Kurz nachgefragt bei: Matthias Mink, Cheftrainer von Fortuna Köln

Matthias Mink, Jahrgang 1967, absolvierte in den 90er Jahren über 150 Zweitligaspiele für Fortuna Köln. In der Saison 2007/2008 kehrte er zurück – als Cheftrainer. In seiner ersten Spielzeit erreichte die Fortuna, die im Jahr davor noch gegen den Abstieg gespielt hatte, den zweiten Platz der Verbandsliga Mittelrhein und stieg auf, weil dem Meister VfL Leverkusen die Lizenz für die NRW-Liga verweigert wurde. Letztes Jahr schloss die Mannschaft als Aufsteiger ihre erste NRW-Liga-Saison auf Platz 9 ab.

Für die laufende Saison, die zweite in der NRW-Liga, wurde der Kader aufgerüstet und als Saisonziel ein Platz im oberen Tabellendrittel ausgegeben. Der Saisonstart geriet allerdings wechselhaft. Auswärts lief es sehr gut, zu Hause dafür umso schlechter: In den ersten sechs Heimspielen sammelte die Fortuna gerade mal einen Punkt, zwischenzeitlich wurden vier Spiele in Folge verloren, davon drei zuhause, und bei der Niederlage gegen Germania Windeck zeigte sich die Mannschaft mit zwei roten Karten wegen Tätlichkeiten fast schon selbstzerstörerisch.

Angesichts dieser Zwischenbilanz fand der Vorschlag eines Mitglieds von Deinfussballclub (DFC), der die Entlassung von Matthias Mink forderte, so viele Unterstützer, dass die verbindliche Abstimmung darüber im Dezember ansteht.

In den letzten Spielen lief es sportlich allerdings wieder besser: Die Fortuna ist inklusive dem Pokalsieg bei einem Bezirksligisten und dem Unentschieden bei Arminia Bielefeld II an diesem Sonntag seit fünf Spielen ungeschlagen, holte in der Liga aus vier Spielen zwei Heimsiege und zwei Auswärts-Unentschieden.

Die Abstimmung über Matthias Minks berufliche Zukunft bei der Fortuna wird dennoch stattfinden. Am vergangenen Donnerstag stand er mir im Büro von DFC für ein Interview zur Verfügung.

Herr Mink, wie schlafen Sie eigentlich zurzeit?

Ruhig. Weil wir gewonnen haben. Jeder weiß, dass ich das Projekt Deinfussballclub von Anfang an unterstützt habe, weil ich davon überzeugt bin, dass es eine gute Geschichte ist – auch im Hinblick auf die Abstimmung. Die Mitglieder unterstützen uns ja finanziell und bekommen dadurch die Möglichkeit mitzuwirken, mitzuarbeiten, sich einzubringen in den Verein.

Wir haben von Anfang an gesagt, dass die Verantwortung der sportlichen Leitung durch die Mitglieder, die Co-Trainer, nicht in Frage gestellt werden sollte. Aber Managementaufgaben fallen klar in ihren Verantwortungsbereich, und eine dieser Aufgaben ist logischerweise auch die Mitbestimmung über das Personal. Dass dann sowas irgendwann mal kommen wird, war klar. Tatsache ist aber, dass bei solchen Entscheidungen auch Verträge berücksichtigt werden müssen.

Ich habe mich auf die sportliche Verantwortung zu konzentrieren, auf die sportliche Herangehensweise, und ich denke, da haben wir in den vergangenen zweieinhalb Jahren ganz gut gearbeitet. Ich bin davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das ist das, worauf wir uns zu konzentrieren haben, nicht mehr und nicht weniger. Und deswegen schlafe ich auch gut.

Jetzt haben Sie nichtsdestotrotz gelernt, wie lang oder kurz die Geduld von manchen Mitgliedern ist, nämlich irgendwo in der Ecke von sechs nicht gewonnenen Heimspielen.

Ja…

Gerade letzte Saison hat es manchmal den Eindruck gemacht, dass auch das ein oder andere Vorstandsmitglied nur darauf wartete, dass es mal ein schlechtes Ergebnis gibt. Kann es sein, dass Sie in der Konstellation mit DFC abhängiger von Resultaten sind, als man das als Trainer ohnehin ist?

Ich seh’s eher umgekehrt. Manchmal ist man ja sogar abhängiger von Resultaten, wenn einzelne Personen aus einer gewissen Emotion heraus entscheiden. Eine basisdemokratische Entscheidung der Mitglieder ist aber eher weniger emotional, auch wenn es die eigentliche Diskussion um den Trainer in naher Vergangenheit schon war.

Die Frage ist: Ist das wirklich die Mehrheit, die da so reagiert? Oder hätte sich die Mehrheit, gerade auch in der schlechten Phase, vielleicht sogar für den Trainer entschieden? Das kann man jetzt nicht sagen. Da muss man abwarten, wie das Ergebnis schlussendlich ausfällt.

Ich finde diese Abstimmung aber auch im Hinblick auf ein möglicherweise negatives Ergebnis gar nicht so verkehrt, denn dann war’s keine emotionale Geschichte. Da hat keiner aus dem Bauch heraus entschieden: Der Mink, oder die Mannschaft vom Mink, liefert keine Ergebnisse mehr ab, und deswegen hauen wir ihn kurzerhand mal raus. Es gibt ja noch mehr Komponenten zu betrachten, die wirklich entscheidend sind für ein Weiterarbeiten oder auch nicht.

Nun wird aber immer wieder kritisiert, dass es zwischen Ihnen und den DFC-Mitgliedern keinen intensiven Austausch gibt. Es gibt die Chats vor den Spielen, es gab zwei Chats zwischendurch, aber es gibt keinen darüber hinaus gehenden Austausch. Es wird kritisiert, dass Sie nicht im Forum sind. Man könnte sich auch einen Newsletter zur sportlichen Situation vorstellen. Würde es Ihnen nicht gerade in dieser Situation, aber auch grundsätzlich, helfen, wenn Sie mehr Verständnis für Ihre Arbeit schaffen würden?

Ich weiß nicht, ob es zweckmäßig wäre, ins Forum zu gehen, wo man im Endeffekt mit heißer Nadel diskutiert, ob es Sinn machen würde, sich als Trainer dort zu eben vorwiegend emotionalen Themen zu äußern. Dass man sicherlich im Hinblick auf ein näheres Zusammenrücken das ein oder andere Mal mehr in den Chat gehen könnte, oder auch einen Newsletter rausgeben könnte, das ist eine Anregung. Da kann man ja vielleicht drüber nachdenken für die nahe Zukunft.

Es ist aber natürlich auch immer so eine Sache mit dem Arbeitsaufwand. Was kann man wirklich machen und wie kann man’s vernünftig umsetzen? Aber das sind Anregungen, die kann man sicherlich mitnehmen. Dass man nicht immer alle Mitglieder voll und ganz so versorgen kann, dass sie rundum glücklich sind, das ist auch klar. Es wird immer Leute geben, die sagen: Da fehlt mir das noch und da fehlt mir das noch.

Unterm Strich muss man sagen: Man hat sich mit der DFC-Mitgliedschaft eine Kompetenz erkauft, ein Mitwirken bei den Managementaufgaben. Wenn man dann aber richtig nah an der Mannschaft sein will, dann muss man sich nicht nur die Kompetenz erkaufen, dann muss man auch regelmäßig zum Training kommen und hat dann auch das Wissen. Und einzelne Fans, die das schon gemacht haben, sind so nah dran, dass der Trainer mit ihnen sicherlich auch außerhalb von Zeitungs-Statements oder sonstigen Anlässen einen Austausch pflegt.

Was die DFC-Mitglieder wahrnehmen, das sind zum einen Geschäftsführungs- und Vorstandsaufgaben, sie treffen also wirtschaftliche Entscheidungen. Der andere Aspekt ist eine Art Sportdirektion. Ich stelle mir den Austausch zwischen der Sportdirektion und dem Trainer in einem normalen Verein aber enger vor, als das bei der Fortuna im Konstrukt mit DFC vielleicht auch nur möglich ist.

Ja, aber das ist genau der Punkt: Die Sportdirektion, wenn sie ein Mitglied in Südamerika oder in Südostasien ist, hat eben das augenscheinliche Problem, dass sie nicht so nahe an der Mannschaft ist, und dass man ihr diese Nähe auch nicht geben kann, wenn sie nicht ständig das Tagesgeschäft miterleben kann. Und dann habe ich als sportlich Verantwortlicher für die erste Mannschaft das Problem, denen das jeden Tag so nahe zu bringen, dass sie sich ein Bild machen können? Das ist, glaube ich, zeitlich nicht möglich.

Man kann versuchen, gewisse Sachen zu transportieren. Ich glaube aber, unabhängig von einzelnen, die das vielleicht wollen, ist es auch nicht im Sinne der Mitglieder, dass ich sie mit so viel Information vollstopfe, dass sie Rüdiger Hoppe [Co-Trainer von Fortuna] hießen oder Günther Schumacher [Torwarttrainer]. Ich glaube nicht, dass die das wollen.

Wir hatten ja auch schon mal die Diskussion im Forum um die Frage der sportlichen Kompetenz: Sollten die Mitglieder auch aktiv in Aufstellung und Trainingsbetrieb mit eingreifen? Und da haben viele Mitgliedern klar gesagt: Nein, das wollen wir nicht. Es macht keinen Sinn, weil der Trainer da den besten Einblick hat und sicherlich auch die Fachkompetenz. Und wir würden wahrscheinlich mehr in Fettnäpfchen treten, als dass wir unterstützend wirken könnten.

Zurück zur sportlichen Situation. Inzwischen hat die Mannschaft die Kurve erst einmal gekriegt. Aber es gab eine Serie von vier Niederlagen in Folge, unter anderem in Höhenberg gegen Windeck, mit zwei rote Karten, dann noch das 0:4 gegen Herne. Wie stelle ich mir in so einer Phase die Stimmung in der Kabine vor einem Heimspiel vor? Ist die Mannschaft da extrem angespannt?

Angespannt waren wir eigentlich immer. Wir haben in der Phase logischerweise viel Ursachenforschung betrieben, haben versucht vielschichtig zu hinterfragen: Wo liegen die Gründe für diese Ergebnisse, für die Misere? Wo liegen Gründe für ein Ergebnis wie gegen Herne, wo wir mit 0:4 zuhause gegen einen Gegner verlieren, über den man eigentlich sagen muss: Der war nicht gut. Das war kein übermächtiger Gegner, wo man sagen könnte: Okay, da hast du’s verdient, so hoch zu verlieren.

Hat die Mannschaft, was ja nachvollziehbar gewesen wäre, einfach das große Flattern gekriegt?

Natürlich war der Druck groß, und das haben wir nach der Partie gegen Herne den Fans zu erklären versucht. Ich habe versucht, den Fans nahezubringen, dass viele Spieler sich auch persönlich unter einen hohen Erwartungsdruck gestellt haben und dass die Erwartungshaltung insgesamt sehr, sehr hoch war, innerhalb des Vereins und auch gerade in Fankreisen.

Und wenn man in diesen Situationen nicht die Ergebnisse abliefert, dann ist das wie eine Spirale, die sich nach unten dreht. Und die Mannschaft kam da in dem Moment nicht so einfach raus, weil sie nicht wussten, wo sie den Hebel ansetzen müssen, auch für sich persönlich. Wir haben dann als sportliche Leitung versucht Maßnahmen zu ergreifen, um sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Was waren das für Maßnahmen?

Wir haben versucht, die Stimmung weiterhin hoch zu halten. Wir haben versucht, im Training immer wieder an Qualitäten, an Stärken jedes Einzelnen zu arbeiten. Wir wollten insgesamt die Spielfreude wieder entwickeln, wieder hochhalten.

Und dann kam unser Sportpsychologe mit dazu, über den ja auch bei DFC abgestimmt wurde. Wir haben versucht, durch eine Stärkenanalyse nicht nur jedes einzelnen Spielers sondern auch der kompletten Mannschaft, noch mal augenscheinlich herauszustellen und ihnen wirklich klar zu machen: Nicht die Ergebnisse sind das, was für euch entscheidend sein muss für das nächste Spiel oder die nahe Zukunft. Sondern das, was ihr an persönlichen Zielen und wir als Mannschaftsziel haben. Und zum zweiten das, was ihr auch schon Positives gezeigt habt, was eure Stärken sind, die ihr in die Waagschale werfen müsst.

Das waren dann alles Punkte, die in der Summe dazu geführt haben, dass wir wieder auf den richtigen Weg gekommen sind. Aber wir haben auch in der nicht erfolgreichen Phase immer wieder gesagt, dass wir eine gute Truppe haben, dass es sicherlich keine Sache der Qualität ist, sondern dass es in einzelnen Situationen auch von Glück und Pech abhängt. Es gibt so Situationen im Sport. Aber wenn wir beharrlich unsere Stärken, unseren Mannschaftsgeist und unsere Stimmung wirklich immer wieder hochhalten und aufs Spielfeld transportieren, dann wird sich das irgendwann wieder ins Gegenteil kehren. Und so war’s dann auch.

Was auch auffällt ist, dass die letzten vier erfolgreichen Spiele durchgängig mit der gleichen Besetzung gelaufen sind…

Ist auch ein Punkt!

…und auch in dem alten, letzte Saison bewährten 4-2-3-1-System. Hat das einen Einfluss gehabt? Hat die Mannschaft sich darin wieder wohler gefühlt?

Ja, wobei wir schon in Hüls ein 4-2-3-1 gespielt haben, als wir nach der Verletzung von Kevin wieder auf die eine Spitze umgestellt haben. Aber Kontinuität im Hinblick auf die Arbeit und Kontinuität im Hinblick auf die Mannschaftsaufstellung ist sicherlich ein wesentlicher Aspekt. Wir hatten viele Wechsel in der Anfangsphase, auch bedingt durch Verletzungen. Das ist nicht immer leistungsfördernd, zumal wir vor der Saison viele neue Spieler hatten, die sich trotz guter Vorbereitung in der Meisterschaft erst mal finden müssen. Das sind alles Punkte, die ausschlaggebend dafür sein können, dass es sportlich nicht so läuft, wie man sich das wünscht.

In der jetzigen Phase, in der wir kontinuierlich auf dieselbe Mannschaft gesetzt und die Spiele wieder erfolgreich gestaltet haben, fällt es dann leichter, klar. Aber sicherlich auch ein toller und wesentlicher Aspekt ist, dass trotz der Tatsache, dass wir in den vergangenen Wochen immer wieder auf dieselbe Mannschaft zurückgegriffen haben, es insgesamt sehr, sehr stimmig in der Truppe ist. Auch die im zweiten, vielleicht sogar im dritten Glied stehen, arbeiten sehr gut, auch im Training, sind sehr ambitioniert, obwohl man vielleicht denken könnte: Jetzt stellt der Trainer eh immer die gleichen elf auf, brauch ich ja kein Gas mehr geben. Andererseits geben aber auch die ersten elf im Training Gas, weil sie merken, dass die anderen ihnen im Nacken sitzen.

Und diese tägliche Trainingsarbeit, diese Spielfreude, diese Harmonie, die sich da entwickelt hat, die hat zuletzt auch diese Erfolge bedingt.

Es gab ein paar äußere Einflüsse: Die Sperre von Cengiz Can, die Sperre und Verletzung von Christian Beckers, Daniel Blankenheim war verletzt, Hamdi Dahmani auf links außer Form. Hamdi spielt jetzt auf der Position von Christian Beckers, Mario Schwarz, der am Anfang hängende Spitze war, spielt jetzt links. Hat da vielleicht auch die Not dazu geführt, dass jetzt eine Formation gefunden ist, an die Sie vor der Saison gar nicht gedacht hätten?

Wir haben sicherlich mit dieser Aufstellung in der Vorbereitung kein einziges Spiel bestritten. Bloß haben wir bei unseren Neuverpflichtungen und in der Vorbereitung schon gesagt: Wir können und werden im Laufe der Saison mehrere Varianten spielen müssen und wollen uns flexibler und variabler zeigen, weiterentwickeln im Vergleich zur vergangenen Saison.

Wir haben jetzt eine Formation gefunden, die auch eine Antwort auf Verletzungen und Sperren war.  Man muss aber ganz klar sagen: Wir wussten immer, dass der Hamdi auch im Zentrum spielen kann. Bloß war er in der letzten Saison über die linke Seite überragend, hat viele Tore vorbereitet und einige erzielt. Hamdi ist aber aus Troisdorf hierhin gekommen mit der Maßgabe, auf der 6 oder auf der 10 zu spielen. Wir wussten, dass er diese zentrale Rolle spielen kann, und dann hatten wir da ein Loch und mussten uns was einfallen lassen, wie wir dieses Loch stopfen und wie wir der Mannschaft vielleicht auch neue Impulse geben. Ich glaube, dass der Hamdi auch auf der linken Außenbahn wieder in die Spur gefunden hätte. Bloß hat es uns als Mannschaft in dieser Phase einen unglaublichen Halt gegeben, dass er auf der zentralen Position so funktioniert, wie er aktuell spielt. Er bringt sowohl in der Vorwärts- wie in der Rückwärtsbewegung in jeglicher Situation Impulse. Wir hatten da nicht die Alternativen, deswegen war’s umso wichtiger. Dass dann noch Ergebnisse rauskommen und wirklich tolle Spiele und auch fußballerisch gute Qualität, ist umso besser.

Sie haben gerade schon die taktische Variabilität angesprochen. Es gab in dieser Saison mindestens vier Systeme, die die Fortuna gespielt hat.

Vier?

4-4-2 mit Raute, gegen Herne in der ersten Halbzeit.

Nein.

Da bin ich mir relativ sicher.

Nein.

Als Sie in der Pause auf 4-2-3-1 umgestellt haben?

Wir haben nicht mit Raute gespielt. Vielleicht wurde die Spielweise im Mittelfeld in der Offensive als Raute interpretiert. Aber meine Herangehensweise und unsere taktische Ausrichtung war keine Raute, mit Sicherheit nicht. Es ist aber natürlich so, dass die beiden 6er in der Spieleröffnung eine Tiefenstaffelung einnehmen müssen. Manche Zuschauer sehen dann möglicherweise eine Mittelfeldraute.

Auf jeden Fall gibt es ja das 4-4-2 mit zwei Sechsern. Es gab das Spiel gegen Speldorf, nach dem diskutiert wurde: War das ein 4-5-1, war das ein 4-3-3? Es gibt jetzt wieder das 4-2-3-1. Kann es sein, dass die taktische Variabilität für Amateursportler, auch wenn sie fast jeden Tag trainieren, ein bisschen viel ist? Wird die Mannschaft vielleicht überfordert?

Nein, warum? Wir haben eine taktisch gut geschulte und intelligente Mannschaft!

Weil in dem Moment, in dem ein stabiles, bekanntes System gespielt wird, der Erfolg zurück kommt. Aber als viel variiert wurde, gab es zwar auswärts immer gute Ergebnisse…

Wir haben eine sehr gute Vorbereitung gespielt mit super Spielen im 4-4-2.

Ich habe überhaupt nichts gegen ein 4-4-2!

Damals hat jeder propagiert: Ist ja super, endlich mit zwei Stürmern, und es funktioniert ja. Dann stellt man auf 4-2-3-1 um, im Hinblick auf die personelle Situation und die sportliche Entwicklung, und dann kann jeder sagen: Genau das Richtige in dem Moment, weil die Mannschaft den anderen Systemen nicht gewachsen war. Aber es ist doch Quatsch, diese Diskussion jetzt anzubringen und zu sagen: Die Mannschaft versteht die anderen Systeme nicht, wo wir die komplette Vorbereitung im 4-4-2 gespielt haben, und das erfolgreich.

Der Wechsel zwischen den Systemen, das war die Frage.

Ja, aber wir sind doch vom 4-4-2 auf 4-2-3-1 wieder zurück. 4-4-2 haben wir in der Vorbereitung supererfolgreich gespielt. Dann spielen wir’s im ersten Spiel gegen Sprockhövel, dann verletzt sich der Kevin. Dann spielen wir gegen Speldorf im 4-3-3, weil die im 3-5-2 spielen, damit wir mit drei Angreifern deren Spieleröffnung schon kaputt machen können, was wir auch sehr gut trainiert haben. Da kommen wir aber gar nicht ins Spiel, müssen unterm Strich froh sein, dass wir 0:0 spielen und mit einem blauen Auge davon kommen. Danach stellen wir wieder auf 4-4-2 um, verlieren unglücklich gegen Wiedenbrück mit nur zehn Mann und gewinnen 4:0 in Hamm.

Das heißt, wir haben, unabhängig von der personell bedingten Systemumstellung auf 4-2-3-1, davor immer mit zwei Spitzen gespielt. Dass ein Mario Schwarz in der Rückwärtsbewegung hinter einen Cengiz Can fällt, das ist eine ganz andere Geschichte. Das ist eine taktische Herangehensweise im Hinblick auf die defensive Grundordnung und das Anlaufen unserer Stürmer, aber das hat nichts mit dem taktischen Verständnis oder mit der Umsetzung durch die Mannschaft zu tun.

Also hat die Mannschaft Ihre taktischen Vorgaben so umgesetzt, wie Sie sich das vorstellen?

Das haben die meiner Ansicht nach sogar sehr, sehr schnell gelernt und auch unglaublich gut umgesetzt. Dass es immer mal wieder im Hinblick auf die Trainingsumfänge oder auf das Stellungsspiel die einen oder anderen Probleme gibt und wir die nicht komplett in erster Instanz ausmerzen können, das ist auch klar. Aber prinzipiell, wenn ich das hier mal erwähnen darf, gibt es auch andere Fußballfachmänner, die sagen: Von der taktischen Herangehensweise wird bei der Fortuna ein sehr, sehr guter Fußball gespielt. Weil man da ein System erkennt, und weil die Mannschaft nicht versucht, mit langen Bällen in der Vorwärtsbewegung zu operieren und man in der Rückwärtsbewegung nicht mehr weiß, wo spielt der jetzt eigentlich, der da auf der linken Seite plötzlich aufgetaucht ist?

Also es ist meiner Ansicht nach der völlig falsche Ansatz, zu sagen, die Mannschaft hat das System nicht verstanden. Wir sind aber natürlich in der Lage, uns auch noch weiter zu entwickeln.

Eine letzte Frage noch zur Taktik: Auf der Position im zentralen Sturm haben Sie Kevin Kruth und Cengiz Can zur Verfügung. Wenn einer von beiden verletzt oder gesperrt ist, dann wird sofort ein Systemwechsel nötig, weg vom 4-4-2. Ist das ein Problem, oder sagen Sie: Damit muss man leben?

Es ist die Frage, was man an Möglichkeiten hat, und was auch an aktuellen Alternativen vorhanden ist. Will ich wirklich als Trainer ein System durchspielen und sage: Egal, was kommt, wir spielen das so? Oder mache ich mir Gedanken im Hinblick auf den Gegner? Und welche Spieler sind für mich wichtig, die für die Mannschaft den sportlichen Erfolg bringen? Da muss man dann die jeweilige Situation abwägen.

Es gibt Trainer, die sagen: Ich spiele ein System konsequent durch. Wolfgang Frank war mal im Zuge des Fußballlehrer-Lehrgangs als Gastreferent eingeladen, der das mit seinen Mannschaften immer so praktiziert hat. Kann man machen. Aber meine Philosophie ist es, verschiedene Möglichkeiten zu haben beziehungsweise verschiedene Systeme zu trainieren, damit wir auch auf Situationen innerhalb der Spiele reagieren können, um flexibler zu werden und vielleicht auch um spielbestimmender zu sein. Natürlich auch, um innerhalb eines Spiels mal sagen zu können: Okay, wir liegen zurück, wir müssen was machen. Dann bringen wir einen weiteren Stürmer, deswegen müssen wir vielleicht eine Systemänderung vornehmen. Eventuell auch, wenn der Gegner umstellt. So wie wir gegen Schwarz-Weiß Essen zum Beispiel Sascha Jagusch eingewechselt haben, weil wir ein Problem mit dem Westerhoff hatten, der ständig vor der Abwehr rumturnte, dessen Kreise wir null einschränken konnten und für den keine Zuordnung vorhanden war. Dann haben wir den Sascha reingenommen, wenn auch kurz vor Schluss. Aber es war in der Phase wichtig, dass einer kommt, der sich dem Westerhoff annimmt. Und dann haben wir eben kurzfristig mal auf der zentralen Position vor der Abwehr Manndeckung gespielt. Das muss dann in solchen Situationen auch mal sein.

Zum Schluss noch ein kurzer Ausblick: Was muss passieren, damit die Fortuna in zwei, drei, vier Jahren in den bezahlten Fußball kommen kann?

Dirk Daniel Stoeveken und Burkhard Mathiak aus dem Hintergrund: Zuschauer! Zuschauer und Sponsoren!

Das ist schwierig zu sagen. Ich denke, wichtig ist, dass man die Kirche im Dorf lässt. Wir wissen, dass wir auf einem guten Weg sind, aber gleichzeitig wissen wir auch ganz klar, schon im Hinblick auf Budgets: Wir sind aktuell da, wo wir hingehören, irgendwo im Mittelfeld, im vorderen Mittelfeld. Wir wollen logischerweise nach vorne. Das ist auch von der sportlichen Seite unsere Ambition und wir wollen das aktiv vorantreiben. Aber es geht nicht von heute auf morgen. Deswegen muss man der Mannschaft Zeit lassen, muss man auch dem Verein Zeit lassen.

Aber das Saisonziel bleibt das gleiche: Platz sechs oder besser?

Genau, das Saisonziel bleibt das gleiche. Ob das dann unterm Strich 4 oder 8 wird, das weiß man nie so genau, auch im Hinblick auf die Unwägbarkeiten einer Saison. Wenn Sie regelmäßig im Stadion sind, wissen Sie ja selbst schon im Hinblick auf die Schiedsrichterleistungen: Da steckt man manchmal nicht drin. Da kann mal so, mal so entschieden werden. Und am Ende können drei oder sechs Punkte über ein, zwei Plätze entscheiden. Aber das Saisonziel, denke ich mal, ist realistisch und für uns sicherlich machbar.

Und langfristig sehen Sie die Fortuna auf Kurs?

Ich denke, ein substanzielles Wachstum, wie wir es momentan haben, ist das beste Wachstum. Wenn du, wie teilweise andere Vereine, den dritten Schritt vor dem zweiten machst, den zweiten vor dem ersten, dann kommt manchmal erst ein, zwei Jahre später der Schlag ins Gesicht – und dann musst du wieder von vorne anfangen.

Die Entwicklung, die wir momentan vollziehen, ist okay, auch wenn ich auf die vergangene Saison blicke, als wir uns ganz gut in der Liga wiedergefunden haben. Da hatten wir auch mal eine Schwächephase, aber das ist ganz gut, denn aus so einer Phase kann man auch sehr gestärkt hervorgehen. Wir haben aus der Niederlagenserie in der vergangenen Saison unsere Lehren gezogen, aus den ganzen englischen Wochen und den vielen Verletzten, auch im Hinblick auf die Qualität des Kaders. Und wir haben aus der schlechten Phase in dieser Saison unsere Schlüsse gezogen.

Aber man sollte wirklich mit einer gewissen Kontinuität und mit einer gewissen Substanz an die Sache ran gehen.  Und dann denke ich, ist es auch drin, dass man in zwei, drei Jahren an die Tür des bezahlten Fußballs klopft. Was dann unterm Strich an Ergebnissen dabei rauskommt, das muss man abwarten, aber bisher ist unser Vorgehen eigentlich bestätigt worden. Und von daher sind wir mit dem aktuellen Stand sehr zufrieden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Matthias Mink

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3 Gedanken zu “Kurz nachgefragt bei: Matthias Mink, Cheftrainer von Fortuna Köln

  1. beatschubiger schreibt:

    Feines Interview, lieber Surfguard !
    Hoffe, dass das beruhigend auf die hartnäckigen Mink-Gegner wirkt.
    schönen gruß
    peta

  2. Danke für das Lob! Aber nur um’s gesagt zu haben: Ich habe das Interview nicht geführt, um zu beruhigen, sondern damit sich die DFC-Mitglieder vor der Abstimmung ein besseres Bild machen können, wie auch immer das im Endeffekt ausgefallen wäre.

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