Money (That's What They Want)

Da habe ich grade mal seit ein paar Monaten eine gültige KVB-Fahrkarte, ein Formel-9-Ticket, da flattert mir bereits die erste Preiserhöhung ins Haus. Zum 01.01.2010 will die KVB für das Ticket im Abo monatlich 46,40 € haben. Gegenüber den bisher verlangten 44,70 € ist das eine Preiserhöhung von 3,8%.

Das könnte man noch normal finden, schließlich liegt das nur leicht über der jährlichen Inflationsrate. Obwohl, moment mal, Energie, die im KVB-Etat bestimmt nicht den kleinsten Posten ausmacht, sogar billiger geworden ist… Die Löhne explodieren zurzeit jetzt auch nicht gerade…

Was sind also die Gründe für die Erhöhung? Freundlicherweise klärt die KVB selbst auf:

Diese Preisanpassung soll dazu beitragen, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, reduzierte öffentliche Zuschüsse zu kompensieren, ein attraktives Serviceangebot für Bus und Bahn zu sichern und auszubauen.

Aha. Der Reihe nach.

Erhöhte Preise sollen „die Wirtschaftlichkeit verbessern“. Wenn ich das richtig verstehe, dann bedeutet das nichts anderes, als: „Wir erhöhen die Preise, damit wir bei gleichem Aufwand mehr Geld verdienen.“ Ach was! Noch knackiger zusammengefasst: „Geben Sie uns bitte mehr Geld, damit wir es haben.“ Als „Begründung“ im engeren Sinne fällt so etwas irgendwie aus.

Weiterhin möchte die KVB „reduzierte öffentliche Zuschüsse kompensieren“. Über das Thema habe ich neulich schon mal ausführlich gebloggt. Die Reduktion von öffentlichen Zuschüssen ist die exakt falsche Richtung. Mehr öffentliche Zuschüsse für den Nahverkehr wären richtig. Aber wahrscheinlich muss die Stadt Geld sparen, um die Strafe in dreistelliger Millionenhöhe zu begleichen, die der EuGH noch festsetzen wird wegen des schon festgestellten Verstoßes gegen das Vergaberecht beim Bau der neuen Messehallen, die bei Berücksichtigung des Vergaberechts wahrscheinlich außerdem noch billiger geworden wären… Und mal abgesehen davon ist das zweite im Grunde genommen das gleiche Argument wie das erste. Die wollen die Wirtschaftlichkeit verbessern, damit sie weniger von der Stadt bezuschusst werden müssen, die ihnen die Zuschüsse gekürzt hat…

Und dann möchte die KVB das „Serviceangebot sichern und ausbauen“. Ja geht’s bitte etwas schwammiger? Die möchten also ihrem Unternehmszweck nachkommen? Wow, dafür zahlt man doch gerne extra!

Die allergrößte Unverschämtheit ist aber die Rechtsbelehrung:

Natürlich haben Sie ein vertragliches Sonderkündigungsrecht, das sie bis zum 10.12.2009 ausüben können.

Ein Sonderkündigungsrecht. Schönen Dank auch. Ein Sonderkündigungsrecht BEI EINEM MONOPOLISTEN???? Seid ihr eigentlich noch bei Sinnen? „Wenn Sie die Preiserhöhung nicht gut finden, dann gehen Sie  doch bitte zu Fuß.“ Wo ist die Kommission, an die ich mich wenden kann, ähnlich der immerhin alibimäßig existierenden KEF?

Ich hätte gute Lust, wieder zum Schwarzfahrer zu werden.

[UPDATE] Ich habe mal schriftlich bei der KVB nachgefragt, welche Gremien eigentlich Preiserhöhungen beschließen, ob und wie darin gewählte Vertreter von Bürgern oder Kunden vertreten sind und welchen Anteil Energie an den Gesamtkosten hat.

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2 Gedanken zu “Money (That's What They Want)

  1. Ich bin nur 10 Jahre schwarzgefahren. Aber die Nerven lassen nach (nicht nur aktuell in der linken Wade), und so richtig gesellschaftsfreundlich verhält man sich ja schwarzfahrend doch nicht, wenn es auch implizit die Umstände akzeptiert. Mein Revoluzzergeist äußert sich jetzt eher in Briefen an Behörden. Auch hier habe ich eigentlich noch vor, einen zu schreiben.

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