Fortuna Köln – Schwarz-Weiß Essen 2-0

Es war ein wechselhafter, regnerisch-sonniger Samstagnachmittag im November, als die Fortuna nicht nur den zweiten Heimsieg der Saison landete, sondern hoffentlich auch endgültig zu ihrem Spiel fand. Denn das 2-0 gegen eine zwar engagierte, aber letztlich doch zu schwache Mannschaft von SW Essen ging zwar in Ordnung. Doch viel wichtiger war, dass nach dem kämpferisch erzwungenen Sieg gegen Kleve und den unzähligen Heimniederlagen in den Wochen davor nun auch erkennbar war, wie Trainer Mink sich das Zusammenspiel der Mannschaft bei  Ballbesitz vorstellt. Auswärts war es ja schon die gesamte Saison lang prima gelaufen, doch wenn sie das Spiel machen sollte, tat sich die Fortuna bislang sehr schwer. Hoffentlich nur bis heute.

Herbst im Südstadion

Matthias Mink schickte dieselbe Startelf wie in den letzten, niederlagenlosen Spielen aufs Feld: Möllering – Furucu, Schroden, Marten, Gran – Ende, Dahmani – Glaser, Maouel (82. Jagusch), Schwarz – Kruth (86. Blankenheim). Wieder ein 4-2-3-1 also, vermutlich aber nur, bis nächste Woche Cengiz Can wieder spielberechtigt ist. Das Spiel fand (an einem wie geschrieben trüben Tag und parallel zur Bundesliga) vor nur 450 Zuschauern statt, wobei die Essener zu dieser Zahl ziemlich genau acht beisteuerten… Lachhaft. (Korrektur: Es waren doch neun.)

Die Mannschaften

Die Fortuna begann das Spiel druckvoll, wurde von Essen aber auch dazu eingeladen: Schwarz-Weiß stellte sich zwar nicht direkt hintenrein, hatte aber offensichtlich beschlossen, der Fortuna erst einmal den Ball zu überlassen, eventuell in der nicht ganz weit hergeholten Hoffnung, dass die damit ihre Probleme haben würde. Und tatsächlich hatte die Fortuna viel Ballbesitz, konnte aber zunächst nicht allzuviel daraus machen – bis in der 12. Minute Hamdi Dahmani nach schnellem Passspiel kurz und steil in den Strafraum geschickt wurde, noch zwei Gegner austanzte, frei vor dem Tor aus elf Metern zum Schuss kam, dann aber zu schwach abschloss. Das hätte gut die frühe Führung sein können.

Anschließend verflachte das Spiel etwas. Die Fortuna bemühte sich zwar weiterhin um schnelle, steile Anspiele auf die Flügel, lief dabei aber entweder ins Abseits oder brachte keine brauchbaren Flanken in den Strafraum.

Nach gut 20 Minuten begann dann auch SW Essen es zur Abwechslung mal mit Angreifen zu versuchen. Die wurden von der Fortuna-Abwehr meist zwar nicht allzu früh, aber am Ende doch entscheidend unterbunden. Bis plötzlich in der 30. Minute Martin Setzke durchgebrochen war und den weit aus seinem Tor geeilten Christopher Möllering überlupfte. Mölle war aber nicht zu Boden gegangen, machte stattdessen auf dem Absatz kehrt, sprintete dem in Richtung Tor kullernden Ball hinterher und konnte ihn mit einem Hechtsprung Zentimeter vor der Linie doch noch zur Seite ablenken.

Das war Glück, anders als kurz vor der Pause, als Essen einen Freistoß aus 18 Metern zwar knallhart auf’s Tor brachte, Möllering aber nur in der Torwartecke stehen bleiben musste, um den unplatziert geschossenen Ball sicher zu fangen.

Fortuna Köln - Schwarz-Weiß Essen

Das Unentschieden zur Pause war so letztlich gerecht, auch die Spielanteile waren ungefähr gleich verteilt. Es war ein zähes Ringen gewesen, bei zum Glück gerade noch erträglichen Temperaturen im Südstadion. Die Füße konnten einem aber eventuell schon eingeschlafen sein.

Fortuna Köln - Schwarz-Weiß Essen

Das änderte sich zum Glück nach der Pause. Es begann sofort mit einem Fanfarenstoß: In der 50. Minute drang Alex Ende in den Strafraum ein, hatte nur noch den Torwart vor sich, legte auf den mitgelaufenen Kevin Kruth ab und der verwandelte sicher zur Führung – die sogar gezählt hätte, wenn Kruth nicht im Abseits gestanden hätte. Die Entscheidung war zwar knapp und der Linienrichter auf dieser Seite hatte unbestritten ein unruhiges Händchen, aber es war mindestens ungeschickt von Kruth, in dieser Situation nicht deutlich hinter dem Ball geblieben zu sein.

Abseitstor von Kevin Kruth

Abseits

Zum Glück sollte sich diese Nachlässigkeit nicht rächen, denn schon zehn Minuten später durfte Kruth seinen Fehler wiedergutmachen, und die Fortuna durfte zeigen, wie ihr Angriffsspiel aussieht, wenn es so funktioniert, wie es wohl gedacht ist: Der Ball wurde über den rechten Flügel getrieben, dann ein Pass von Glaser Richtung Zentrum, sofort und halb aus der Drehung der Steilpass (von Maouel?) zurück auf den Flügel. Dort nahm der nun freigespielte Glaser den Ball wieder auf, zog in den Strafraum und passte zurück in die Mitte, wo Kevin Kruth ihn direkt nahm und über den herausgelaufenen Torwart hinweg unter die Latte zimbelte. Schönes Direktspiel, folgerichtig belohnt.

Jubel nach dem 1-0

Jubel nach dem 1-0

Überhaupt: Genauso wie beim Tor sah das Spiel der Fortuna heute immer wieder aus. Konsequent über die Flügel, dann mit kurzen oder auch raumgreifenden (Doppel-)Pässen Vertikalgeschwindigkeit erzeugen und vom Flügel keine weiten Flanken schlagen, sondern bis in den Strafraum ziehen und den vergleichsweise kurzen Pass suchen, wenn möglich flach, wenn nötig hoch. Diese Taktik funktionierte gut, in der zweiten Hälfte mit etwas mehr Durchschlagskraft als in der ersten. Besonders hilfreich war, dass heute die beiden Außenverteidiger oft die  Flügelspieler hinterliefen und dass sich Abdelkader Maouel aus dem Zentrum immer wieder Richtung Flügel bewegte, so dass dem ballführenden Flügelspieler meist gleich zwei Anspielpartner zur Verfügung standen. Dass Stephan Glaser auch noch einen guten Tag erwischt hatte (bis auf einen üblen Katastrophenrückpass vom „falschen“ linken Flügel in der ersten Hälfte), war dabei kein illegitimes Hilsmittel.

Generell orientierte sich die Mannschaft bei Ballbesitz heute merklich nach vorne: Maouel löste das 4-2-3-1 oft fast schon zum 4-4-2 auf, Hamdi Dahmani rückte dann von der zweiten 6er- bis auf die 10er-Position vor. Das sah schon wirklich gut aus, wenn auch noch nicht mit der allerletzten Präzision gespielt. Aber es ist eben immer noch Oberliga.

Genug gelobt, es muss nämlich auch getadelt werden: Denn wie dauerhaft sich die Fortuna nach dem Führungstreffer von Schwarz-Weiß in die Defensive drängen ließ, das war doch etwas überraschend. Nach dem 1-0 bis kurz vor Schluss schaffte es die Fortuna bis auf einen guten Distanzschuss von Hamdi Dahmani nicht, den entschiedenden Konter zu setzen, obwohl der Gegner logisch und deutlich öffnete. Die Essener brachten zum Glück zu selten echte Gefahr zustande, was aber auch an der schon gegen Kleve lässig-guten Kölner Innenverteidigung lag, die sich darauf spezialisiert zu haben scheint, Angriffe nicht durch frühes Rausrücken zu vereiteln, wie es letzte Saison noch der (manchmal riskante) Stil von Cedric Mimbala gewesen war. Stattdessen bringt man nun meist kurz vor knapp noch eine Gräte in den gegnerischen Spielzug und kann den Torschuss noch verhindern oder abblocken. Einmal allerdings hatte Lars Marten (?) etwas Glück, dass der Schiedsrichter es als unabsichtlich wertete, als er bei einer Grätsche an der Grundlinie eine Flanke gegen die Hand geschossen bekam.

Zur fehlenden Entlastung trug aber leider auch die gerade in dieser Phase etwas läppsche Spielweise von Abdelkader Maouel bei. Der versuchte zu oft, den Ball mit Spitze, Hacke, Außenrist zu verarbeiten, war so aber gefundenes Fressen für die Essener Verteidiger, die mit einem kurzen Rempler und entschlossenem Einsatz den Ball zu leicht erobern konnten.

Echte Brandherde konnte die Essener Offensive im Kölner Strafraum nicht oft erzeugen, dennoch wartete die Fortuna bis zur allerletzten Spielsekunde, um das Spiel zu entscheiden: Einen endlich mal in der Mitte der eigenen Hälfte abgefangenen Ball spielte sie schnell in die Spitze, wo Stephan Glaser den sehr weit aus seinem Tor gerückten Keeper kurz ausspielte und den Ball aus 40 Metern locker einschob.

Das 2-0

Jubel nach dem 2-0

Jubel nach dem 2-0

Anschließend ließ der etwas kleinlich pfeifende Schiedsrichter Riesener nur noch den Anstoß ausführen und pfiff sofort ab. Am Ende war es ein verdienter und gerechter Sieg der Fortuna, den sie sich mit der klareren Spielanlage, den besseren Einzelspielern und wieder einem mannschaftlich geschlossenen Auftritt erarbeitet hatte. So kann das gerne weitergehen, so kann der Erfolg wenigstens gegen die schlechteren und mittelmäßigen Mannschaften der Liga herausgespielt werden. Nur das Weiterspielen und Nachlegen nach dem Führungstor muss noch merklich verbessert werden, sonst gibt es gegen bessere Gegner ein böses Erwachen. Doch die Tendenz stimmt!

Jubel nach dem Spiel

Jubel nach dem Spiel

Jubel nach dem Spiel

P.S.: Alle meine Fotos vom Spiel bei Flickr.

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Ein Gedanke zu “Fortuna Köln – Schwarz-Weiß Essen 2-0

  1. Rotbart schreibt:

    Hallo,
    schönen Dank für Deinen Spielbericht.So bekomme ich als weit entfernter Fortuna Fan einen gute Eindruck von dem Spiel und die
    Einschätzungen helfen auch weiter.Ganz abgesehen von den Klasse Bildern.

    Gruß Rotbart

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