VfB Speldorf – VfB Hüls 3-1 (0-0)

Ein sonniger Sonntagnachmittag, an dem ich nichts Besseres vorhabe: Warum sollte ich da nicht mal ein paar Kilometer durch die Gegend gondeln, um mir die Ligakonkurrenz der Fortuna bei ihren Bemühungen anzusehen und nebenbei ein paar Groundhopping-Punkte zu sammeln?

Stadion am Blötter Weg

Stadion am Blötter Weg

Stadion am Blötter Weg: Halbzeitpause

VfB Speldorf - VfB Hüls

Gesagt getan, zumal im Stadion am Blötter Weg in Speldorf, einem Stadtteil von Mülheim an der Ruhr, heute die Überraschungsmannschaft vom VfB Hüls antrat. Letzte Saison hatte Hüls gerade noch den Abstieg vermieden, vor diesem Spieltag standen sie mit einer Bilanz von 5-2-1 auf dem zweiten Tabellenplatz. Speldorf dagegen konnte bislang gerade mal 8 Punkte sammeln – was aber immerhin genügen würde, um mit einem Sieg die Fortuna in der Tabelle zu überholen.

Außer mir wollten laut Stadionsprecher noch 500 andere Zuschauer das Match sehen, ich hätte eher 300-400 geschätzt. „Die Blötte“ liegt mitten in einem Wohngebiet, parken tut man auf einem Schulparkplatz oder vor REWE. Wenn man den Einlass passiert hat, liegt das Spielfeld ein paar Meter tiefer, eng umgrenzt von den Banden, die zu den Außenlinien gerade mal einen knappen Meter Raum lassen. Das Catering-Angebot ist sehr erfreulich: Es gibt einen Imbissstand, dessen Menükarte sich der Fortuna-Caterer praktisch komplett abschreiben könnte, ohne einen Doppelten zu finden: Pommes, natürlich Bratwurst, Currywurst, Frikadelle und sogar Kotelett ist zu bekommen. Die Wurst ist zwar eher mittelmäßig, die Pommes sahen allerdings sehr gut aus. Außer der Imbissbude gab es noch zwei Getränkestände, außerdem einen im Gästebereich. Der scheint das einzige echte Problem des Stadions zu sein: Wie nämlich auf diesem Grashubbel die überlicherweise zahlreichen Fortuna-Fans unterkommen sollen, ist mir schleierhaft. Vielleicht ist hier der Spielplan ein Glück, denn in Speldorf tritt die Fortuna voraussichtlich im tiefen Winter an, so dass ein paar Fans sich den nur rund 45-minütigen Weg von Köln vielleicht doch sparen.

Stadion am Blötter Weg

Gute Auswahl von Imbissprodukten

Stadion am Blötter Weg

Stadion am Blötter Weg

Zum Spiel: Hüls dominierte die erste Halbzeit vollständig, verpasste jedoch das Toreschießen. Man trat in einem blitzsauberen 4-4-2 mit Raute an, spielte nach Ballgewinnen sofort nach vorne, der angespielte Stürmer legte dann entweder auf den nachrückenden Zehner ab oder versuchte selbst einen Pass auf seinen Sturmpartner. Das hatte erkennbar Methode und war sehr gut anzusehen, auch wenn die ganz großen Chancen Mangelware blieben. Deutlich harmloser präsentierten sich dagegen die Gastgeber, die insbesondere im Spiel nach vorne überhaupt keine Durchschlagskraft entwickelten. Insofern war Speldorf mit dem Pausenstand von 0-0 sehr gut bedient.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Hüls stürmte kontrolliert und gefährlich, Speldorf ließ sich hinten rein drängen. Etwa in der 60. Minute fiel dann endlich das längst verdiente 1-0 für Hüls. Wohl kaum jemand im Stadion rechnete zu diesem Zeitpunkt mit der Wende im Spiel. Die Zuschauer um mich herum hatten sich von Beginn an nicht durch überschäumenden Optimismus hervorgetan, der aber vielleicht auch generell keine der hervorstechendsten Eigenschaften von Ruhrgebietsbewohnen ist.

VfB Speldorf - VfB Hüls

Doch es kam anders. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, weil ich die Kamera oft vor dem Auge hatte, ob es zuerst den Ausgleich für Speldorf gab und dann die gelb-rote Karte für Hüls, oder ob es andersherum war. Jedenfalls konnte Speldorf nach dem Rückstand ja nicht mehr anders als angreifen, tat das auch, und war mit etwas Glück erfolgreich: Als der Schiedsrichter einen Freistoß 30 Meter vor dem Hülser Tor verhängte, hielt der Speldorfer Schütze einfach mal drauf, traf an der Mauer vorbei neben den Pfosten und übertölpelte den Keeper, der diesen Ball unbedingt hätte halten müssen.

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

Dann gab es eine gelbe Karte gegen einen Hülser Spieler, der Schiedsrichter notierte sie, ging noch einmal zu demselben Spieler – und zeigte Rot. Sollte das Gelb-Rot sein? Oder war doch eine Beleidigung im Spiel gewesen? Jedenfalls große Aufregung, die zusammen mit der entstandenen Unordnung auf dem Spielfeld Speldorf die Möglichkeit gab, weiter anzugreifen. Ein Ball fliegt in den Strafraum, wird hoch aber viel zu kurz abgewehrt, eine Kopfballablage, ein langes Bein: 2-1 für die Heimmannschaft!

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

Hüls stemmte sich gegen die drohende Niederlage und hätte mit einem scharfen Freistoß, den der Speldorfer Keeper grandios aus dem Winkel fischte und einem Kopfball, der auf die Latte fiel, noch einiges Pech. Ein anderes Mal stürmte nach einem Nachschuss der kleine Hülser Auswärtsmob geschlossen nach vorne, hatte den Ball wohl hinter der Linie gesehen. Nicht so der Schiedsrichter.

Das 3-1 für Speldorf fiel dann in der Nachspielzeit, ein klassischer Konter, als Hüls den Ball noch einmal schnell nach vorne bringen wollte, ihn dabei verlor und sich so die Entscheidung fing.

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

Unterm Strich muss ich sagen: Hüls steht nicht zufällig dort oben, die spielen einen gepflegten Ball in einem offensiven System. Speldorf dagegen hatte heute Glück, nicht abgeschossen worden zu sein, so seltsam sich das nach einem 3-1-Sieg auch anhört.

Einen Ausflug ins Stadion am Blötter Weg kann ich jedenfalls nur empfehlen. Ein sehr netter, kleiner Fußballkessel mit familiärer Atmosphäre, in dem man sehr dicht am Geschehen ist und vernünftiges Catering bekommt.

Alle meine Fotos aus Speldorf bei Flickr.

VfB Speldorf - VfB Hüls

VfB Speldorf - VfB Hüls

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3 Gedanken zu “VfB Speldorf – VfB Hüls 3-1 (0-0)

  1. MathewAdam schreibt:

    Surfguard, dat haste joot gemaat! Solch einen schönen Fußballnachmittag, unbeschwert und sonnig und überhaupt, den wünscht man sich öfter erleben zu dürfen. So gesehen war es nett, Deinen schönen Bericht zu lesen, die guten Fotos zu sehen und einfach ein bißchen in Gedanken dabei gewesen zu sein.
    Viele Grüße
    MathewAdam

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