Fortuna Köln – SV Schermbeck 4-0

Na, wenn das mal kein flammendes Plädoyer für eine 4-4-2-Taktik war, wenigstens zu Hause gegen schwache Mannschaften? Endlich im Südstadion mal hoch gewonnen und dabei vor allem einen schlechten Gegner deutlich dominiert. Matthias Mink hatte sich gegen den SV Schermbeck dafür entschieden, die von den Fans schon lange geforderte Doppelspitze mit Can und Kruth zu bringen. Außerdem spielte die Fortuna mit einer Mittelfeldraute, auch wenn ich mir vielleicht wieder sagen lassen muss, dass das ja nur so ausgesehen habe. Unbestreitbar aber tummelte sich Abdelkader Maouel in der ersten Hälfte konstant auf der 10er-Position hinter den Spitzen. Hamdi Dahmani dagegen besetzte seit langem mal wieder den linken Flügel, Mario Schwarz hatte das Team für den zweiten Stoßstürmer verlassen müssen. Diese Mannschaft ließ Matthias Mink bei trübem, frühwinterlich nassem, aber doch noch halbwegs warmem Wetter auflaufen (v.l.n.r.): Möllering – Venekamp, Marten, Schroden, Furucu – Ende – Dahmani, Glaser – Maouel – Kruth, Can.

Edstadio del Sud, Colonia

Auflaufen der Mannschaften

Die Fortuna übernahm vom Anpfiff weg das Kommando im Spiel, zumal sie schnell bemerkte, wie hüftsteif die Schermbecker Abwehr agierte. Nahezu jedes Dribbling gewannen die Kölner Spieler, die Zweikämpfe meist auch noch. Der Erfolg stellte sich schnell ein: Kurzer Steilpass an die rechte Strafraumgrenze auf Can, der kämpft sich in den 16er, Querpass auf den mitgelaufenen Kruth, der sicher zum 1-0 in der 8. Minute einschieben kann.

Jubel nach dem 1-0 durch Kruth

Und als wollten die beiden zeigen, wie prima sie miteinander können, folgte schon zehn Minuten später das 2-0, dieses Mal im umgekehrten Zusammenspiel: Kruth nimmt in zentraler Position einen Ball an, der über den linken Flügel ins Zentrum getragen worden war, leitet ihn an Can weiter, der passt sofort kurz zurück, Kruth hebt ihn geistesgegenwärtig in den Lauf des voll durchstartenden Cengiz Can, und der lupft souverän am Torwart vorbei zum frühen 2-0 (19.).

Fast schon in der nächsten Minute hätte das 3-0 fallen können, als Kevin Kruth einen guten Querpass aus knapp 16 Metern dicht am linken Pfosten vorbei schoss.

Doch die Fortuna hatte das Spiel auch so im Griff, gegen eine Mannschaft aus Schermbeck allerdings, und das muss in dieser Deutlichkeit gesagt werden, die zu keinem Zeitpunkt ihre Ligareife nachweisen konnte. Das hing vielleicht teilweise mit dem frühen und entmutigenden Rückstand zusammen. Aber es war klar zu erkennen, dass die Schermbecker Abwehr viel zu unbeweglich ist (Selbst Goalgetter Kruth, wirklich nicht der Dribbler vor dem Herrn, durfte mit einem Solo erfolgreich bis in den Strafraum eindringen und nur knapp am Winkel der kurzen Ecke vorbei schießen), dass die Passgenauigkeit fast alles zu wünschen übrig ließ und die gesamte Mannschaft eine fast schon erschreckende Zweikampfschwäche demonstrierte.

Aber es darf auch gesagt werden, dass die Fortuna in Halbzeit eins eine taktisch und spielerisch hervorragende Leistung zeigte: Auch so einen Gegner muss man schließlich erst einmal schlagen. Die Raute funktionierte prima, die Flügelspieler auf der ballfernen Seite rückten vorbildlich nach innen, die beiden Stürmer waren beweglich nach hinten und auf die Flügel, die Außenverteidiger stießen immer wieder nach vorne, gut abgestimmt mit den Flügelspielern, und auch Alex Ende nutzte seine Freiheiten in der Offensive und schlug immer wieder gute Bälle auf die Flügel, wie man es von einem modernen Sechser erwartet. Es entstand insgesamt ein so variables Angriffsspiel, dass die Schermbecker nicht recht wussten, wo sie hinlaufen sollten. Und auch das übliche Mittelfeldpressing der Fortuna wurde heute gegen ein echtes Forechecking getauscht, gegen eine technisch so schwache Verteidigung eine völlig richtige Maßnahme.

Auch die Fans wunderten sich: „Hast du dir das ausgedacht, Mattes?“ lautet ein schon fast verzweifelter Ruf in Richtung Trainerbank. Wenn man nichts mehr zu meckern hat, dann darf das Feindbild aber wenigstens nicht auch noch verantwortlich für das gute Spiel sein.

Vielleicht hatte es aber auch an Klaus Ulonska gelegen, der als Nikolaus verkleidet im Gefolge des Spendenballs über die Tribüne marodierte. Ich wäre ja dafür, dass er das als lustiger Glücksbringer jetzt solange wiederholen muss, wie die Mannschaft zuhause nicht mehr verliert :-)

Es weihnachtet im Fanblock

Nach der Pause kam ganz schnell der Deckel auf’s Spiel: Freistoß von halblinks, Abdelkader Maouel zieht den Ball in Richtung langer Pfosten, Freund und Feind bringen den Kopf nicht mehr in die Flugbahn – und das Gerät plöppt vor dem langen Pfosten ins Netz: 3-0 in der 46. Minute!

Jubel nach dem 3-0 durch Maouel

Und schon wenige Minuten später wieder Maouel, der an der linken Strafraumgrenze den Ball behauptet, den sich ihm nachlässig in den Weg stellenden Schermbecker Verteidiger kurz auswackelt und eine scharfe Flanke an den Fünfmeterraum bringt, wo Kevin Kruth richtig steht und problemlos mit dem Fuß verwandeln kann (51.).

Jubel nach dem 4-0 durch Kruth

Das Spiel verflachte nun erst einmal etwas, die Fortuna nahm einen Gang raus. Schade eigentlich, denn gegen so einen Gegner hätte man genauso weiterspielen und mindestens noch zwei, drei Tore erzielen können. In dieser engen Liga kann am Ende das Torverhältnis noch sehr wichtig werden.

Eine Umstellung hatte allerdings auch Matthias Mink zur Pause vorgenommen: Dahmani rückte, wie in den letzten Spielen, wieder auf die zweite Sechserposition, dafür besetzte Maouel nun den linken Flügel: Ein 4-4-2 mit Doppelsechs also. Warum diese Maßnahme, wo die offensivere Variante doch so prima funktioniert hatte? Doch ich will wirklich nicht das Haar in der Suppe suchen, denn auch in der Folge kontrollierte die Fortuna das Spiel und hatte nach einer kleinen Ruhephase noch sehr gute Torchancen. Die allergrößte vergab Kapitän Glaser, heute prima aufgelegt, in der 69. Minute: Bei einem Konter übersprintete er, steil geschickt, die Schermbecker Verteidiger, kam allerdings mit seinem kleinen Lupfer nicht am Torwart vorbei.

In der 80. Minute gab es dann doch noch die erste Torchance für den SV Schermbeck: Einen strammen Schuss aus 10 Metern konnte Christopher Möllering mit einer tollen Parade am Tor vorbei lenken. Nicht schlecht, wo er sich doch zuvor nur kalt und nass hatte regnen lassen und Pflichtaufgaben hatte erledigen müssen.

Fortuna Köln - SV Schermbeck

In den letzten Minuten zog die Fortuna dann noch einmal an, war allerdings in den Kontersituationen nicht mehr zwingend genug. Erst in der Nachspielzeit drosch Alex Ende den Ball aus 20 Metern auf’s Tor, und der Schermbecker Torwart hielt unbedachterweise die Hände in den Schuss. Zwar gelang es ihm, den Ball über die Latte zu lenken, es dürfte aber mächtig in den Fingerspitzen gezwiebelt haben.

Nach dem Schlusspfiff

Am Ende hatte die Fortuna einen Gegner, den man schlagen muss, auch tatsächlich geschlagen – und zwar, ohne je einen Zweifel am Sieg zu lassen. Das ist deutlich mehr, als man bislang nach irgendeinem Heimspiel sagen konnte. Dazu kam eine besonders in Halbzeit eins auch taktisch starke und sowieso engagierte Leistung. Dass das Team nach dem frühen 4-0 etwas nachließ, kann man ihm letztlich nicht übel nehmen.

Schon am Freitag Abend geht es um den nächsten Pflichtsieg, wenn der Tabellenletzte aus Sprockhövel ins Südstadion kommt.

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

Die Mannschaft auf dem Weg in die Südkurve

Jubel nach dem Sieg

Jubel nach dem Sieg

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