Weinreich wieder weggemahnt

Jens Weinreich mal wieder. Nach allem, was ich in den vergangenen Wochen zum Dopingfall von Claudia Pechstein gesehen habe, und das war wirklich viel, gab es auf Jens Weinreichs Blog die mit großem Abstand umfangreichste Sammlung von Fakten und Berichten zum Thema.

Es war zwar immer erkennbar, welche Einschätzung Jens Weinreich zu dem Fall hat, nämlich dass Claudia Pechstein gedopt hat. Aber es war auch immer das ehrliche Bemühen erkennbar, sachlich zu argumentieren, selbst wenn er dazu in epische Breite und Tiefe gehen und endlose Datenreihen ausbreiten musste, wofür auf einem Blog ja dankenswerterweise genug Platz zur Verfügung steht.

Jetzt haben die Pechstein-Anwälte Jens Weinreich bei einem sachlichen Fehler erwischt. Weinreich gesteht den Fehler ein. Aber es hat den deutlichen Anschein, dass Weinreich mit der Abmahnung eingeschüchtert werden soll, denn wirklich gravierend war der Fehler nicht, und korrigiert war er auch schnell: Weinreich hatte geschrieben, dass neben dem Moderator Thomas Reckermann und dem Experten Professor Kiesewetter auch Dr. Rolf Kruse vom Bonner Referenzinstitut für Bioanalytik Geld für seinen Auftritt auf der Pressekonferenz von Claudia Pechstein erhalten habe. Das war falsch, Kruse wollte kein Honorar, ließ sich nicht einmal die Reisekosten erstatten.

Nach geschätzten 100.000 Zeichen, die Weinreich zum Blutdopingfall von Claudia Pechstein in seinem Blog veröffentlicht hat, da hat er also endlich einen Fehler gemacht, und bekommt von den Pechsteinanwälten prompt zwei Abmahnungen präsentiert, für die er jeweils 775,64 € Gebühren bezahlen soll.

Das ist zwar rechtlich wahrscheinlich unangreifbar (oder doch nicht?). Und vielleicht ist es sogar ein bisschen nachvollziehbar, wenn Pechstein jede Falschinformation zu ihrem Fall unterbinden möchte. Aber wenn sie tatsächlich unschuldig ist, dann müsste sie Jens Weinreich als Freund betrachten, der sich stets bemüht, Tatsachen umfangreich bis vollständig und wahrheitsgetreu zu berichten. Und die Fakten stehen doch auf Pechsteins Seite?

P.S.: Wer mahnt eigentlich die Pechsteintruppe für die schon bei der Pressekonferenz als Fehlinformation erklärte Behauptung ab, die ihr zugeordneten Blutproben seien gar nicht von ihr, weil die Barcodes unterschiedlich seien?

P.P.S.: Den wirklich interessantesten Auftritt auf der Pressekonferenz hatte meiner Ansicht nach übigens eben jener unbezahlte Dr. Kruse. Er sagte nämlich aus, dass die Schwankungsbreite der Retikolozyten-Messwerte von Claudia Pechstein im Rahmen der Genauigkeit der Messgeräte liege. Bliebe nur noch zu erklären, wieso die Messwerte gerade zu großen Wettbewerben oft in dieselbe Richtung ungenau waren, nämlich nach oben? Aber manchmal sieht man ja wirklich Muster, wo keine sind.

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2 Gedanken zu “Weinreich wieder weggemahnt

  1. Dennis schreibt:

    Rechtlich unangreifbar… nicht zwingend. Die Abmahnung ist in der Form wahrscheinlich schon angreifbar, weil ggf. kein Anspruch auf Unterlassung, sondern nur auf Korrektur bzw. Gegendarstellung besteht, schließlich gibt es keinen Verstoß ggn. Wettbewerbs- oder Urheberrecht, sondern einzig eine presserechtliche Angreifbarkeit der Geschichte. Ggf. könnte der Herr wohl noch versuchen einen Schadeersatz durchzudrücken – was er aber auch neben der Abmahnung und trotz Unterlassungserklärung könnte.

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