Kleine Twitter-Kritik der Köln OB-Kandidaten

Morgen sind Kommunalwahlen ein NRW. Ich brauche zwar keine Entscheidungshilfe mehr, will aber mal eine kleine Kritik der Twitter-Aktivitäten der Kölner OB-Kandidaten vornehmen.

Es treten fünf Kandidaten an: Jürgen Roters (SPD), Peter Kurth (CDU), Ralph Sterck (FDP), Markus Kurt Beisicht (pro Köln), Dr. Martin Müser (Freie Wähler – Kölner Bürger-Bündnis). Vier der fünf twittern, nur Dr. Müser verzichtet auf einen persönlichen Twitter-Account. Schauen wir uns die anderen mal an.

@juergenroters
Dem aussichtsreichsten Kandidaten oder seinen Publicityberatern sollte mal jemand erklären, dass der RSS-Feed schon vor Twitter erfunden wurde und man ihn mit seinem Twitter-Account deswegen nicht nachbauen muss. Von den aktuell letzten 50 Tweets auf @juergenroters sind nur geschlagene sieben keine Hinweise auf einen neuen Artikel in Roters Blog. Das ist eindeutig zu wenig, dafür braucht man keinen Twitter-Account, oder wenigstens verschenkt man leichtfertig fast alle Chancen, die Twitter einem Politiker bietet.

@peterkurth
Der CDU-Kandidat macht seine Sache da schon deutlich besser. Er berichtet immerhin darüber, was er tut („Gerade Diskussion mit 200 Schuelern an einem Berufskolleg. Grosses Thema : Einschraenkungen im Internet.“), mit wem er unterwegs ist („Kneipenwahlkampf mit Claus Ulonska und Cornel Wachter. Superstimmung.“), postet relativ zusammenhanglos immer mal wieder einen politischen Programmpunkt („Weniger Verwaltung für mehr Kultur: Keine Kürzung im Kulturetat bis 2014!“), bindet sogar mal ein Twitpic ein („Sehr informativer und kommunikativer Stammtisch bei den @PiratenKoeln auf Augenhöhe http://twitpic.com/f9cku„), verlässt sich jedoch ein bisschen zu sehr auf die Fortuna („Nach 6 Sommerfesten jetzt erstmal sitzen: Fortuna gegen Wiedenbrueck. Hier gewinnen wir auch“, ging dann aber eher 1-2 aus…).

Eine Chance, die Kurth auf Twitter nicht ergreift, ist der Dialog mit den Wählern. Ich selbst hatte ihn während des erwähnten Fortuna-Spiels aus dem Stadion heraus angetwittert, was vielleicht auch nur die Möglichkeit für eine flapsige Antwort gegeben hätte: Fehlanzeige. Antworten findet man in Kurths Tweets fast grundsätzlich nicht. Lediglich ein etwas seltsamer Animationstweet („@AIRMAX1 @haasberlin @RRilke @FelixWende @VeraCologne @Little_Pirate @ACzymmeck @surfguard Wir können jede Hilfe gebrauchen. Danke!!!“), den wenigstens ich mich nicht motiviert zu haben erinnere, und einzelne Retweets des Kölner CDUlers und Burschenschaftlers @schomberg zeugen davon, dass Kurth immerhin weiß, wie das geht.

Trotz der Schwächen liegt Kurth aber um Lichtjahre vor Roters.

@ralphsterck
Der FDP-Kandidat (zur Erläuterung: FDP und CDU hatten sich vor der Wahl nicht rechtzeitig auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können, wollen sich nun also lieber gegenseitig die Stimmen wegnehmen, was aus deren Sicht umso gefährlicher ist, da zur OB-Wahl die einfache Mehrheit genügt und die Grünen und die SPD Roters als gemeinsamen Kandidaten nominiert haben) versteht seinen Twitter-Account als Drehscheibe für alle möglichen politischen Artikel. Das sind mal eigene, mal Berichte aus lokalen Medien, die Sterck ins politische Konzept passen, mal kurze programmatische Mitteilungen. Das ist zwar deutlich abwechslungsreicher als Roters‘ RSS-Tweets, letztlich aber doch zu eindimensional.

@prokoeln
Das Problem bei Markus Beisicht, dem Kandidaten der rechtsnationalistischen Möchtegern-Bürgerbewegung „pro Köln“, beginnt mit seinem Accountnamen: @prokoeln? Wer Person und Partei nicht trennt, hat nicht nur politisch verkackt, sondern auch Twitter nicht verstanden. Eins muss man Beisicht aber lassen: Sein Twitter-Account ist definitiv der persönlichste aller Kandidaten – und das ist auch gut so, denn auf diese Weise werden alle Qualitäten offenbar, die Beisicht auszeichnen: Größenwahn, Wirklichkeitsverlust und Paranoia. Ich erspare es mir und euch, einzelne Beispiele zu zitieren, empfehle aber aus Unterhaltungsgründen dringend eine Lektüre seines Accounts. Am witzigsten finde ich die die Tweets, in denen er irgendwelche Behauptungen aufstellt, die das komplette Gegenteil des verlinkten Artikels behaupten. Soll das Ironie sein? Jedenfalls ist es angewandter Wahnsinn.

Fazit
In einem schwachen Feld siegt Peter Kurth deutlich vor Ralph Sterck und Jürgen Roters. Ohne Wertung bleibt Markus Beisicht.

Peter Kurth nutzt die vergleichsweise breiteste Palette der Möglichkeiten, die Twitter in der politischen Kommunikation bietet.

Keiner der Kandidaten erreicht aber die Qualität, die etwa @tsghessen oder @obkiel2009 bieten: Torsten Schäfer-Gümbel und Torsten Albig nutzen Twitter als Medium, in dem ein Politiker sich als Mensch darstellen und in dem er die Follower ein bisschen an seinem Alltag teilhaben lassen kann. Diese Dimension lässt sich nicht über Blogs, nicht über Videotagebücher und natürlich sowieso nicht über klassische Medien erreichen, außer über ausführliche Features. Die Kaffee-Tweets von TSG oder die teilweise mit Flüchen durchsetzten Sport-Tweets von Albig geben diesen beiden, vergleichsweise hochrangigen deutschen Politikern eine extrem sympathische Dimension. Diese Chance haben die Kölner OB-Kandidaten in unterschiedlichem Maße nicht erkannt, jedenfalls aber nicht genutzt.

P.S.: Außer Konkurrenz, weil ohne OB-Kandidaten: @deine_freunde. Die hätten aber in jeder Kategorien deutlich an der Spitze gelegen!

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