Kurz reingeschaut: Ja, Panik im Gebäude 9 in Köln

Seltsam, mit wie wenig Haltung diese Band live daher kommt – auch wenn das wirklich nur für die Körperlichkeit zweier Bandmitglieder gilt. Es ist nämlich frappierend zu sehen, wie die Gitarristen dieser so kraftvollen und emotionalen Band wie gebeugte Abiturienten auf die Bühne schlurfen. Frontmann Andreas Spechtl hat sich das Mikrophon ungefähr in Brustbeinhöhe montiert und beugt sich zum Singen nachgerade geierhaft hinunter. Gitarrist Thomas Schleicher wirkt wie eine viel zu junge Mischung aus John Cleese und dem „Vollstrecker“, wer von euch den noch aus „Donnerlippchen“ kennt. Beide aber spielen voller Energie, Präzision und wütender Emotion die Songs von Ja, Panik.

Seltsamerweise stört mich bei dieser Band mal nicht, dass die Live-Versionen fast identisch mit denen der Platten sind. Denn zum einen sind die so gut, dass man ihnen vielleicht gar nichts mehr hinzufügen kann. Und zum anderen lassen einen schon das Erscheinungsbild und auch die trockenen Ansagen von Andreas Spechtl viel über diese Band und ihre Songs lernen. Besonders sympathisch wird mir Spechtl, als er nach ein paar etwas ruhigeren Songs das Publikum ermuntert, ab nun würde es etwas flotter zur Sache gehen: Man merke immer, dass das nötig sei, wenn das Publikum zu quasseln beginne.

Danke, Andreas, auch mich nervt es schon seit Jahren, wenn ich auf ein Konzert gehe, und neben oder hinter mir Dauergespräche geführt werden. Wenn man die Leute darauf anspricht, reagieren sie immer sehr erstaunt, schließlich sei man ja nicht in der Philharmonie. Aber warum gehe ich denn auf ein Konzert, wenn ich gar nicht vorhabe, der Band meine Aufmerksamkeit zu schenken?

Bei der Zugabe kommt jedenfalls niemand auf die Idee, zu quatschen, denn Ja, Panik beschließen den Abend mit einer Orgie aus Schrei und Krach, bei der auch der zuvor präzise, aber sehr im Hintergrund bleibende Drummer Sebastian Janata aus sich herausgeht und im Feedbackregen demonstrativ sein Kit umwirft. Da nimmt man es Ja, Panik nicht einmal übel, wenn auch sie das zur Mode gewordene Spielchen geben, bei dem ein Publikum die erste Zugabe ungefragt bekommt, eine zweite aber garantiert nicht mehr, weil schnell Musik von Band eingespielt wird.

Unterm Strich also ein Besuch, der sich gelohnt hat, auch wenn die Band noch etwas mehr aus sich rausgehen und besonders musikalisch etwas freier werden könnte. Ich komme wieder – und mit mir dann hoffentlich noch ein paar mehr Besucher, denn Ja, Panik haben deutlich mehr verdient als ein zu gerade mal 1/4 gefülltes Gebäude 9.

P.S.: Sehr erwähnenswert übrigens auch die Vorband, Nil, deren auf Myspace verfügbare Aufnahmen nicht ansatzweise die Eindringlichkeit und Emotionalität widerspiegeln, die diese noch vertragslose Band auf die Bühne brachte. Am nächsten Donnerstag, 29.10., treten Nil im Stereo Wonderland auf. Ich empfehle einen Besuch!

Ja, Panik

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Ein Gedanke zu “Kurz reingeschaut: Ja, Panik im Gebäude 9 in Köln

  1. AnnA schreibt:

    Dem Wunsch nach mehr Publikum kann ich mich ebenfalls nur anschließen. Ebenso wie der Kritik an quasselnden Konzertbesuchern.
    Ansonsten eine sehr schöne Zusammenfassung eines tollen Konzerts :)
    Mich haben die Jungs in jedem Fall umgehauen….

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