Die Elimination der Glaubwürdigkeit mit 0,5 Schnutinger/Woche

Frau Schnutinger, eine der Blogger/innen, mit denen Vodafone aktuell wirbt, hört also mit dem Bloggen auf. Das hat inzwischen wohl jeder mitbekommen, und ix hat ihre letzte offizielle PR-Handlung für Vodafone hinreichend gedisst. (Übrigens auch endlich mal wieder ein veritabler Flamewar dort in den Kommentaren!)

Ich kannte Frau Schnutingers Blog nicht gut, war kein Abonnent und konnte mich mit dem Stil ihrer Videos nie so recht anfreunden. In einer inzwischen gelöschten Stellungnahme, deren Google-Cache-Eintrag ich darum hier auch nicht verlinke, hatte Frau Schnutinger beschrieben, wie sie in die Vodafone-Werbung halt so reingeschliddert war. Wie die Aktion irgendwann viel größer war, als sie sich das vorab gedacht hatte.

Das kam alles extrem glaubwürdig und auch recht sympathisch rüber. An ihrem Abschiedsposting hat mich ein Satz aber wirklich erschüttert. Nicht, weil ich’s nicht genau so vorhergesagt hätte, sondern weil ich selbst nicht gedacht hätte, dass der Effekt so schlimm ist. Man vergleiche selbst.

Ich schrieb:

Denn das ist vielleicht die neutrale Betrachtungsweise dessen, was aus subjektiver Blogger-Sicht “Ausverkauf” genannt wird: Eine Kampagne, die die Privatheit ihrer Werbeträger zum Treibstoff kommerziellen Erfolgs machten will, verbraucht diesen Treibstoff. Alles, was Blogger in die Waagschale werfen können, ist ihre Privatheit und Unabhängigkeit. Aber genau das sind sie in der Folge einer Kampagne eben nicht mehr, privat und unabhängig

Frau Schnutinger schreibt:

Die Werbung ist das eine, aber wenn mir persönlich nicht mehr geglaubt wird, dann geht nichts mehr, dann bleibt nur eins: Der Rückzug.

Meiner Ansicht nach ist das die logische Konsequenz der Teilnahme an der Kampagne: Die Elimination der Glaubwürdigkeit. Dass Frau Schnutinger das vorab nicht geahnt hatte, will ich ihr nicht vorwerfen. Aber Tatsache ist jedenfalls, dass Vodafone nach zwei Wochen seine erste Kampagnen-Protagonistin verbraucht hat.

[UPDATE] Ein, wie ich finde, sehr lesenswerter Kommentar zum Vorwurf, die Mitglieder des Web 2.0 trügen eine Mitverantwortung an Frau Schnutingers Rückzug: http://lanu.blogger.de/stories/1451020/#1451242

Advertisements

4 Gedanken zu “Die Elimination der Glaubwürdigkeit mit 0,5 Schnutinger/Woche

  1. „Aber Tatsache ist jedenfalls, dass Vodafone nach zwei Wochen seine erste Kampagnen-Protagonistin verbraucht hat…und es ihnen wahrscheinlich meilenweit am Arsch vorbei geht.

  2. Na, ich weiß nicht. Im ehemaligen Nachrichtenmagazin stand -meiner Ansicht nach- ein wahrer Satz: Die Menschen, die mit der Kampagne erreicht werden sollen, sind nicht netzaffin (also sinngemäß), da die wirklich verlinkten Leute eh schon im web 2.5 (handyflat, datenflat, iphone, blackberry, twitterapps usw) agekommen sind.

    Es geht ums melken der brachliegenden Masse, die im Zweifel wissen was Twitter ist, auch den Ausdruck „Blog“ schon mal gehört haben und ganz hervorrangend mit StudiVZ oder XING klarkommen aber von einer wirklich „aktiven Nutzung“ der ganzen Gagets noch reichlich weit entfernt sind. Diese Masse hat dann auch keinen „Moralkodex“ oder eine emotionale Bindung an bestimmte Nogos. Die sehen am Hbf dreiundzwanzig Plakate mit „Es ist Deine Zeit“, lesen dann im Büro einer Artikel über eine unbekannte Frau, die durch die Werbung aus ihrer Idylle gerissen wurde, gucken sich das Ganze dann mal auf Vodafone an und in dem Moment wo die Preisliste angeklickt wird, ist der vorher gelesene Artikel schon ganz weit weg. Diese Leute haben im Zweifel auch keine Ahnung wer mit Zensursula gemeint ist oder daß die Reaktionen halt gerade deswegen so harsch ausgefallen sind. Es ist schlicht nicht auf dem Radar (oder Bildschirm, wie Du willst).
    Ich sehe hier (noch) keinen Nachteil für Vodafone.

    btw: Wie sehen denn bei Deinem GoogleHandy die AGBs bezüglich Fremdwartung/Killswitch aus? Nach dem Kindle-Desaster interessiert es mich schon ob ich damit leben muß (iphone) oder ob es auch anders geht…wenn dann demnächst ein neues Mobiltelefon fällig ist.

  3. Ich denke, dass sich Vodafone das schon anders gedacht hat. Für normale Menschen hätte man nicht Lobo, Schnutinger, kosmar und Robert Basic filmen müssen, sondern hätte einfach denselben Spot mit schönen Menschen drehen können. Die wolten schon bei der Netzgemeinde einen besseren Stand bekommen, um von denen dann weiterempfohlen zu werden. Und ich denke, dass die nicht gerne in großen Publikationen lesen, dass sich eines ihrer Testimonials aus dem Web verabschiedet.

    Und: Keine Ahnung, was meine G1-AGBs so sagen, ganz ehrlich. Allerdings habe ich erst neulich, im Rahmen der Diskussion um die Vodafone-Flatrates erfahren, dass für meinen Tarif gilt: „Ab einem Datenvolumen von 300 MB wird die Bandbreite im jeweiligen Monat auf maximal 64 kbit/s (Download) und 16 kbit/s (Upload) beschränkt.“ 300 MB ist zwar gar nicht soooo wenig, aber gut 200 MB verbrauche ich monatlich auf jeden Fall. Muss mir doch noch mal einen traffic-Zähler installieren.

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s