Kurz reingeschaut: The Damned United

Viele Fußballfilme habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Ein paar Dokus, ja, aber Spielfilme? „Das Wunder von Bern“, klar. Aber meist dient der Fußball da ja doch nur als Nährboden für eine mehr oder weniger unabhängige Handlung.

Auf Empfehlung der aktuellen 11Freunde-Ausgabe hin beschaffte ich mir nun aber „The Damned United„, und hier ist alles anders. Der Film erzählt die wahre Geschiche von Brian Clough, dem englischen Trainer, der zunächst Derby County als Aufsteiger zur englischen Meisterschaft führte, dann bei Leeds United übel scheiterte, um anschließend Nottingham Forest binnen vier Jahren aus der zweiten Liga zu zwei Europapokalsiegen in Folge zu führen.

Die Geschichte Cloughs wird rund um sein desaströses, nur 44 Tage dauerndes Engagement bei Leeds United erzählt. In immer kürzer in die Vergangenheit springenden Rückblicken zeigt der Film, wie die persönliche Feindschaft Cloughs mit dem langjährigen Leeds-Manager Don Revie den zügellosen Ehrgeiz von Clough befeuert, bis er endlich Revies alte Mannschaft übernehmen kann, die zu der Zeit die englische Liga dominierte. Die Mannschaft jedoch lehnt ihn ab, zumal Cloughs Ehrgeiz endgültig in reine Arroganz umschlägt. Der Film endet mit der Versöhnung von Clough mit seinem langjährigen Assistenten Peter Taylor. Nur in kurzen Texteinblendungen wird der weitere Verlauf ihrer Geschichte bei Nottingham erzählt.

„The Damned United“ fasziniert durch seine ebenso charismatische wie arrogante Hauptfigur und natürlich die Tatsache, dass die Geschichte den historischen Tatsachen entspricht. Die schauspielerischen Leistungen können mit der Geschichte leider nicht ganz mithalten, insbesondere bei der Darstellung von Brian Clough selbst agiert Michael Sheen immer auf der Grenze zum Chargierens, regelmäßig auch darüber. Timothy Spall als Peter Taylor ist da schon ein ganzes Stück glaubwürdiger und hat die grandioseste Szene des ganzen Films, als er Clough bis ins Absurde demütigt, um ihn nach ihrem Streit wieder als Freund und Partner anzunehmen.

Außer der gut erzählten Geschichte wird hier mit einem Klischee gründlich aufgeräumt: Dass der englische „Manager“ als Alleinherrscher ein erfolgreiches Konzept sei, der die Aufgaben deutscher Manager, Sportdirektoren und Trainer kongenial in sich vereinte. Tatsächlich wird gezeigt, wie Clough ohne seinen Partner Taylor völlig verloren ist und nicht zuletzt deswegen bei Leeds scheitert, weil ihm die Kompetenz von Taylor an der Seitenlinie, im Umgang mit den vorhandenen und beim Scouting neuer Spieler fehlt. Sehr schön stellt der Film dar, wie Clough diese Tatsache bei einem in England wohl legendären Fernsehduell mit seinem alten Widersacher und Vorgänger als Leeds-Trainer, Don Revie, bewusst wird (hier die Originalaufzeichnung), in dem Revie ihm seine Versäumnisse vorhält und den zu Beginn des Interviews noch vollständig von sich selbst überzeugten Clough komplett vernichtet.

Für jeden Fußballfan ein Muss! (Kommt im Januar auf deutsch raus.)

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Ein Gedanke zu “Kurz reingeschaut: The Damned United

  1. edgar f. schreibt:

    Habe deinem Hinweis folgend gestern endlich das „Muss! für den Fussballfan“ nachgeholt und kann mich deinem positiven Gesamturteil anschliessen. Nach Ken Loachs „Looking for Eric“ ist es ein weiteres sehenswertes Stück Fussballengland aus jüngerer Filmgeschichte. Die Atmosphäre in den ranzigen Katakomben von Derby County ist sehr authentisch – nehme ich an – widergegeben und zeugt von einer anderen (nicht schlechteren) Zeit im Ballsport, von den auf dem Trainingsplatz und in der Kabine rauchenden Profis mal ganz zu schweigen.

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