Kurz nachgefragt bei: Felix Bably, Ex-Spieler von Fortuna Köln

Felix Bably ist am 04.10.1982 geboren. Nachdem er sich bei Bayer Leverkusen von der A-Jugend bis in die Regionalligamannschaft gespielt hatte, war er ein Jahr für Germania Dattenfeld im Einsatz. Zur Saison 2008/09 heuerte er dann bei Fortuna Köln an, kam aber meist nur kurz zum Einsatz: In 30 Einsätzen (von 38 Saisonbegegnungen) spielte er im Schnitt 39 Minuten. Trotz eines laufenden Zweijahresvertrags wurde Bably am 06. Juni von Trainer Matthias Mink in die U23 verbannt. Heute nun stimmten die Mitglieder von Deinfussballclub.de nach arbeitsrechtlichen Streitereien zwischen der Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft und Felix Bably einem gerichtlichen Vergleichsvorschlag zu, mit dem der Vertrag von Bably rückwirkend zum 31.07.2009 aufgelöst wird.

Mich interessierte, wie Felix Bably sein schwieriges Jahr bei der Fortuna erlebt hat, also fragte ich telefonisch bei ihm nach.

Hallo Felix, dein Vertrag mit Fortuna Köln wird in Kürze aufgelöst werden, die DFC-Mitglieder haben heute zugestimmt. Mal ehrlich: Bist du erleichtert, dass es vorbei ist?

Ja, das sind gemischte Gefühle. Ich bin auf der einen Seite natürlich traurig, dass ich den Vertrag nicht erfüllen kann. Auf der anderen Seite ist es auch für mich schon eine Erleichterung, dass es jetzt endlich mal vorbei ist mit dem ganzen Hickhack.

Wenn du zurückblickst auf das Jahr bei der Fortuna: Wie hast du das erlebt?

Wenn ich auf meine Fußballerzeit zurückblicke, war das natürlich nicht das beste Jahr, was ich je hatte, eher das schlechteste, seit ich im Seniorenbereich spiele. Sportlich war’s natürlich enttäuschend für mich, aber von den Fans her, von der Mannschaft oder auch von Köln, vom Umfeld her, hab ich mich sehr wohl gefühlt. Aber für mich persönlich war’s nicht so überzeugend.

Wie bist denn eigentlich zur Fortuna gekommen? Bist du angesprochen worden oder hast du dich bei der Fortuna gemeldet, dass du gerne kommen würdest?

Ich hatte ja vorher in Dattenfeld ein gutes Jahr gespielt, ein sehr gutes, in der Oberliga. Aber in der Vorbereitung lief’s dann nicht so gut für mich. Das hatte mehr private Gründe, es gab einen Todesfall in der Familie, und da hatte ich ein bisschen Probleme, also habe ich gedacht: Ich will mal was ganz Neues machen. Deswegen hatte mich dann Dr. Merkle angesprochen, dann haben wir uns an einen Tisch gesetzt, haben darüber gesprochen und dann haben wir uns auf einen Zweijahresvertrag geeinigt.

Offensichtlich hattest du ja nicht mit Trainer Matthias Mink gesprochen, bevor du unterschrieben hast, oder?

Nein, ich hatte nicht mit Mink gesprochen.

Kam dir das nicht irgendwie komisch vor, dass man nicht mal mit dem Trainer des Vereins spricht, zu dem man geht?

Zu der Zeit habe ich mir gedacht: Egal, wer da Trainer ist, ich bin stark genug, ich werd immer spielen. Und zu dem Zeitpunkt war es ja auch nicht so ganz klar, ob Mink Trainer bleibt oder nicht. Es war ja, glaube ich, auch im Gespräch dass der [Hermann-Josef] Werres Trainer wird, und das habe ich schon im Hinterkopf gehabt: dass der Mink eh nicht mehr lange dableiben wird.

Und wie war dann das Verhältnis zu Matthias Mink?

Ich war halt da, und er musste mich einbauen. Ich hatte das Gefühl, dass er mich nicht so wirklich… Natürlich hat er mir hier und da mal eine Chance gegeben, aber nicht so, wie ich mir das vorstelle, dass man mal auch nach drei schlechten Spielen noch ein viertes bekommt. War schon ein bisschen schwierig, aber das hat er ja am Ende auch öffentlich gesagt.

Gestern war ein Chat mit den DFC-Mitgliedern, und da sagte Matthias Mink, dass es alleine sportliche Gründe waren, wegen derer er dich in die Zweite Mannschaft versetzt hat. Hat er mit dir darüber gesprochen, welche Schwächen er bei dir sieht, was du verbessern sollst, damit er meint, dich in der ersten Mannschaft einsetzen zu können?

Nein, so wirklich nicht. Er hat mir gesagt, ich hätte das Potenzial, aber da wäre halt nicht viel gekommen und er wäre enttäuscht, dass das so ist. Das hat er mir gesagt drei, vier Wochen bevor die Saison zu Ende war. Und als ich mich dann wieder reingeklagt hatte in die erste Mannschaft, da wurde ich gar nicht mehr beachtet und nur zum Laufen geschickt. Das war schon so eine Art Disqualifizierung, fand ich. Er hat ja gesehen, dass wir uns nicht einigen mit dem Verein über die Vertragsauflösung, zu dem Zeitpunkt, und irgendwie muss er mich ja wenigstens mittrainieren lassen, hab ich mir gedacht. Aber das hat er halt nicht gemacht.

Wie war denn eigentlich das Verhältnis zu den Mitspielern?

Bei den Mitspielern hatte ich eigentlich mit keinem irgendein Problem. Da hatte ich eigentlich ein gutes Verhältnis zu allen.

Das hat also nicht abgefärbt?

Nein. Ich hatte zwar manchmal das Gefühl, dass der Mink nicht so mein Fan ist. Und dass ein paar Mitspieler mich meiden, hatte ich auch manchmal das Gefühl. Und dass ich ein bisschen isoliert bin. Aber sonst hatte ich eigentlich keine Probleme mit den Jungs.

Wie war das Verhältnis zu den Fans?

Das ist natürlich so ne Sache. Da sind natürlich ein paar beigewesen, die hätten mich am liebsten zum Mond geschossen. Aber da waren natürlich auch ein paar, die für mich waren. Ist ja immer so.

So wie ich das verfolgt habe, was deine sportlichen Leistungen anging gab’s ein paar, die fanden dich viel zu ballverliebt. Dann gab’s ein paar, die mochten deine kämpferische Art und wie du immer auf die Abwehr zugehst und Alarm machst. Und dann gab’s andere, auch mich, die fanden beides. Wie würdest du selbst deine Spielart beschreiben?

Ich bin ein Kämpfertyp, der immer die Offensive sucht. Ich guck nicht so nach hinten. Aber dann hat mir auch das Selbstvertrauen gefehlt, weil der Trainer ja nicht so wirklich auf mich gebaut hat. Dann haben wir auch oft nur mit einem Stürmer gespielt, das ganze Jahr, und die Position, die ich gespielt habe, rechtes Mittelfeld oder linkes Mittelfeld, die liegt mir nicht so. Wenn dann im 4-3-3, so richtig offensiv als Stürmer, wo man nicht so viel nach hinten arbeiten muss.

Also wäre rechter Flügelstürmer deine Lieblingsposition?

Genau. Das kam auch dazu, dass ich nicht im rechten Mittelfeld spiele, sondern als rechter offensiver Spieler. Und dann hatte ich noch das Problem, dass der Trainer mich wirklich nur auf dieser Position [im rechten Mittelfeld] gesehen hat, und da war halt der Glaser, Käptn Glaser, vor mir, und an dem kommt man einfach nicht vorbei. Der ist ein Urgestein in Köln, Publikumsliebling, und Mink baut tausend Prozent auf ihn. Das war natürlich auch noch ein Problem, und das hat dann einfach nicht gepasst. In manchen Spielen konnte ich’s mal aufblitzen lassen, ich hab aber auch kein Tor gemacht, und das war alles eine Katastrophe.

Außer in dem Freundschaftsspiel gegen den FC…

Ja, genau, da durfte ich mal. Da durften wir einfach locker drauflos spielen. Da hab ich auch mal gespielt. Und wenn man die Tore schießt, wird’s wiederum was leichter.

Du sagst, dass Fußballer dein Beruf ist. Stimmt das?

Ja, genau. Als ich bei Dattenfeld war, habe ich nebenbei noch meine Ausbildung als Fachlagerist gemacht, die habe ich auch erfolgreich beendet. Und davor habe ich mit 19 Zivildienst gemacht. Aber ansonsten habe ich immer nur vom Fußball gelebt.

Ich stelle mir vor, dass dich das Jahr bei der Fortuna und auch der Abschluss jetzt eher zurückgeworfen haben, wenn du sagst, du willst vom Sport leben.

Ja, natürlich. Ich hab bis jetzt immer Glück gehabt, dass ich ein gutes Jahr hatte, so dass ich einen Vertrag bekommen habe, von dem ich leben kann. Nur jetzt wird’s natürlich für mich… Ich hab jetzt noch bis zum 31.08. Zeit, was zu finden. Und ich werde in der kurzen Zeit bestimmt keinen Verein finden, der mir so viel zahlt, wie die Kölner oder davor die Vereine. Und deswegen muss ich jetzt erst mal gucken. Ich muss wieder von vorne anfangen, dass ich das zweigleisig mache, dass ich irgendwie einen Job habe und dann beim Fußball wieder reinkomme. Das Jahr hat mich schon zurückgeworfen.

Du suchst also noch nach einem neuen Verein?

Ich halte mich im Moment fit. Ich habe am Donnerstag ein Gespräch mit einem Verein, und dann guck ich mal, was dabei rauskommt. Ansonsten weiß ich‘s jetzt noch nicht genau, und das macht ja auch mein Berater.

Letzte Frage: Was ist denn deine persönliche Lehre aus dem Jahr bei der Fortuna? Gibt’s irgendetwas, das du mitnimmst, positiv oder negativ?

Ich hab halt vielleicht ein bisschen zu sehr dran gedacht: Ich hab ja einen Zweijahresvertrag, und wenn’s im ersten Jahr nicht so gut läuft, dann versuch ich’s halt im zweiten Jahr. Es gibt ja manchmal Spieler, die im ersten Jahr Probleme haben, und dann im zweiten Jahr läuft’s besser. Aber da hatte ich ja gar nicht die Möglichkeit zu, weil der Mink mich abgesägt hat. Ich muss auch ehrlich sagen: Vom rein Fachlichen sage ich nicht, dass Mink ein schlechter Trainer ist. Er macht ja auch viel. Aber rein menschlich? So einen Trainer hatte ich noch nie in meinem ganzen Leben, hab ich noch nie erlebt. Und deswegen bin ich auch enttäuscht. Aber es ist passiert, jetzt haben wir den Vertrag aufgelöst, und mal gucken wie’s weitergeht für mich. Ich find‘s nur schade, dass ich bei der Fortuna nicht das zeigen konnte, wofür ich geholt wurde. Ich bin selbst sehr enttäuscht, dass es so gekommen ist.

Vielen Dank für das Gespräch, Felix, und alles Gute für die Zukunft!

Felix Bably
Felix Bably
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