Fortuna Köln – SC Wiedenbrück 1-2

Nach dem deutlich misslungenen Spiel vom Mittwoch hatte Fortuna Köln heute die Gelegenheit, gegen den nächsten Aufsteiger alles wieder gut zu machen. Allerdings war das nicht irgendwer, der da kam: Der SC Wiedenbrück hatte seine letzte Verbandsligasaison mit 93 Punkten und geradezu sagenhaften 105:27 Toren in 34 Spielen abgeschlossen. Auch 28 Punkte Vorsprung auf den Meisterschaftszweiten könnten in dieser Spielklasse rekordverdächtig sein. Vorsicht war also angesagt, auch wenn die heute auflaufende Mannschaft von Wiedenbrück wohl hauptsächlich aus Neuzugängen bestand.

Südstadion

Trainer Mink nahm das zum Anlass, sein ohnehin nicht besonders offensives System noch einmal umzustellen. Dass es dann aber gleich ein 4-4-1 wurde, lag nun nicht an ihm – sondern an Sascha Jagusch, der gleich in der 1. Minute einen steil und zentral durchgebrochenen Wiedenbrücker von hinten am Trikot zupfte, zu Fall brachte und die gerechte rote Karte sah.

Aufgelaufen war die Fortuna noch so: Blech – Venekamp, Marten, Jagusch, Gran – Ende, Beckers – Dahmani, Schwarz, Glaser – Can. Mink hatte also vermutlich wieder auf 4-2-3-1 umgestellt. Dass in dieser Formation Beckers als zweiter Sechser zum Zug kam war genausowenig überraschend wie der Einsatz von Jan Gran für Tevfik Furucu, der am Mittwoch grottig gekickt hatte. Und wahrscheinlich hatte es der gegen Speldorf genauso schlechte Benjamin Venekamp hauptsächlich der Tatsache, dass Gran nicht zwei Spieler ersetzen konnte, zu verdanken, dass er noch einmal auflaufen durfte.

Deutlich unerklärlicher war dagegen, dass für Daniel Blankenheim nur auf der Bank Platz war. Schwarz sollte vermutlich wie am Mittwoch den offensiven zentralen Mittelfeldspieler geben, hatte da aber keineswegs überzeugt und nie Kontakt zum Spiel gefunden.

Ob das taktisch wirklich so gedacht war, oder ob Mink doch ein 4-4-2 mit Doppelsechs und Schwarz als Stürmer spielen wollte, werden wir leider nie erfahren – eben wegen der roten Instantkarte für Jagusch und der folgenden Umstellung: Es kam der wiedergenesene Frank Schroden als neuer Innenverteidiger, Schwarz musste weichen, und die Fortuna spielte gezwungenermaßen das erwähnte 4-4-1 mit zwei Sechsern.

Auflaufen der Mannschaften

Erstaunlicherweise gelang ihr das gar nicht schlecht. Natürlich konnte Fortuna, zumal bei sommerlichen Temperaturen an der 30°-Grenze, das Spiel nicht dominieren. Aber sie war immer gefährlich, spielte gut nach vorne, lediglich im Abschluss wurde sie selten wirklich gefährlich. Ein letzter Pass, eine gefährliche Flanke fehlte meist.

Das lag aber auch am Schiedsrichter. Der hatte sich früh auf eine klare Linie festgelegt: Jede Scheiße pfeifen, auch wenn man dadurch einen Vorteil unterbindet, und bei jedem zweiten Foul gelb zeigen. Da die Fortuna immer dieses zweite Foul erwischte, musste sie den Karton deutlich häufiger sehen als die Wiedenbrücker, die keineswegs fairer spielten. Eine sachliche Begründung für die ungleiche Verteilung von Verwarnungen war jedenfalls nicht erkennbar, zumal Stephan Glaser in der ersten Halbzeit auf dem rechten Flügel gleich ein paar Mal übel oder, wenn er einen Gegenspieler hatte aussteigen lassen und nach innen zog, taktisch gezielt von den Beinen geholt wurde. Insgesamt erntete Wiedenbrück hier nur eine Gelbe, mindestens zwei zu wenig.

Fortuna Köln - SC Wiedenbrück

Fortuna Köln - SC Wiedenbrück

Das 1-0 fiel dann aber, etwas unerwartet zu diesem Zeitpunkt, als die Fortuna kurz vor der Pause gerade am Drücker war, für den SC Wiedenbrück: Ich war offen gesprochen gerade mit der Kamera zugange und verfolgte das Spielgeschehen am anderen Ende des Platzes nicht mit maximaler Aufmerksamkeit, als der Ball plötzlich im Netz lag und die Blauen jubelten. Wirklich große Chancen hatten die Gäste bis zu diesem Zeitpunkt nicht gehabt, auch wenn sie in Überzahl natürlich relevante Spielanteile erobern konnten.

1-0 für Wiedenbrück

Pause.

Fortuna Köln - SC Wiedenbrück

Nach der Pause dann sofort die Fortuna: Alexander Ende spielte bei einem Konter einen schönen Steilpass auf Cengiz Can, der den Ball mit dem Kopf gekonnt mitnahm, sich kurz vorlegte, aber am herausstürzenden Keeper scheiterte. Den Abpraller allerdings drosch Ende direkt und mit dem Vollspann aus ca. 30 Metern zwischen zwei Verteidigern hindurch und am Torwart vorbei in die Maschen. Sehr souverän, geiles Tor und ein verdienter Spielstand!

Schöner Pass von Ende auf Can

Can scheitert am Keeper

Ende zieht aus dem Hintergrund ab

Ende zieht aus dem Hintergrund ab

Jubel nach dem 1-1

In der Folge entwickelte sich zwar nicht direkt ein Schlagabtausch, aber doch ein offenes Spiel, in dem beide Mannschaften den Sieg wollten: Die Fortuna eher konternd, die Wiedenbrücker vorsichtig aber nachdrücklich angreifend. Einige unübersichtliche Szenen im Strafraum konnte Wiedenbrück nicht zu einem Torschuss nutzen, also wartete man auf einen Konter, der in der 73. Minute kam: Polder führte den Ball zentral, alles rechnete mit dem Steilpass auf den linken Flügel, als Polder kurzentschlossen einfach selbst ging und frei vor Blech sicher verwandelte. Ein Tor, das so nie fallen darf, weil die Abwehr dem Stürmer den direkten Weg zum Tor freigemacht hatte. Lars Marten war der freundliche Türöffner.

Wiedenbrücker Jubel nach dem 2-1

Und doch hätte die Fortuna den Ausgleich erzielen müssen. An der linken Straraumgrenze kam in der 82. Minute ein Fortune zu Fall; für mich zu weit weg, um die Berechtigung des Elfmeterpfiffs zu beurteilen. Jedenfalls schnappte sich Can den Ball – was Trainer Mink nach dem Spiel als nicht abgesprochen kritisierte. Alexander Ende, der im ersten Match souverän verwandelt hatte, war bereits ausgewechselt. (Warum eigentlich? Kaputt? An seiner Leistung kann es heute jedenfalls nicht gelegen haben.) Unklar also, wer schießen sollte, zumal Daniel Blankenheim auch nicht auf dem Platz stand. Frank Schroden? Stephan Glaser? Christian Beckers? Jedenfalls folgte ein kurzes Geplänkel von Can mit dem Wiedenbrücker Keeper, Can lief  an – und schoss den Ball an die Oberkante der Latte.

Can verschießt den Elfmeter

Dass der Ball rein muss, ist selbstverständlich, und ein Fehlschuss schlimm genug. Dass aber ein Neuzugang, der nicht als Schütze eingeteilt ist, sich den Ball schnappt, weil er offensichtlich sein Erfolgserlebnis nach einigen vergebenen Chancen erzwingen möchte, und dass sich keiner der eingeteilten Spieler oder der Kapitän ihm zu widersprechen oder selbst die Verantwortung zu übernehmen traut – das sollte für ein kleines Rappeln im Fortuna-Karton sorgen.

Einen letzten Höhepunkt hatte sich das Spiel dann noch für die 90. Minute aufgehoben: Ein hartes Einsteigen von Abdelkader Maouel, gerade 20 Minuten zuvor eingewechselt, ahndete Schiedsrichter Daniel Schächner nicht mit der fälligen Gelben, sondern mit einer lächerlich überzogenen Roten. Mir ist nicht klar, wie sich  Schächner die Leitung eines NRW-Liga-Spiels vorstellt. Aber mit einer so kleinlichen Linie in einem zwar nickeligen, aber keineswegs überharten Spiel, mit insgesamt 8 gelben und 2 roten Karten, ist absehbar, dass der Kollege in einem wirklich Problemspiel halbe Teams vom Platz stellen müsste. In seiner Karriere war dies das neunte NRW-Liga-Match, nachdem er bislang Spiele der A- und B-Jugend-Bundesliga sowie Verbandsliga-Partien geleitet hatte. Man muss hoffen, dass nicht viele dazu kommen, wenigstens nicht in der Oberliga, zumal die Kartenflut persönliches Stilmittel von Herrn Schächner zu sein scheint.

Rot für Abdelkader Maouel

Die roten Karten werden üblicherweise Sperren von vier Wochen nach sich ziehen. Zwar muss man sagen, dass Fortuna die beiden gesperrten Spieler relativ gut ersetzen kann, aber natürlich wird die Bank nun noch dünner.

Am Ende hatte die Fortuna hatte die Niederlage nicht verdient, aber selbst verschuldet, nicht nur durch den vergebenen Elfmeter. Auch sonst klappte das Spiel in die Spitze noch nicht gut, selbst wenn man die Unterzahl berücksichtigt. Dennoch war spielerisch, wie auch Matthias Mink nach dem Spiel feststellte, eine deutliche Steigerung gegenüber dem Speldorf-Spiel erkennbar. Und kämpferisch konnte man den zehn verbliebenen Mann bei diesen Temperaturen ohnehin nichts vorwerfen. Eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Mannschaft verbietet sich aber weiterhin. Vielleicht fahre ich am nächsten Sonntag nach Hamm, um mir mal einen Auswärtsauftritt anzusehen.

Alle meine Fotos vom Spiel bei Flickr.

Die offiziellen Fotos von palim bei Flickr.

Schüchterne Schiris nach dem Spiel

Da ist doch schnell alles vergessen

Trost vom Trainer

Pressekonferenz nach dem Spiel

Frank Schroden

Abgang von Hamdi Dahmani und Jan Gran

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2 Gedanken zu “Fortuna Köln – SC Wiedenbrück 1-2

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