SV Nierfeld – Fortuna Köln 6:4 n.E.

Ein Spiel, das unbedingt nach 90 Minuten hätte vorüber sein müssen, und zwar aus mehreren Gründen: Zum ersten sowieso (vgl. Herberger), zum zweiten weil es am Spielfeldrand kälter als vorhergesehen war, und zum dritten, weil Cengiz Can Sekunden vor dem Abpfiff den Deckel auf dieses Spiel hätte machen *müssen*.

Trainer Mink ließ auch in diesem Pokal-Achtelfinale beim zwei Klassen schlechteren Landesligisten das 4-2-3-1 der letzten Spiele auflaufen. Lediglich Venekamp hatte Gran verdrängt, der in Wattenscheid übel gepatzt hatte. Die Mannschaft, die auf die matschige Asche des Sportplatzes Müsgesauel in Schleiden auflief, lautete also (v.l.n.r.): Möllering – Venekamp, Schroden, Marten, Furucu – Dahmani, Ende – Schwarz, Maouel, Glaser – Kruth.

SV-Nierfeld - Fortuna Köln: Die Mannschaften
(Sorry, hatte gestern meine Kamera vergessen, Fotos also nur in Handyqualität.)

Ich habe mich in den letzten Spielen mit Taktikkritik bewusst zurückgehalten. Zum einen, weil die Mannschaft mehr oder weniger erfolgreich spielte, und zum anderen, weil das 4-2-3-1 aus der letzten Saison bekannt war und der Mannschaft nach ihrer Tiefphase möglicherweise Halt gegeben hatte. Doch warum Matthias Mink, der im Interview mit mir taktische Variabilität predigte, gegen einen Landesligisten nur einen Mittelstürmer aufbot, blieb mir unklar – zumal die Fortuna nicht etwa versuchte, sich gegen die erwartet defensiv stehenden Nierfelder schnell durch die Mitte zu kombinieren. Statt dessen bemühte man sich, die Außen freizuspielen und den Ball dann in die Mitte zu bringen. Gegen eine massierte Abwehr hilft dann aber ein entschlossener Extrakopf oder auch Bein vielleicht doch mal enorm.

Nierfeld hatte den Platz klein gemacht, was angesichts der Außenbahnen, die noch matschiger als der Rest des Spielfelds waren, aber auch nicht ganz unbegründet schien.

Platzverhältnisse

Auf diesem kleinen, auch nicht besonders langen Platz zog sich Nierfeld in die eigene Hälfte zurück, verschob, laustark dirigiert vom Keeper, sehr schnell und geschickt und machte die Räume so eng, wie das wahrscheinlich noch keine Landesligamannschaft hinbekommen hätte, bevor Professor Rangnick im Sportstudio die Viererkette erklärte. Die Fortuna tat sich mit dieser beweglichen Defensive sehr schwer, zumal es beiden Außen gestern zusammen genommen vielleicht ein oder zwei Mal gelang, einen Verteidiger im direkten Duell auszuspielen. Sowohl Schwarz aber auch Kapitän Glaser hatten keinen guten Abend erwischt.

Ebensowenig wäre aber erkennbar gewesen, dass die Fortuna mal ein schnelles Kombinationsspiel aufzuziehen versuchte. Stattdessen wurde der Ball hintenrum quergeschoben, was für den Moment ja mal okay ist, aber auf Dauer doch nicht zum Ziel führt.

Das Ergebnis war ein Spiel, wie es zur Zeit auch der FC Bayern regelmäßig bietet: Schätzungsweise 75% Ballbesitz, aber keine adäquate Torgefahr. Mit 0-0 ging es in die Pause.

Dann der Schock: Eine Ecke für Nierfeld segelt quer durch den Kölner Strafraum, auf der anderen Seite erläuft sie ein Nierfelder, bringt sie wieder zurück, wieder quer durch den Strafraum, und auf der anderen Seite steht ein Angreifer mutterseelenallein, kann den Ball noch annehmen und kaum bedrängt hoch ins lange Eck abschließen: 1-0 für die Heimmannschaft in der 56. Minute.

Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass die Fortuna nun noch einmal zurückkommen würde, aber plötzlich wurde das Spiel drängender, einfach entschlossener, und es ergaben sich einige Tormöglichkeiten, was auch daran lag, dass Matthias Mink Cengiz Can für Mario Schwarz gebracht hatte: ein überfälliger Wechsel. In der 77. Minute dann endlich der Ausgleich, als Hamdi Dahmani in eine steile Flanke sprintete, den Kopf hinhielt und der Keeper ins Leere hüpfte.

Das Spiel lief dann irgendwie weiter, bis die letzte Spielminute anbrach. Nierfeld war erstaunlich weit aufgerückt, so dass nach einem Ballgewinn und einem Steilpass plötzlich Cengiz Can eine freie gegnerische Hälfte vor sich hatte. Kevin Kruth war auch noch mitgelaufen, so dass Can den Ball entweder mit dem Torwart ins Netz zimmern oder abspielen konnte. Er entschied sich für’s Abspiel – allerdings geriet der Pass auf Kruth auf dem nassen Boden viel zu schwach, so dass der Torwart den Ball locker aufnehmen konnte. Was für eine Chance! Und wie leichtfertig wurde sie vergeben?

Nur Sekunden später pfiff der Schiedsrichter zur Verlängerung, in der nicht mehr allzuviel passierte, auch wenn es durchaus noch ein paar kleine Chancen gab. Aber es ging mit 1-1 ins Elfmeterschießen.

Vorbereitungen zum ersten, verschossenen Elfer

Und da versagten ausgerechnet dem für den verletzten Alexander Ende eingewechselten Daniel Blankenheim die Nerven, einem der langjährigsten und treuesten Fortunen. Gleich als erster Schütze schoß er zu schwach und unplatziert. Der Keeper hielt, alle Nierfelder verwandelten ihre Schüsse, so dass der letzte Fortune gar nicht mehr antreten musste.

Mit 4:6 n.E. bei einem Landesligisten ausgeschieden. Für eine Pokalstory ist dieses Spiel so typisch wie unerklärlich. Die Zaghaftigkeit, mit der die Mannschaft spielte, wenn sie nicht zurücklag, ist mir auch heute morgen noch rätselhaft.

So bleibt mir nur, mich für die guten Nierfelder Würstchen und Mettbrötchen zu bedanken und überhaupt für den sehr freundlichen Empfang dort. Der Pokal bleibt ein schlechtes Pflaster für die Fortuna.

P.S.: Die wie immer schönen Bilder von palim auf Flickr, dieses Mal besonders stimmungsvoll.

SV Nierfeld - Fortuna Köln
Ermäßigter Eintritt für Randgruppen: Frauen, Jugendliche, Rentner
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4 Gedanken zu “SV Nierfeld – Fortuna Köln 6:4 n.E.

  1. Hä? Frauen und Rentner bezhlen weniger Eintritt? Also bei Jugendlichen sage ich ja (aufgrund des Geldbeutels), das ich einverstanden bin. Bei Rentnerrn (bekanntlich die Gruppe mit dem meisten Geld in Deutschland) könnte man noch ein Auge zudrücken. Aber das Frauen weniger zahlen ist ja total witzig.
    Sollten wir beim FC auch einführen…witzig wäre es…

  2. Neph schreibt:

    Das ist doch fast überall in der NRW-Liga so. Außer bei Fortuna habe ich als Frau noch nirgendwo den vollen Preis gezahlt. Am Anfang wollte ich es nicht glauben und fand es auch irgendwie beleidigend – mittlerweile sehe ich das gelassener und investiere dafür ins Catering.

  3. Tatsache? Ich fahre ja nicht auf so viele Auswärtsspiele, aber es ist mir noch nirgendwo aufgefallen. Du als betroffene Randgruppe wirst es aber besser wissen ;-)

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