Immer wieder Herzberg

Ich werde ja nicht müde, das Lied von Frederick Herzberg zu singen: Nur intrinsische Faktoren motivieren Menschen. Herzberg fand empirisch, dass die folgenden Faktoren Menschen motivieren, und zwar in dieser Reihenfolge: Erfolg, Anerkennung, Arbeitsinhalt („Work Itself“), Verantwortung, Vorwärtskommen, Entwicklung.

Gehalt dagegen ist laut Herzbergs Untersuchung ein Hygienefaktor: Es demotiviert also nur, wenn es zu niedrig ist, motiviert aber nicht, wenn es oberhalb der persönlichen Vorstellungen und Notwendigkeiten des Empfängers liegt.

Und was zitiert Spiegel Online gestern als Faktoren, die Manager in einer Umfrage als ihre größten Motivatoren nennen? Interessante Arbeitsinhalte, die Möglichkeit zur Weiterentwicklung, Anerkennung. Nicht überraschend – wenn man sich auskennt und die Ergebnisse der empirischen Motivationsforschung der letzten 40 Jahre mal ansatzweise studiert hat.

Aber warum sollte man das tun, wenn man einen SpOn-Artikel über Manager schreiben will? Das Wissen um die Gültigkeit dieser Erkenntnisse könnte nur dabei stören, wieder mal auf Manager einzuschlagen:

Dennoch atmet die Studie nicht den Geist neuer Bescheidenheit, im Gegenteil. Gerade jüngere Führungskräfte fordern neben angemessener Vergütung auch Jobsicherheit, eine gute Unternehmenskultur und gesunde Work-Life-Balance, der stattliche 85 Prozent eine gestiegene Bedeutung attestieren.

Was ist daran unbescheiden, wenn man einen sicheren Job haben will, wenn man in einem Unternehmen mit angenehmer Unternehmenskultur arbeiten möchte und wenn man geregelte Arbeitszeiten will? Diese Punkte sind, bis auf die im Vergleich zu den Untersuchungen aus den 60ern wichtiger gewordene Work-Life-Balance, ebenfalls klassische Faktoren, die schon Herzberg gefunden hatte – und zwar als Hygienefaktoren. (Sprich: Sie motivieren nicht, verhindern aber Demotivation.)

SpOn hämt weiter:

Das Kalkül: Wenn Geld allein nicht glücklich macht, müssen erst recht auch die anderen Faktoren stimmen.

Hallo? Informiert euch mal, lieber Christian Rickens und lieber Klaus Werle, bevor ihr so einen Artikel schreibt: Geld hat noch nie glücklich gemacht. Niemanden. Mehrheitlich haben Menschen schon in den 60ern gesagt, dass sie für die Arbeit arbeiten, nicht für’s Geld. Und es gehört schon die ein oder andere verbogene Gehirnwindung dazu, Managern, die sich mal nicht wie erwartet als geldgeil outen, vorzuwerfen, dass sie einen sicheren Job wollen.

Was wäre denn die Wunschvorstellung von SpOn? Manager, die wenig verdienen, jederzeit gefeuert werden können und sich damit bescheiden? Warum sollte irgendjemand damit zufrieden sein?

Ganz am Ende wird’s dann noch mal extra perfide – und extra inkompetent:

Besonders deutlich wird das in der Frage nach der überdurchschnittlichen Leistungsbereitschaft der Wirtschaftselite, die gern als Argument für Spitzengehälter genannt wird. Dieser vielgerühmte Einsatzwille der Führungskräfte aber entpuppt sich in der Umfrage als Mythos. Nicht einmal jeder Dritte stimmt der Aussage zu, Manager würden bereits so gut bezahlt, dass eine überdurchschnittliche Performance selbstverständlich sei.

Ihr habt’s nicht verstanden. Das funktioniert so: Man motiviert Menschen, indem man Motivatoren einsetzt, also ihnen zum Beispiel anspruchsvolle udn interessante Aufgaben überträgt, indem man sie sich weiterbilden lässt, indem man ihre Erfolge explizit anerkennt (im Volksmund nennt man das: loben). Und wenn man das tut, dann bringen Menschen von ganz alleine Leistung.

Noch niemals hat irgendjemand gearbeitet, um Leistung zu bringen. Menschen, und wir reden hier nicht von Burgerbratern bei McDonald’s, arbeiten, um Spaß bei der Arbeit zu haben. Und wenn sie diesen Spaß haben, dann bringen sie auch Leistung.

Das haben allerdings Personalberater noch nie verstanden, und das werden auch Spiegelredakteure nicht verstehen. Wenigstens nicht, solange Inkompetenz die gehässigeren Artikel liefert.

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