Gute Monopole, schlechte Monopole

An Felixens beiden Thesentexten zur Frage, wie Blogger zu Werbung stehen können oder sollen, wollte ich eigentlich noch ein bisschen rumdifferenzieren. Doch dann kam mir heute morgen das hier dazwischen: ein (leider von mir in der Firma scheiße gescannter, ist mir erst zuhause aufgefallen) Artikel in einer von AS&S finanzierten und befüllten Sonderbeilage der „werben & verkaufen“. (Zum Glück gibt’s den Text zum Beispiel hier noch mal digital, sogar in etwas längerer Version.)

AS&S, das ist die „ARD-Werbung SALES & SERVICES Gmbh. Und die lässt finden, dass werben zu dürfen ein Grundrecht ist, und dass es zwei Sorten von Monopolen gibt: nämlich schlechte, das wären die der anderen, und gute, das sind überraschenderweise die eigenen. Erstaunlich ist weniger, dass man sowas denkt. Das tut schließlich jeder, der den Hals nicht voll kriegen kann. Erstaunlicher ist, dass man sich traut, sowas öffentlich zu sagen.

Ein schlechtes Monpol entsteht nach Meinung des von AS&S beauftragten Prof. Dr. Hans-Peter Schneider dann, wenn es den Privatsendern gehören würde:

Nach Einschätzung von Schneider unterscheiden sich die Zielgruppen der öffentlich-rechtlichen und der privaten Kanäle so eindeutig, dass von abgrenzbaren „Teilwerbemärkten“ gesprochen werden könne. Der Zugang zum Teilwerbemarkt der Öffentlich-Rechtlichen müsse offen gehalten werden, da ansonsten ein Monopol der Privatsender entsteht.

Das ist ohnehin schon eine lustige Vorstellung: Dass der Ausschluss von zwei, ohnehin nur werktags vor 20 Uhr werbenden Sendern (die Dritten und die digitalen ÖR-Ableger senden gar keine Werbung) aus dem Markt von ca. 35 heftig konkurrierenden Sendern in meinem Kabel und ca. 200 in meinem Digitalkabel ein Monopol schaffen würde. Selbst wenn man berücksichtigt, dass einige dieser Sender in Konzernen vereint sind, bleibt da noch viel Streit um Werbekunden übrig.

Aber der Professor hat ja noch ein As im Ärmel:

Wirtschaftswerbung sei ein Element freier Kommunikation im wirtschaftlichen Bereich und werde von der Meinungsfreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes geschützt. „Daraus kann ein Recht auf Nutzung des Rundfunks zwecks Erreichen bestimmter Zielgruppen von Zuhörern und Zuschauern auf einem Werbemarkt abgeleitet werden, bei dem der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Medium ein Monopol hat“, so Schneider.

Wenn ich das also richtig verstehe, ist das so gemeint: Weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk Moik, Silbereisen und Nebel bezahlt und so die früher durchaus erfolgreichen Ausflüge des Privatfernsehens in volkstümliche Fach zum Erliegen gebracht hat, weil er sich also mit Zwangsgebühren ein Monopol auf die Generation Kukident erkauft hat – deswegen muss dieses Monopol erhalten bleiben? Weil Granufink sonst in seiner Meinungsfreiheit eingeschränkt wäre? Und das, obwohl der Professor zuvor selbst festgestellt hat, dass die Wirtschaft andernfalls zum schlechten, neuen „Monopol“ der Privatsender wechseln würde?

Man muss schon sehr verzweifelt sein und ein paar öffentlich-rechtliche Schleichwerbe- und Sportsponsoringskandale der letzten Jahre verpasst haben, wenn man der Meinung ist, dass Sender, die über 7 Milliarden Euro GEZ-Gebühren im Jahr bekommen, also ungefähr so viel, wie RTL und ProSiebenSat.1 zusammen an Umsatz ausweisen, außerdem noch Werbung platzieren dürfen müssen, um der Meinungsfreiheit zu dienen. Wo doch die werbende Industrie einzig und allein daran interessiert ist, nur noch eine Meinung zuzulassen: nämlich diejenige, in der ihr jeweiliges Produkt am besten im Bild ist.

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