweets oder nur die Facebook- und MySpace-Nachrichten anzeigen lassen oder eben alle zusammen.

Hier zeigt sich aber schnell eines der ersten Probleme, das wahrscheinlich viele Mitglieder der neuen Zielgruppe betrifft, der von Voadofone so genannten „Generation Upload“: Viele Twitterer mit Facebook-Account lassen ihre Tweets von einer App in ihren Facebook-Stream einlesen. In der Zeitleiste von „Update“ stehen in meinem Fall also dutzendweise doppelte Nachrichten direkt untereinander, nämlich die von ein und demselben Menschen, ausgelesen aus seinem Twitter- und Facebook-Feed. Das ist zwar zum einen der Tatsache geschuldet, dass sowohl Facebook als auch Twitter proprietäre Systeme sind und die Nutzer ihre Nachrichten deshalb tatsächlich verdoppeln müssen, um sie in beiden Kanälen anzeigen zu lassen. Aber eine mindestens wünschenswerte Option wäre, dass „Update“ mir textidentische Nachrichten nur einmal anzeigt.

Die Implementation des Android-Interfaces ist Vodafone leider nicht gut gelungen:

  • Die Bedienelemente sind für die Bedienung mit dem Daumen auf dem Touchscreen zu klein geraten.
  • Vor allem aber gibt es kein Aktivierungs-Feedback: Wenn ich einen Button klicke oder einen Tweet anwähle, müsste mir ein kurzes Highlighting anzeigen, dass ich die Funktion tatsächlich aktiviert habe. Ohne geht gar nicht.

Auch funktional lässt „Update“ in mancher Hinsicht zu wünschen übrig:

  • Es gibt keine Möglichkeit, das Profil eines Freundes/Verfolgten anzusteuern, weder innerhalb des Clients noch über eine Verlinkung auf die Website des jeweiligen Dienstes.
  • Um auf eine Nachricht zu antworten, muss ich sie mir erst auf einem eigenen Bildschirm anzeigen lassen, was schon für sich genommen kein besonders sinnvolles Feature ist. Es gibt aber keine Möglichkeit, direkt aus der Timeline heraus „antworten“ zu wählen.
  • Selbst um einen Link aufzurufen, muss ich mir erst die Nachricht, in der dieser Link vorkommt, einzeln anzeigen lassen. Albern.
  • Man sieht nicht die Antworten anderer Nutzer auf die eigenen Facebook-Einträge, dabei sind doch gerade diese zugeordneten Diskussionen ein Vorteil von Facebook gegenüber Twitter.
  • Es gibt keine Möglichkeit, Bilder zu Facebook hochzuladen. Zwar bietet „Update“ eine funktionierende Twitpic-Einbindung, und ich kann den Twitpic-Link dann auch in eine Facebook-Message einbinden, aber das ist natürlich nicht dasselbe: Private Fotos stelle ich für meine Freunde bei Facebook ein, würde sie aber nie twitpicen oder öffentlich sichtbar flickern. (Kleine Anmerkung: Wirklich gut wäre die Twitpic-Einbindung auch erst dann, wenn sie nicht nur das Foto zu Twitpic hochladen würde, sondern auch den Nachrichtentext, wie Twidroid das zum Beispiel tut. Auf diese Weise steht dann bei Twitpic nicht nur das nackte Foto.)
  • Es gibt keine Möglichkeit, „Update“ im Hintergrund laufen und sich über Aktualisierungen seiner Freunde automatisch informieren zu lassen. (Ich persönlich würde eine solche Option zwar nicht aktivieren, aber gerade für Nur-Facebook-Nutzer und andere Social-Web-Einsteiger ist sie durchaus sinnvoll, und viele Twitter-Clients bieten sie an.)

Einen echten Pluspunkt verdient allerdings die in den Client integrierte Twitter-Suche!

Unterm Strich würde ich dennoch sagen: Okaye Applikation, die etwas zu unausgereift ist. Ich werde beim bisherigen Stand weiterhin Twidroid und die Facebook-Website benutzen. Ich lasse „Update“ aber mal installiert und warte auf Aktualisierungen.

Deutlich schlechter sieht die Beurteilung jedoch aus, wenn ich die Applikation gegen Anspruch halte, den Vodafone mit seiner Kampagne für sich selbst geschaffen hat: Partner der aktiven Netzbewohner zu sein, etwas „mit und für die Web-2.0-Welt“ tun zu wollen. Dann würde ich als allererstes erwarten, dass „Update“ als Open Source veröffentlicht oder wenigstens die  API offengelegt wird, über die Entwickler die Applikation um weitere Dienste erweitern könnten.

Noch wünschenswerter und mehr im Sinne der Kampagne wäre es aber, wenn ein Gigant wie Vodafone seine Macht nicht nur nutzen würde, um mal ein halbgares Applikatiönchen basteln zu lassen, sondern wenn er sich zum Beispiel darum kümmern würde, das Thema Microblogging auf gewissermaßen „politischer“ Ebene voranzubringen. Warum stellt Vodafone nicht etwa einen Mitarbeiter ab, der sich darum kümmert, die OpenMicroBlogging-Spezifikation voran zu bringen, um Microblogging endlich aus einem Stand herauszubringen, den Email bereits Anfang der 90er überwand: von einem Balkan aus AOL-Mail, CompuServe-Mail, Mailboxen etc. hin zu einem System freier Server, die über ein einheitliches Protokoll miteinander kommunizieren können. Von mir aus könnte Vodafone auch Laconica mal bis zur Version 1.0 bringen, natürlich alles offen und transparent.

Das wären aus meiner Sicht Beispiele für echte Zeichen, dass Vodafone sich als ehrlicher Partner der Netzbewohner verstünde: Wenn es die Community befähigen würde, selbst Dinge zu tun (und als Access-Provider anschließend sogar davon profitieren würde).

Aber das wäre wahrscheinlich zu viel verlangt von einem Konzern, der gerade noch das Bloggen lernt.

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4 Gedanken zu “Kurz reingeklickt: Vodafone "Update" für Android

  1. Vodafone hat da ja wirklich eine lächerliche Hauruck-Kampagne inszeniert mit der sie wohl nicht annähernd ihr Ziel erreicht haben. Bin aber auch mal wirklich gespannt, inwieweit die das Thema noch weiterverfolgen wollen und ob es überhaupt noch weitere Bemühungen in die Web 2.0 Richtung von Vodafone gibt. Aus dieser ersten Aktion hätte man ja auf jeden Fall schonmal einiges lernen können.

  2. Zumindest haben sie durch diese schlechte Aktion die Aufmerksamkeit vieler Kunden auf sich gezogen, die zwar nicht positiv ist, allerdings bleibt Vodafone damit ja im Gespräch und das tut solch einem Unternehmen ja immer besonders gut. Ob und inwieweit sich das Ganze jetzt noch entwickeln wird, bleibt abzuwarten.

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