Pharisäer im Tempel des Copyrights

Ich bin ja grundsätzlich für die weitgehende Freigabe von Verwertungsrechten. Eine Welt ohne Patente, Urheber- und Verwertungsrechte könnte ich mir gut vorstellen. Ich veröffentliche meine Artikel hier und meine Fotos bei Flickr deshalb unter einer CC-Lizenz „Attribution-Noncommercial-Share Alike 2.0“.  Für nicht-kommerzielle Zwecke kann man meine Fotos also frei verwenden, ich möchte nur gerne meinen Ruhm gemehrt sehen. Für kommerzielle Zwecke möchte ich mir die Verwendung meiner Fotos jedoch vorbehalten und im Einzelfall freigeben. Das hat zum einen inhaltliche Gründe: Vielleicht möchte ich nicht zu jedem kommerziellen Zweck beitragen. Aber insbesondere hat das den Grund, dass ich in der existierenden, von Patent- und Verwendungsrechten geprägten Welt, einen Anreiz setzen möchte, selbst auf solche Rechte zu verzichten. Das ist zwar etwas sehr indirekt und von hinten ins Auge, aber im Moment ist es mein kleiner Hebel.

Meine Flickr-Fotos, die nun wirklich nicht die Krone der Schöpfung sind, aber wohl doch ein gewisses Grundniveau aufweisen, werden immer wieder mal nichtkommerziell verwendet oder zur kommerziellen Verwendung angefragt. Eines konnte ich mal für eine vergleichsweise ordentliche Menge Kohle verkaufen.

Heute aber bin ich auf einen witzige Variante gestoßen. Bei einer Google-Suche nach „surfguard flickr“ stieß ich auf diese Website, auf der eines meiner Fotos sehr prominent verwendet wird: http://www.dasbauunternehmen.de/. Es handelt sich um das Hauptfoto mit den Bauarbeitern. Im Impressum werde ich sogar als Fotograf angegeben, außerdem wird die Lizenz korrekt angeführt – nur wird der „non-commercial“-Teil gepflegt ignoriert. Denn natürlich und ganz offensichtlich handelt es sich um eine kommerzielle Verwendung, wenn es je eine gab.

Auch das hätte ich eventuell einfach noch ignoriert, schließlich handelt es sich beim Betreiber der Website nicht gerade um einen Weltkonzern. Dann aber stöberte ich auf der Website der erstellenden Agentur und fand einen kurzen Traktat unter dem Titel „Plagiate und der Qualitätsanspruch“. Zitat:

Plagiate trifft man überall. Ganz gleich, ob man auf der Suche nach Equipment im technischen Sektor oder nach Markenware im allgemeinen sucht. Immer dort, wo durch raffinierte Patente oder gute Ideen eine enorme Gewinnspanne erzeugt wird, sind Kopieristen nicht weit. Der ferne Osten ist sicher das Paradebeispiel. Geringe Auflagen, billige Arbeitskraft und das eigenverschuldete Verlagern der Technologie und des Wissens des »Abendlandes« in die Ferne lassen diese Schattenwirtschaft florieren.

Was das mit meiner Leistung zu tun hat? Nun, ganz einfach. Qualitätsanspruch, die Sorge um Nachhaltigkeit und Treue — sowohl auf Kunden- als auch auf Dienstleisterseite hebt meine tägliche Arbeit von der eines »designenlassen.de« ab.

Und da muss bei mir irgendwas ausgehakt haben. Denn ein Designer, der sich auf dem Rücken der Zweiten Welt rühmt, bessere Qualität als ein Crowdsourcing-Angebot zu produzieren, der könnte dann in seinen eigenen Werken wenigstens CC-Lizenzbedingungen beachten. Oder sie vielleicht überhaupt erst mal lesen, statt sie nur auf die Website seines Kunden zu kopieren.

Um die größere Wirkung zu erzielen, schrieb ich deshalb soeben an den Websitebetreiber:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich veröffentliche unter dem Namen „surfguard“ Fotos bei Flickr. Ich bin nun darauf gestoßen, dass Sie auf Ihrer Unternehmens-Website ein Foto von mir verwenden. Es handelt sich um dieses Foto: http://www.flickr.com/photos/surfguard/2436986614/ Sie verwenden das Foto auf der Startseite und auf anderen Seiten Ihrer Website. Ihrem Impressum entnehme ich, dass Sie früher anscheinend auch ein weiteres Foto von mir verwendet haben, das ich derzeit aber nicht mehr in Ihrem Auftritt sehen kann.

Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihre Verwendung des Fotos nicht den von mir festgelegten Lizenzbedingungen entspricht. Die Lizenz ist eine Creative-Commons-Lizenz „Attribution-Noncommercial-Share Alike 2.0“, wie Sie in Ihrem Impressum auch korrekt angeben. Nun ist aber die Bedingung „non-commercial“, die ich für die freie Verwendung des Fotos aufgestellt habe, auf Ihrer Website ganz offensichtlich nicht erfüllt. Schließlich verwenden Sie das Foto, um für Ihr kommerziell ausgerichtetes Unternehmen zu werben.

Ich bitte Sie deshalb, mir Folgendes mitzuteilen:
_ Wie lange verwenden Sie das Foto bereits?
_ Wie lange haben Sie das andere, inzwischen nicht mehr verwendete Foto benutzt?
_ Welches Honorar bieten Sie mir für die bisherige Verwendung der Fotos an?
_ Welches Honorar bieten Sie mir für die weitere Verwendung des Fotos an, sofern Sie daran Interesse haben?

Ich danke Ihnen bereits im voraus für Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen aus Köln,

[mein richtiger Name]
Zur Kenntnis habe ich die Mail auch an die Agentur gesendet. Ich bin gespannt, was passiert.
[Update] Wow, das ging schnell. Mein Foto ist schon wieder runter von der Site. Heute abend mehr zu dem Thema.
[Update 2] Die Sache ist erledigt.
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2 Gedanken zu “Pharisäer im Tempel des Copyrights

  1. elyz schreibt:

    Hast du denn das Playstation-Foto dann verkauft? Und wofür wurde es verwendet?
    Keep us posted, ich bin auch gespannt was bei der Sache rauskommt. :-)

  2. Ja, das Playstation-Foto habe ich damals verkauft. Die Verwendung auf dem englischen Markt habe ich leider nie gesehen, obwohl ich noch ein paar Mal nachgefragt habe. Das Geld haben jedenfalls die beiden „Models“ auf dem Foto und ich in eine schöne, große neue Singstar-Party gesteckt. Die dort entstanden Fotos wollte aber leider niemand mehr kaufen. Schade, das hätte ein Perpetuum Mobile werden können.

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