Kurz reingeschaut: Tegan and Sara live im E-Werk in Köln

Es gab wohl noch wenige Konzerte, auf denen ich mich so fehlplatziert gefühlt habe und doch mit einem okayen Gefühl nach Hause ging. Es begann damit, dass ich mich dem E-Werk näherte und die ganze Zeit das Gefühl hatte, auf Stelzen zu laufen: Ich war schätzungsweise 30 cm größer als 50% des Publikums. Ich habe, während ich mich durch’s E-Werk bewegte, ungelogen immer wieder mal auf den Boden geschaut, ob kurz vor mir nicht eine Stufe nach unten kommt. Das lag zum einen daran, dass es zahllose Teenies zu Tegan and Sara gezogen hatte, 14- bis 16-Jährige Mädchen, aber auch die etwas Älteren waren nicht viel größer. Hat sich die deutsche Jugend vielleicht schon in die körperliche Regredienz komagesoffen? Oder gehen zu Rolemodels wie dem lesbischen Zwillingspaar Tegan Rain und Sara Kiersten Quin nur die kleinwüchsigen Mädchen, weil die eher jemanden suchen, zu dem sie (buchstäblich) aufsehen können? Ich will nicht zu viel küchenpsychologisieren, aber es war wirklich frappierend.

Das Konzert ist dagegen schnell erzählt. Zu Beginn lief die Show ziemlich an mir vorbei. Zu mainstreamig, einfach konventionell waren die Songs. Aber auch eine Ansage unmittelbar zu Beginn, als Tegan oder Sara dem Publikum auf die wirklich platteste Art und Weise schmeichelte, hatte mich kurz aus der Spur geschossen. Immerhin stand ich direkt an der Bar, so dass es auch der Alkohol gewesen seinkann, der mich gegen Ende der Show dann doch noch positiv für die Band einnahm. Ich hatte aber auch den Eindruck, dass die Songs stimmungsvoller wurden, mit Sicherheit jedoch wurden die Ansagen besser. Die beiden erzählten Stories über ihren Dad, die, selbst wenn sie es waren, nicht komplett auswendig gelernt und routiniert wirkten. Sehr sympathisch dann auch die Vorstellungsrunde für die Band, als jeder ein kleines Solo spielen durfte, allerdings nicht irgendeins, sondern ein cheekig-posendes: So musste sich der Drummer am Intro von „In the air tonight“ versuchen, das er übrigens nur dem Stil nach, aber nicht Schlag für Schlag hinbekam. Ob das jetzt für ihn sprach?

Jedenfalls verließ ich das E-Werk versöhnt mit der Band, die ich nach 15 Minuten schon in die Kategorie „komplett überhypt“ einordnen wollte. Ordentliche Mainstream-Emo-Indie-Mucke. Muss man jetzt aber auch nicht gesehen haben.

Tegan and Sara

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