Fortuna Köln – Alemannia Aachen II 2-4 (1-2)

Die Story war eigentlich schon geschrieben: Kruth dreht den Trend! Spielverlauf auf links gekrempelt! Das Wunder von Zollstock! Wir können auch anders! Doch dann ein Ballverlust im Mittelfeld – und alles liegt wieder in Scherben. Aber der Reihe nach.

Auflaufen der Mannschaften

Trainer Mink hatte sein aus der letzten Saison bewährtes 4-2-3-1 aufgestellt: Blech – Gran, Jagusch, Schroden, Venekamp – Ende, Beckers – Glaser, Blankenheim, Dahmani – Can. Dass der wieder genesene Kevin Kruth noch nicht für 90 Minuten fit sein würde, war schon vorher klar. Dass deswegen kein 4-4-2 gespielt werden würde, eigentlich auch. Dass aber Daniel Blankenheim spielte, war nicht selbstverständlich, hatte er sich doch im Training eine schwere Stauchung der Hand zugezogen.

Ob’s daran lag? Jedenfalls zeigte Blankenheim in der ersten Halbzeit eine gruselige Leistung, Fehlpässe und schlampige Zuspiele galore. Leider war er auf diesem Niveau aber nicht alleine: Kein Fortuna-Spieler erreichte vor der Pause auch nur annähernd etwas, das man als Oberliga-Niveau bezeichnen könnte. War die Mannschaft wegen der negativen Heimbilanz (vor dem Spiel gestern: 0-1-3-) verunsichert? Ein Kombinationsspiel war jedenfalls nicht erkennbar. Vielleicht wäre ja auch alles anders gekommen, wenn Cengiz Can in der 4. Minute, alleine auf den Torwart zulaufend, das Tor statt den Pfosten getroffen hätte?

Jedenfalls war es nach diesem kurzen Strohfeuer mit aller Herrlichkeit der Fortuna vorbei, so dass die zwei Gegentreffer in der 26. und 30. Minute folgerichtig und verdient waren, zumal sie von den spielstarken Aachenern blitzsauber herauskombiniert worden waren.

Und als man nicht mehr damit rechnen konnte, dass vor der Pause noch etwas passiert, stocherte Can in der 45. Minute irgendwie einen Eckball zum 1-2 ins Tor. Vielleicht ein Weckruf, dass doch noch was geht?

Jubel nach dem Anschlusstreffer

Zur Pause wechselte Matthias Mink völlig leistungsgerecht aus – leider nur zwei Mal. Denn außer Blankenheim und Dahmani, für die Maouel und Kruth kamen, hätten insbesondere auch die beiden Außenverteidiger Gran und Venekamp in der Kabine bleiben können, Christian Beckers brachte vor der Pause ebenfalls nicht viel zustande, und Käptn Glaser war zwar immerhin ballsicher, konnte aber das Spiel nach vorne auch nicht ankurbeln.

Prominenter Gast: Michael Schulz

Der Aufwind durch den Anschlusstreffer vor der Pause und vielleicht auch die Systemumstellung auf ein 4-4-2 mit Can und Kruth als Doppelspitze zeigten jedenfalls Wirkung, denn auf einmal entwickelte die Fortuna großen Druck – traf aber wieder erst einmal die Latte: Gleich in der 47. Minute war Can kurz angespielt worden, setzte sich im Straraum auf halbrechts durch und traf mit einem etwas unentschlossenen Schuss nur das Aluminium.

Beide Hereinnahmen aber belebten das Spiel der Fortuna in der Folge deutlich: Abdelkader Maouel konnte sich auf links im Gegensatz zum gestern schwachen Dahmani ein paar Mal durchsetzen, und Kevin Kruth versprühte im Zentrum auf Anhieb wieder die Gefährlichkeit, die ihn schon während der kompletten Saisonvorbereitung ausgezeichnet hatte. Ein paar Mal scheiterte die Fortuna in aussichtsreicher Position, einmal tanzte der Ball quasi sekundenlang über der Aachener Torlinie, überschritt sie aber nach Meinung der Schiedsrichter nicht.

In der 69. Minute war es dann endlich so weit: Wieder eine unübersichtliche Situation im Aachener Strafraum, die Abwehr kann den Ball nicht klären, Kevin Kruth ist zur Stelle und köpft den Ball energisch ein. Zu diesem Zeitpunkt ein hoch verdienter Treffer!

Kevin jubelt nach dem 2-2

Und doch gelang es der Fortuna nur fünf Minuten später, mit dem Arsch einzureißen, was sie sich über eine halbe Stunde mühsam aufgebaut hatten. Christian Beckers verliert den Ball in der Vorwärtsbewegung an der Mittellinie, unnötig, Jan Gran kann seinen Gegenspieler nicht stoppen, traut sich aber auch nicht den frei auf die Abwehr zulaufenden Mann zu foulen, die Aachener Stürmer kreuzen gut, und statt auf seinen in den Strafraum startenden Mitspieler zu passen, zieht Zlatko Muhovic aus 18 Metern ab und trifft neben den rechten Pfosten ins Tor: 2-3.

Das nur zwei Minuten später folgende 2-4 war dann nur noch der letzte Nagel im Sarg dieses Spiels. Zwar traf Kevin Kruth in der 81. noch einmal den Pfosten, und wer weiß was dannn passiert wäre…

Frustration

Aber letztlich muss man natürlich die Chancen zuhause auch einfach mal rein machen. Und man muss ein Spiel gegen zwar gut mit dem Ball umgehende, aber körperlich keineswegs besonders robust wirkende Gegner auch einfach mal dominieren. Nur eine gelbe Karte für die Fortuna (Beckers trat seinem Gegenspieler völlig unmotiviert auf den Oberschenkel) bei vier Gegentoren: Das zeigt sehr deutlich, mit welcher spielerischen Mühelosigkeit Aachen zum Sieg kam. Die zusammen genommen vielleicht 35 guten Minuten der Fortuna durften nicht zum Sieg reichen.

Was waren gestern die größten Probleme? Das Passpiel funktionierte überhaupt nicht. Von aktivem Freilaufen war nicht viel zu sehen, insgesamt wirkte das nicht gut eingespielt. Die Verteidiger suchten zum Spielaufbau viel zu selten die beiden Sechser, spielten stattdessen oft lange Bälle in die Spitze oder passten auf den gut gedeckten Flügel. Beide Außenverteidigerpositionen sind die in dieser Saison bislang die großen Schwachstelle der Fortuna, weder Gran noch Venekamp (gestern immerhin ohne groben Fehler) oder Furucu konnten bislang überzeugen. Und wenn dann noch die beiden Außenstürmer ohne Durchschlagskraft bleiben, wobei ihnen allerdings auch die Doppelpasspartner fehlten, weil weder die Außenverteidiger weit genug nachrückten noch ein Spieler aus dem offensiven Zentrum den Weg nach draußen suchte, dann kann das Spiel nicht funktionieren. Gegen Ende holte sich ein verzweifelter Kevin Kruth die Bälle schon selbst an der Mittellinie ab.

Überhaupt Kevin Kruth: Er war gestern der einzige echte Lichtblick. Wenn er wieder fit ist, dann gewinnt das Spiel der Fortuna erkennbar an Gefahr. Auch wieder mal sehr lobenswert, wie er nach dem Spiel als erster von überhaupt nur wenigen Spielern den schweren Weg zum Fanblock suchte.

Kevin stellt sich den Fans

Das nächste Spiel der Fortuna steigt am nächsten Sonntag bei Germania Windeck (früher: Dattenfeld) – allerdings in Köln-Höhenberg. Vielleicht wäre ein echtes Auswärtsspiel besser.

Nächtliches Südstadion

Alle meine Fotos vom Spiel bei Flickr.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Fortuna Köln – Alemannia Aachen II 2-4 (1-2)

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s