Antwort von der Polizei

Seit ein paar Wochen steht auf dem Kölner Friesenplatz, den ich jeden Morgen und Abend auf dem Weg zur und von der Arbeit überquere, ein Streifenwagen. Irgendwo deutlich sichtbar auf dem Bürgersteig parkt ein mit zwei Polizisten besetzter Wagen – und zwar den ganzen Tag über.

Nachdem ich mich ein paar Tage gewundert hatte und erst dachte, dass das nur eine weitere Eskalation der regelmäßigen Radfahrer-Kontrollen sein soll, fühlte ich mich einige Zeit später ernsthaft beunruhigt. Was wollen die auf einem friedlichen Platz? Also schrieb ich eine Mail an die Polizei – die erst einmal postwendend zurückkam, weil die im Impressum der Website angegebene Kontaktadresse der Leiterin der Öffentlichkeitarbeit falsch war. Also nutzte ich das Kontaktformular des Bürgerservices.

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit kurzem beobachte ich die fast ständige Präsenz eines Streifenwagens auf dem Friesenplatz, an dem ich arbeite. Von morgens bis teilweise abends, wenn ich gegen 18 Uhr das Büro verlasse, parkt ein mit zwei Beamten besetzter Wagen auf dem Platz.

Offen gesprochen beunruhigt mich diese Maßnahme. Gibt es irgendeine Bedrohung, die diese Dauerpräsenz nötig macht? Ich befürchte zwar, dass Sie über konkrete Hintergründe keine Auskunft geben wollen. Ich möchte Ihnen aber mitteilen, dass eine deutlich erhöhte Sichtbarkeit der Polizei auf der Straße bei mir kein Gefühl von Sicherheit erzeugt, sondern vielmehr genau das Gegenteil. Ist unsere Stadt so unsicher geworden, dass diese Maßnahme nötig ist?

Mit freundlichen Grüßen,
[SurfGuard]

P.S.: Die im Impressum angegebene Emailadresse von Frau Bruns  ist übrigens falsch. Meine dorthin gesendete Mail kam vorhin als unzustellbar zurück.

Das war am Mittwoch. Und eins muss ich den Kollegen lassen: Sie sind schnell. Am Donnerstag Abend, ich war den ganzen Tag in einem Dauertermin gewesen, fand ich auf meiner Mailbox eine Nachricht eines freundlich klingenden Herren, der sich mit mir wegen meiner „Beschwerde“ in Verbdinung setzen wollte. Ich rief nicht zurück, da ich gegen 19 Uhr nicht mehr damit rechnete, noch jemanden anzutreffen.

Am nächsten Vormittag, während ich wieder in Besprechungen saß und noch nicht zurückgerufen hatte, kam dann tatsächlich eine schriftliche Antwort bei mir an:

Eingaben und Beschwerden

Ihr Schreiben (E-Mail) vom 28.10.2009

Sehr geehrter Herr [SurfGuard],

zu den Hintergründen der verstärkten Präsenz auch auf dem Friesenplatz darf ich Ihnen folgendes mitteilen:

Die sichtbare Präsenz der Polizei Köln in der Öffentlichkeit resultiert aus der aktuellen Bewertung der Sicherheitslage des Bundesministers des Innern und der Sicherheitsbehörden in Bund und Land.

Die polizeilichen Maßnahmen gelten für ganz Nordrhein-Westfalen und sind auch mit den anderen Bundesländern abgestimmt.

Zu Zeit liegen – auch nach dem im Internet veröffentlichten Videos von Al Kaida –  keine konkreten Anhaltspunkte auf einen terroristischen Anschlag in Köln vor. Die Polizei nimmt die Bedrohung aber sehr ernst und ist besonders wachsam.

Die Polizei Köln steht in engen Kontakt mit anderen Sicherheitsbehörden und wird über die Lage permanent informiert.

Die Polizei hat den Flughafen Köln-Bonn sowie den öffentlichen Nahverkehr besonders im Blick. Hier führen die Polizisten bei ihren Streifen gegebenenfalls auch Maschinenpistolen mit. Alle Polizisten sind mit einer persönlichen Schutzweste ausgestattet.

Sollten Sie noch weitere Fragen oder Anregungen haben, stehen wir gern unter der angegebenen Telefonnummer zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

[Name]

(Polizeioberrat)

– Unterschrift liegt im Original vor –

Die Antwort hat zwar ungefähr den nichtssagenden Inhalt, den ich erwartet hatte, aber die Unmittelbarkeit, mit der auf meine Anfrage geantwortet wurde, hat mich doch ernsthaft positiv überrascht. Tatsächlich ist auch schon die Emailadresse im Impressum geändert.

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