Nennt mich nicht Ismael

Lange nichts mehr von Professor Pfeiffer gehört, wahrscheinlich ist einfach zu lange niemand mehr Amok gelaufen. Jetzt aber gibt’s gute Nachrichten für den selbsternannten Behüter unserer Kinder: Jugendschutz wird einfacher, denn es ist eine neue Korrelation entdeckt worden.

Ungelogen, es ist nämlich so:

Der durchschnittliche PNI für die jugendlichen Kriminellen in unserem Datenbestand war erheblich niedriger als der für die allgemeine Bevölkerung.

Der PNI ist ein Index, der die Häufigkeit eines Namens innerhalb einer Bevölkerung angibt. Man kann also sagen: Kinder mit seltenen Namen werden öfter kriminell als solche mit gängigen Namen.

Ist doch logisch, oder? „Having an unusual name . . . leads to unfavorable reactions in others, which then lead to unfavorable evaluations of the self“ (in der Originalstudie von Twenge and Manis zitiert).

Es ist also ganz einfach: Außer, dass man natürlich die Blagen in Horts und Erziehungsheimen wegsperrt und ihnen dort die Computerspielerei aus dem Leib verbietet, muss man nun bloß noch den Eltern des Packs klar machen, dass sie ihre Kinder nicht mehr Shakira, Michelle oder Lewin nennen. Stattdessen müssen wir Generationen von Michaels, Stefans (ist Stephan vielleicht schon zu exotisch?) und Maries ausbrüten lassen – und alle Probleme sind gelöst. Vielleicht hatte die Unterschicht das schon geahnt und sich deswegen darauf geeinigt, „Kevin“ zu einem Massentrend zu machen? Selbstreinigung durch Uniformität, quasi?

Schade nur, dass andere Forscher nicht so schlicht denken wie Professor Pfeiffer. Dr. Daniel Lee, der an der Universität Shippensburg in Pennsylvania die Untersuchung (First Names and Crime: Does Unpopularity Spell Trouble?) verantwortete, erklärt den gefundenen Zusammenhang nämlich mit dem Erzfeind von Prof. Pfeiffer, einer gemeinsamen Ursache für die korrelierten Größen:

Jugendliche mit unpopulären Namen kamen meist aus nicht-traditionellen Familien, wie Haushalten von Alleinerziehenden, und aus Gegenden mit geringerem sozioökonomischem Status. Wenig verbreitete Namen sind deshalb wahrscheinlich nicht die Ursache für Kriminalität, sondern korrelieren mit Faktoren, die die Tendenz zu Jugendkriminalität verstärken.

Aber vielleicht lässt sich ja finden, dass Kinder mit seltenen Namen auch mehr Medien konsumieren als andere. Dann haben wir sie endlich wieder wieder, und es heißt: Ab ins Heim, Ismael!

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