Bedingt abstimmbereit: DFC und die Demokratie

(Achtung: Laaaanges Posting!)

Ich bin DFC-Mitglied Nr. 21. Als ich im Frühjahr 2008 davon erfuhr, dass es die Möglichkeit geben würde, Fortuna Köln durch die Mitgliedschaft am kommerziellen Fanbeteiligungsprojekt „deinfussballclub.de“ (DFC) zu unterstützen, war ich sofort Feuer und Flamme. Schließlich war die Fortuna seit längerer Zeit mein geliebter Kiezclub, und ich hatte schon oft mit dem Gedanken gespielt, dem Verein beizutreten. Nun versprach DFC, dass Fans die ersten Herrenmannschaft nicht nur finanziell unterstützen, sondern dass sie durch basisdemokratische Abstimmungen auch Einfluss auf das Management und auf das sportliche Geschehen würden nehmen können. Also wurde ich eines der ersten von inzwischen rund 10.000 MItgliedern.

Kritik an DFC gab es relativ früh, denn über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen erhalten die Mitglieder rein formal erst mal nur sehr wenige Rechte. Zum einen erwerben sie explizit keine Anteile an der deinfussballclub.de DFC GmbH oder gar an der Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft mbH, die wiederum zu 49% der DFC GmbH und zu 51% dem Fortuna Köln e.V. gehört und den Spielbetrieb der ersten Herrenmannschaft zum Geschäftszweck hat.

Zum anderen verpflichtet sich DFC seinen Mitgliedern gegenüber keineswegs zur Mitbestimmung. Falls es zu einer Abstimmung kommt, hat zwar jedes Mitglied ein garantiertes Stimmrecht. Doch ob eine Entscheidung den Mitgliedern überhaupt vorgelegt wird, das bestimmt alleine die Geschäftsführung des DFC. Es gibt kein Themen- oder Geschäftsfeld, für das den Mitgliedern garantiert wird, dass sie befragt werden.

All das rührte mich beim Abschluss meiner DFC-Mitgliedschaft wenig an. Denn zum einen war das Investment von 39,95 € pro Jahr überschaubar. Und zum anderen ging ich davon aus, dass DFC sich dem öffentlichen Versprechen, den Fans das „Management eines echten Fußballteams“ zu ermöglichen und „einfach alles über den Schreibtisch ihres virtuellen Büros“ gehen zu lassen, nicht würde entziehen können und wollen. Co-Trainer für 39,95 €! Basisdemokratie bei Fortuna Köln! One Fan, one vote! Das stand und steht immer noch im Raum.

Nach inzwischen über einem Jahr mit DFC, darunter einer kompletten NRW-Liga-Saison, zeigen sich allerdings die Sollbruchstellen im Umgang mit diesem Versprechen recht deutlich: Ignorierte und neu interpretierte Abstimmungsergebnisse und nun sogar ein kleiner finanzieller Verlust sind die Kollateralschäden der Abwägung zwischen Fan- und DFC-Interessen.

Es beginnt, wie so oft, am Anfang.

Wer bin ich, und wenn ja: wie viele? Ein Maskottchen mit Persönlichkeitsspaltung

Gleich wenige Wochen nach der Gründung von DFC wurde die erste Abstimmung vom Zaun gebrochen. Die DFC-Mitglieder waren genau genommen noch gar keine, mussten noch keine Beiträge zahlen und die Spielbetriebsgesellschaft war noch lange nicht gegründet. Aber die Mitgliederakquise lief auf vollen Touren, und so suchte DFC ein harmloses Abstimmungsobjekt, anhand dessen man Interessenten demonstrieren konnte, wie wunderbar die neue Fanwelt sein würde. Also lautete die erste Frage an die Mitglieder: „Soll es ein Fortuna Köln Maskottchen geben?“ Für die dringend notwendigen Bindestriche war anscheinend noch kein Geld da, und dass die alteingesessenen Fortuna-Fans ein Maskottchen für unnötigen Schischi hielten, störte auch nicht besonders. 80% der angehenden DFC-Mitglieder stimmten mit „ja“.

Bei der zweiten Abstimmung zum konkreten Motiv siegte deutlich die Glücksgöttin Fortuna, die bei insgesamt fünf Wahlmöglichkeiten etwas mehr die Hälfte aller Stimmen erhielt und auch bei einer eigentlich unnötigen Stichwahl gegen das zweitbeliebteste Motiv gewann Fortuna noch einmal deutlich. Also war klar: Ein Maskottchen soll her, und es soll eine Fortuna sein.

Ein Jahr ging anschließend ins Land. Doch als Anfang Juni die von Studenten der KISD entworfenen Design-Vorschläge für das neue Maskottchen vorgestellt wurden, traute mancher Fan seinen Augen nicht, war da doch eine Fortuna zu sehen – und drei andere Wesen. Wofür hatte DFC die Mitglieder drei Mal abstimmen lassen, ob und welches Maskottchen es denn werden solle, um dann doch völlig beliebige Vorschläge zu machen, die sich ganz offensichtlich nicht an die Abstimmungsergebnisse gebunden fühlten? Burkhard Mathiak, Pressesprecher von DFC, erklärt, dass „die Studenten genau an dem gleichen Problem gescheitert waren, wie wir oder die DFC-Mitglieder“, die man auch um Vorschläge gebeten hatte. Eine Glücksgöttin sei einfach ein undankbares Motiv, also habe man auch die anderen Entwürfe zur Wahl gestellt, zumal man sie für „äußerst gelungen“ hielt.

Das sahen manche Fans zwar schon anders, aber bei der tatsächlichen Abstimmung kam es noch besser, denn DFC zog zusätzlich zu den vier vorab präsentierten Vorschlägen ein fünftes Kaninchen aus dem Hut. Obwohl: Es hätte auch ein anderes Tier werden können, Hauptsache eines aus dem Tierheim. Das war nämlich die fünfte Abstimmungsoption, die niemandem angekündigt worden und natürlich erst recht nicht mit dem Ergebnis der ursprünglichen Mitgliederabstimmung konform war. Auf entsprechend kritische Nachfragen von einigen Mitgliedern im internen Forum reagierte DFC erst ausweichend und dann gar nicht mehr. Ein leider immer wieder beobachtetes Verhaltensmuster.

Immerhin reagierten die Mitglieder, die bis dahin oft recht gemütlich alles abgenickt hatten, was ihnen zur Entscheidung vorgeschlagen worden war, mit einer Abfuhr: Alle Vorschläge wurden abgelehnt und DFC wurde aufgefordert, neue zu präsentieren.

Nun kann man natürlich eine Abstimmung über ein Maskottchen für harmlos und unwichtig halten, und das ist sie auch. Aber sie war ein erstes Zeichen, dass die DFC-Leitung sich nicht wirklich an das Votum ihrer Mitglieder gebunden fühlt, wenn es ihr denn nicht in den Kram passt oder es anders gerade bequemer ist.

Für ein, zwei Handvoll Euro: Transparenz bei den Spielergehältern?

Ein schon etwas größeres Ei hatte sich DFC mit einer anderen Abstimmung in der Winterpause gelegt. Damals wurden zwei neue Spieler angeheuert, über deren endgültige Anstellung die DFC-Mitglieder entscheiden sollten: Tatsächlich ein Paradebeispiel für das große Versprechen, die Fans zu Managern zu machen! Nach einer kontroversen internen Diskussion wurden die Mitglieder gefragt, ob denn bei diesen und bei zukünftigen „Abstimmungen über Spielertransfers Informationen zu Gehältern veröffentlicht werden“ sollten. Mit 63% stimmten die DFC-Mitglieder dafür, und so wurden die konkreten Grundgehälter und Prämien der beiden Spieler im Abstimmungstext offen gelegt. Bis dahin alles paletti.

In den vergangenen Monaten stellte die Fortuna ihren Kader für die neue Saison zusammen, und wie oft in unteren Ligen gab es ein großes Kommen und Gehen. Die Mitglieder durften über rund 20 neue oder zu verlängernde Spielerverträge abstimmen – bekamen nun aber die konkreten Gehaltsangaben vorenthalten. Es wurde zwar noch die Einstufung des jeweiligen Spielers in eine von drei Gehaltskategorien angegeben, allerdings lagen das obere und untere Ende jeder dieser Kategorien bis zum Faktor 2,5 auseinander. Ein Spieler hätte also mehr als das Doppelte eines anderen verdienen können, ohne dass dies den Mitgliedern offengelegt worden wäre.

Aber hatte es da nicht ein anderslautendes Votum gegeben? Nein, argumentierte DFC, schließlich sei damals nur abgestimmt worden, dass „Informationen zu Gehältern“ veröffentlicht werden müssten. Und „Informationen“ habe es ja schließlich gegeben. Dieser Argumentation zufolge hätten die Fans sich freilich selbst mit der Angabe der Nachkommastellen des Spielergehalts zufrieden geben müssen: Ist ja  auch eine Information. Alle Proteste blieben wirkungslos.

Im Endeffekt interpretierte die DFC-Leitung in diesem Fall den Text einer Abstimmung bis zur Grenze der Rabulistik, und das auch noch an einer Stelle, die den Kern der DFC-Philosophie betrifft: Die Fans am Management des Vereins zu beteiligen steht schließlich ganz oben auf der Liste der DFC-Werbesprüche. Wie allerdings Management ohne genaue Zahlen möglich sein soll, erschließt sich mir nicht, der ich mit meinen Mitarbeitern Tag für Tag Projekte leite, deren Volumen über das Jahr hinweg locker um eine Größenordnung über dem Etat der Fortuna liegt.

Auf meine Nachfrage antwortet Burkhard Mathiak, dass es sich bei dieser Entscheidung tatsächlich um einen Kompromiss zwischen den Interessen der DFC-MItglieder und der Spieler gehandelt habe: „Schließlich war es u.a. Kapitän Stephan Glaser, der uns – auch im Namen des gesamten Teams – darum bat, eine andere Vorgehensweise zu finden.“ Der Konflikt ist durchaus nachvollziehbar, man hätte ihn aber vielleicht auch, begleitet von einem engagierten und nachvollziehbaren Statement des Rechtsreferendars Glaser, einfach noch mal zur Abstimmung bringen können.

Basis unbekannt: Die Suche nach einem Merchandisingpartner

Der negative Höhepunkt ereignete sich in den vergangenen Tagen, und erst durch ihn fühle ich mich genötigt, dieses Thema in die Öffentlichkeit zu tragen: Ein Schritt, den ich lange vermieden hatte, weil ich der Fortuna nicht schaden wollte. Nun jedoch wird durch eine mindestens unpräzise Abstimmungsvorbereitung der DFC-Leitung und durch ihren neu entdeckten Unwillen, eine getroffene, unscharfe Entscheidungen zu revidieren oder auch nur zu den Gunsten der Fortuna auszulegen, der Spielbetriebsgesellschaft finanzieller Schaden zugefügt – auch wenn der nur im sehr niedrigen  Prozentbereich des Jahresetats liegen wird.

Was ist geschehen?

Die DFC-Mitglieder hatten über den Merchandisingpartner für die nächsten zwei Jahre zu entscheiden. Zwei Kandidaten standen zur Wahl, die Firmen KölnTotal und Kardian. Beide legten in kurzen Anschreiben dar, warum sie den Job gerne machen würden und dass sie der Spielbetriebsgesellschaft eine Lizenzgebühr von 25% an den verkauften Artikeln abführen würden. Die Mitglieder entschieden sich für KölnTotal.

Nach der Abstimmung entstand aber plötzlich Verwirrung. Auf Nachfrage einiger Mitglieder, die das anders verstanden hatten, wurde bekannt, dass sich der prozentuale Anteil, den KölnTotal an die Spielbetriebsgesellschaft abführen würde, auf den Abgabepreis an die Händler bezog. Kardian dagegen teilte im Forum mit, dass sie denselben prozentualen Anteil von einer anderen Basis zahlen wollten, nämlich dem Ladenverkaufspreis – was natürlich ein exakt so substanzieller Unterschied ist, wie sich EK und VK für einen Einzelhändler bei Merchandisingartikeln unterscheiden.

Die Mitglieder hatten also eine Abstimmung vorgelegt bekommen, bei der die Konditionen nur scheinbar identisch waren, sich tatsächlich aber deutlich unterschieden. Ich selbst war davon ausgegangen, dass die Angebote von DFC geprüft und hinterfragt worden waren, bevor sie zur Abstimmung gegeben wurden. Wenn ich als direkt Verantwortlicher solche Angebote erhalten hätte, in denen mir x Prozent angeboten werden, hätte ich jedenfalls eine wesentliche Frage gestellt: „x Prozent von was?“

Ok. Darf zwar nicht passieren, kann aber. Doch was nun?

Auf die massiven Proteste einiger Mitglieder im Forum reagierte DFC wie schon früher oft: Erst mal um den heißen Brei herum reden. „Ich verstehe nicht so ganz, wo das Problem liegt. Die Konditionen beider Shops sind doch gleich“, war die Reaktion eines DFC-Offiziellen, nachdem der Unterschied zwischen Händlerpreis und Endkundenpreis schon lang und breit im Forum dramatisiert worden war.

Auf hartnäckige Nachfragen legte sich DFC dann schließlich auf die folgende Argumentationslinie fest: Kardian habe vorab nicht deutlich genug gemacht, worauf sich ihr Prozentsatz beziehe. Außerdem habe man bereits einen Vertrag mit Köln Total geschlossen, aus dem man nicht mehr herauskomme, zumal die Produktion der Merchandisingartikel bereits begonnen habe.

Dass auch KölnTotal sein Angebot nicht konkret genug gestaltet hatte, dass DFC die Angebote anscheinend unzureichend geprüft und auch bei mindestens einer anderen, früheren Abstimmung eine bereits getroffene Entscheidung ignoriert hatte, davon wollte man in diesem Fall nichts wissen. Insbesondere aber gab es keine Antwort auf die Nachfrage, warum die DFC-Leitung einfach akzeptiert, dass KölnTotal eine unklare Angabe im Angebot zu den eigenen Gunsten auslegt?

Burkhard Mathiak nimmt Stellung: „Das Angebot von KölnTotal ist absolut marktgerecht und üblich. Die Einlassungen der Kardian Werbeagentur kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ich bin lange genug im Merchandisinggeschäft tätig und kenne sowohl die Lizenzgebühren bei den Bundesligisten als auch die Spannen die beim Weiterverkauf an Handelspartner gezahlt werden. Kardian hatte genug Zeit, auf die Besonderheiten ihres Angebotes hinzuweisen. Das ist nicht geschehen. Für mich sieht das nun so aus, als ob sie nachträglich etwas behaupten, das so vorher nie gemeint war.“

Dazu Karsten Schumacher, Inhaber von Kardian: „Solche Vorwürfe sind reine Unterstellungen, um Stimmung gegen uns zu machen. Wir waren sehr überrascht von der Aussage, dass die Lizenz von KölnTotal lediglich vom Abgabepreis an den Handel geleistet wird.“

Im Weiteren erklärt Schumacher, dass er mit einem attraktiven Angebot einen für ihn neuen Markt habe erschließen wollen. Außerdem behauptet er, dass Kardian usprünglich nicht einmal um ein Angebot gebeten worden sei: „Lediglich auf die Nachfrage beim DFC (nicht von uns) hieß es: ‚Kardian hat noch kein Angebot zur Ausschreibung abgegeben, max. noch 3 Tage Zeit‘ – die Ausschreibung haben wir jedoch nie gesehen…“

Zu allem Überfluss endet die Geschichte mit einem Treppenwitz. Schumacher postete im DFC-Forum, dass KölnTotal nach der gewonnen Abstimmung eine Anfrage an Kardian gerichtet habe: Man wolle Designs und Restware übernehmen. Mir schreibt Schumacher: „Angedacht und zu verhandeln war, dass Kardian alle Textilien entwirft und produziert, KölnTotal macht den Vertrieb.“ Dieselben Artikel zu geringeren Lizenzgebühren wäre die Konsequenz, falls diese Aussage der Wahrheit entspricht.

KölnTotal wollte auf meine am Dienstagabend übersendeten Fragen übrigens keine Stellung nehmen und verwies auf Burkhard Mathiak.

Eins ist jedenfalls klar: Das Band zwischen der DFC-Leitung und Kardian ist zerschnitten. Ausbaden muss es aber die Spielbetriebsgesellschaft, die nun das finanziell weniger attraktivere Angebot angenommen hat und Nachverhandlungen offensichtlich auch nicht angehen möchte. Eine neue Abstimmung will selbst Kardian nicht mehr.

Was seitdem geschah: Zurück in die Zukunft?

Auch nachdem ich eine Rohfassung dieses Artikels am Dienstagabend an DFC gesendet und am Donnerstag Abend ausführlich mit Burkhard Mathiak telefoniert hatte, um der Leitung eine Möglichkeit zur Stellungnahme zu geben, entstanden gleich noch zwei weitere Beispiele verpasster Mitwirkungsmöglichkeiten.

Zunächst entdeckten Fans auf dem aktuellen Mannschaftsfoto ein neues Gesicht: Sebastian Flügel stand da als Teammanager, ohne dass dies irgendwem angekündigt oder gar zur Abstimmung vorgelegt worden wäre. Und das, obwohl Sebastian, der bei den Fans und den DFC-Mitgliedern wegen seiner letzten Tätigkeit als Hausfotograf der Fortuna bekannt ist und auch persönlich großen Rückhalt genießt, garantiert ein sozialistisches Abstimmungsergebnis eingefahren hätte. Das sei tatsächlich ein Versäumnis gewesen, gestand Burkhard Mathiak in meinem Telefonat mit ihm ein.

Und erst an diesem Donnerstag lasen die Fans, dass das erste Saisonspiel in Sprockhövel auf Bitte der Fortuna vorverlegt worden war: vom Sonntag nächster Woche auf Freitag. Dass für Sonntag schon zwei Fan-Busse und wahrscheinlich auch die ein oder andere private Reise organisiert worden waren? Pech. Warum man die Fans nicht einfach mal gefragt hatte? Weil sportliche Gründe hier allein Ausschlag gegeben hätten, man wolle der Mannschaft eine längere Regeneration bis zum darauffolgenden Mittwochsspiel ermöglichen. Hätte man das aber nicht früher kommunizieren und vielleicht sogar den DFC-Mitgliedern nachvollziehbar erklären können? Jedenfalls hätte es sich mindestens hier angeboten, Fans über Faninteressen abstimmen zu lassen.

Des Fudels Kern: Was nun, DFC?

Deutlich zeigte sich im vergangenen Jahr, dass es für DFC noch viel Arbeit gibt, bis das große Versprechen erfüllt wird. Das sieht auch Burkhard Mathiak so: „Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir einige Dinge noch besser machen können – das ist mir gestern in unserem Telefonat klargeworden. Und Ihr könnt Euch alle sehr sicher sein, dass wir jede Form der Kritik annehmen und jeden Tag dazu lernen.“

Außerdem verweist Mathiak auf das bereits Erreichte, auf erfolgreich durchgeführte Abstimmungen und die Einschätzung der Fortuna als Aufstiegskandidat durch die NRW-Liga-Trainer. Tatsächlich: Dass Deinfussballclub eine große Chance für Fortuna Köln ist, und, wie sich in einem Chat mit dem Fortuna-Vorstandsvorsitzenden Klaus Ulonska vor einigen Wochen zeigte, wahrscheinlich sogar ihre Rettung vor neuerlichen Finanzproblemen war, das bleibt unbestritten. Ebenso wie die Tatsache, dass der Ansatz von DFC grundrichtig ist.

Genauso deutlich wurde aber auch, dass sich gerade einige der aktivsten DFC-Mitglieder immer wieder vergrätzt fühlen, wenn sie anhand kleiner und großer Probleme feststellen müssen, dass ihre Mitbestimmung da endet, wo es der DFC-Leitung zu passen scheint. Und es könnten genau diese aktivsten Mitglieder sein, die langfristig über den Erfolg von DFC entscheiden, selbst wenn der für die kommende Saison angepeilte sportliche Erfolg einiges überdecken könnte, falls er denn wirklich erreicht wird.

Denn obwohl DFC seinen Mitgliedern für den Jahresbeitrag noch ein paar konkrete Leistungen bietet, unter anderem einen Liveticker und professionell gemachte Videoberichte von allen Spielen, so bleibt der Kern des Projekts doch die Mitbestimmung der Fans bei einem echten Fußballverein. „Einfach alles“ entscheiden zu können ist das Versprechen! Und sollte man diesen sensiblen Markenkern auch nur hier und da kompromittieren, langsam aushöhlen oder die Mitglieder verlieren, die ihn auf Temperatur halten, dann könnte es DFC langfristig so gehen, wie mancher heißen Idee, die doch nur lauwarm serviert und schließlich kalt entsorgt wird.

Und nichts wäre bedauerlicher für die DFC-Macher – und für Fortuna Köln.

Anhänge:

Komplette Stellungnahme von Burkhard Mathiak (PDF)

Komplette Antworten von Kardian auf meine Fragen (PDF)

Liste von Fragen an KölnTotal (PDF)

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7 Gedanken zu “Bedingt abstimmbereit: DFC und die Demokratie

  1. Halblinks schreibt:

    Hallo surfguard,
    schöne, sachliche Zusammenfassung der Unzulänglichkeiten. Aus meiner Sicht könnte man die ausbleibenden Erklärungen zur Finanzplanung hier noch ausführlich ergänzen, die mich vollständig desillusioniert haben.

    Gruß
    Halblinks

  2. @halblinks
    Danke für das Lob. Ja, es stimmt, es gäbe da noch ein paar andere Dinge zu berichten, die mehr in Richtung Transparenz gehen. Aber erstens ist der Artikel auch so schon lang genug, und zum anderen finde ich, dass es ja durchaus auch positive Aspekte von DFC gibt. Ich wollte kein Abrechnung schreiben, sondern den Finger auf die meiner Ansicht nach größte Wunde legen: Das meiner Ansicht nach verbesserungsfähige Demokratieverständnis.

  3. campbell schreibt:

    Da ist Dir eine Darstellung des „DFC-Problems“ gelungen, die auf Polemik vollkommen verzichtet. Grossartig! Ich fürchte nur das die Fortuna die grossen Probleme mit dem DFC noch vor sich hat und die Fortuna für die „Leute vom DFC“ nur ein Meilenstein auf dem Weg zu etwas anderem, grösserem ist…:-(

  4. campbell, lange nichts mehr von dir gelesen, insbesondere nicht bei DFC oder auch im Heimspiel-Forum! Schön, dass du dich meldest, und danke für das Lob!

    Was deine Befürchtung angeht: Ich bin mir nicht sicher, wie DFC das sieht. Aber ich glaube, dass gerade dann, wenn DFC noch andere Pläne hätte, die Schaffung eines erkennbaren Profils wichtig wäre. Ansonsten würde DFC bei einem anderen Verein nur mit dem Versprechen antreten. Wir sammeln Mitglieder, die zahlen Geld und dann kommt ihr nach oben. Das hätte, glaube ich, als Story schon bei der Fortuna nicht 10.000 Mitglieder gewonnen.

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