Fortuna Köln – TSG Sprockhövel 2-1 (2-1)

(Das Spiel fand schon am Freitag statt. Wegen technischer Probleme folgt der Spielbericht erst heute.)

Ein seltsames Spiel. Vor der Pause ein Feuerwerk der guten Laune, mit Torchancen en masse für die Fortuna, aber auch mit einem mutigen Tabellenletzten aus Sprockhövel. Nach der Pause dann ein Grottenkick mit unentschlossenen Fortunen und durchschlagsschwachen Ruhrgebietskickern.

Flutbeleuchtetes Südstadion

Matthias Mink hatte dieselbe Mannschaft aufs Feld geschickt wie letzte Woche, und zwar in der taktischen Formation aus der zweiten Halbzeit, also Hamdi Dahmani auf der Doppelsechs neben Ende, Abdelkader Maouel auf dem linken Flügel und Can und Kruth im Sturm. Die Aufstellung: Möllering – Venekamp, Marten, Schroden, Furucu – Maouel, Ende, Dahmani, Glaser – Kruth, Can.

Auflaufen der Mannschaften

Hatte ich zu Beginn noch bedauert, dass Maouel nicht wieder hinter den Spitzen spielen durfte, wie letzte Woche noch in der ersten Halbzeit, legte sich dieses Bedauern erst einmal, denn die Fortuna übernahm sofort das Kommando auf dem Spielfeld und spielte entschlossen nach vorne. Dennoch war von Anfang an erkennbar, dass Sprockhövel nicht genauso schlecht auftreten würde wie letzte Woche Schermbeck. Spätestens in der 9. Spielminute war das auch dem letzten Zuschauer klar geworden, denn da zappelte der Ball im Netz – und zwar auf der Kölner Seite. Ich hatte mich gerade kurz auf meinen Glühwein konzentriert, und als ich aufblickte sah ich nur noch einen Sprocköveler in einen kurzen Steilpass sprinten und den Ball an Möllering vorbei einschieben. Der Treffer war zu diesem Zeitpunkt zwar nicht unbedingt verdient, aber auch nicht völlig überraschend, denn so zögerlich Sprockhövel nach hinten agierte, so mutig und teilweise durchaus ansehnlich spielten sie nach vorne.

Sprockhöveler Jubel nach der Führung

Die Fortuna ließ sich nur kurz schocken, spielte dann umso drängender nach vorne und erarbeitete sich Chancen im Minutentakt, die sie sehr zuverlässig versiebte, teilweise mit etwas Pech, teilweise am Torwart scheiternd, teilweise auch, weil die letzte Entschlossenheit fehlte.

Alle im Stadion hatten aber wohl den Eindruck, dass das schon noch was werden würde, auch die Spieler auf dem Rasen. Allerdings lag die Überlegenheit heute nicht so sehr am brillanten Kölner Spiel, sondern mehr daran, dass Willen und Selbstvertrauen auf eine schwache Abwehr trafen. Insbesondere von Alex Ende kamen heute nicht die präzisen Bälle auf die Flügel, die er noch letzte Woche geschlagen hatte. Hamdi Dahmani, manchmal mehr als Achter unterwegs, verrannte sich etwas zu oft. Was im Zentrum heute jedoch nicht so gut klappte, machten Maouel und Glaser auf den Flügeln gut, die sich immer wieder durchsetzen konnten.

So brauchte es dann aber 40 Minuten und ein bisschen Glück, denn der von Stephan Glaser von der Strafraumgrenze abgegebene Schuss wurde noch leicht abgefälscht, damit er sich unhaltbar zum Ausgleich ins Eck senken konnte.

Und heute war endlich einmal die Fortuna mit einem Doppelschlag dran. Hatten während der schlechten Phase zu Saisonbeginn im Südstadion immer wieder die Gegner in kurzer Folge getroffen, so konnte jetzt die Fortuna noch vor der Pause nachlegen: Furucu auf Can, der setzt sich körperlich gut durch, schüttelt seinen Gegenspieler ab und trifft von der rechten Fünfmeterraumgrenze in den linken oberen Torwinkel zum 2-1 (44.).

Jubel von Cengiz nach dem 2-1

Alles gut zur Halbzeit.

Doch aus der Kabine kam die Fortuna völlig verändert zurück. Auf einmal ging kaum noch etwas, der Zug war einfach aus dem Spiel raus. Es schien, als hätte die Mannschaft den Gang zu früh rausgenommen, anstatt wie in der ersten Hälfte den schwachen Gegner in seine Hälfte zu drängen und das mutmaßlich entscheidende 3-1 nachzulegen.

So entwickelte sich eine extrem zähe Partie, in der Fortuna erst nicht mehr wollte, dann nicht mehr konnte, und Sprockhövel auch kein Mittel fand, sich entscheidend vors Kölner Tor zu kombinieren. Und wenn sich der Fortuna schon mal die kaum vermeidbaren Konterchancen ergaben, dann vertrödelten die Spieler diese Chancen durch ein viel zu umständliches, zu wenig zwingendes Spiel oder durch unpräzise letzte Pässe und Flanken.

Der inzwischen schon wieder übelst holperige, sich im Spielverlauf immer mehr verschlechternde  Rasen im Südstadion trug auch das Seine dazu bei, dass kein flüssiges Spiel mehr zustande kam, kann aber keine Entschuldigung für so eine Halbzeit sein.

Übler Zustand des Rasens

Etwas unverständlich für mich heute auch die ersten beiden zwei Wechsel von Matthias Mink: Schwarz kam in der 77. Minute für Maouel, der bis dahin ordentlich gespielt hatte, nicht erschöpft wirkte und im Spiel nach vorne grundsätzlich mehr verspricht als der auch heute wieder zu brave Schwarz. Wenige Minuten später kam Jagusch für Kruth: Innenverteidiger für Stürmer. Jagusch sortierte sich zwar auf der Sechserposition ein und Dahmani ging für ihn in die Spitze. Aber als Aufbauspieler hatte sich Sascha Jagusch in der Vergangenheit noch nie hervorgetan. Wollte Mink gegen den Tabellenletzten zuhause den knappen Sieg sichern? In der 83. Minute ist dieser Gedanke nicht komplett illegitim, aber auch kein direkter Ausweis des Glaubens an die eigene Stärke. Kurz darauf musste dann auch noch Hamdi Dahmani raus, der sich scheinbar eine Zerrung zugezogen hatte. Für ihn kam zum ersten Mal nach seinem Jochbeinbruch wieder Christian Beckers mit Masek auf dem Gesicht.

So erzitterte sich die Fortuna einen Sieg gegen eine aber nie wirklich brandgefährliche TSG Sprockhövel. In Halbzeit zwei hätte das dennoch sehr leicht noch in die Hose gehen können, wenn auch für die TSG mal ein abgefälschter Schuss ins Tor gerutscht wäre. Da hätte einfach mehr kommen müssen, um gegen einen Gegner nicht mehr in Gefahr zu geraten, der der Fortuna erwiesenermaßen nicht gewachsen war.

Am Ende steht dennoch der vierte Heimsieg in Folge und der zwischenzeitliche Sprung auf Tabellenplatz 4, wenigstens bis die anderen Mannschaften morgen und am Sonntag nachlegen können. Mund abputzen, gewonnen, nächstes Mal entschlossener spielen!

Meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

Die offiziellen Fotos des Spiels von Barbara Lehmann auf Flickr.

Jubel nach dem Sieg

Jubel nach dem Sieg

Jubel nach dem Sieg

Advertisements

4 Gedanken zu “Fortuna Köln – TSG Sprockhövel 2-1 (2-1)

  1. Joe schreibt:

    Immer wieder toll zu lesen, auch wenn’s die Fortuna ist.
    Gute Berichte.

    Grüße aus Siegen. (wo’s zur Zeit nicht ganz *hüstel* so gut läuft.)

  2. Joe schreibt:

    Ha! Und gute Musik hört er auch noch.
    Portugal.The Man. (Meine Wenigkeit war im November in Gebäude 9. Klasse. Haste was verpasst!)
    Und der Rest deiner Konzerte sind ebenfalls klasse.

    Cheers!

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s