Kurz reingeschaut: Archive in der Zeche, Bochum

Ursprünglich ging es gar nicht um die Musik. Ursprünglich war der Ausflug nach Bochum nur geplant worden, weil ich die Zeche als schönen Veranstaltungsort genannt bekommen und mich hatte überzeugen lassen, dass sie eine Reise wert sei. Bei einem Blick auf das Konzertprogramm wurde mein Gesicht dann jedoch erst mal länger: Mir schienen hier nur Bands aufzutreten, die entweder tot sind (Ultravox, Saga) oder tot sein sollten (Jennifer Rostock). Dazwischen noch ein paar Metalknüppler gemischt, irgendwie alles nicht mein Fall – bis die empfehlende und mitreisende Freundin sich in die Musik von Archive reinhörte und auch ich mir dachte, dass bei deren Konzert eigentlich so viel nicht schief gehen kann.

Ging dann auch nicht, aber vorher begutachteten wir erst mal die Zeche als Veranstaltungsort. Ich war spontan begeistert und habe diese Begeisterung hier aufgeschrieben: http://www.qype.com/place/3034-Zeche-Prinz-Regent-Unterhaltungs-und-Freizeit-GmbH-Bochum. Genau so wie die Zeche muss eine Konzerthalle sein! Nur die Beleuchtung der Bars könnten die Betreiber während der Konzerte vielleicht noch ein kleines bisschen runterdimmen.

Zur Musik: Archive wurde Mitte der Neunziger als Trip-Hop-Combo gegründet, und einigen Songs hört man die Einflüsse von Massive Attack, Tricky aber auch Underworld deutlich an. Inzwischen hat sich Archive einen eigenständigen, wenn auch nicht sonderlich originellen Sound erarbeitet, in dem jetzt mehr Spuren von Elektronik und Kuttenmucke zu finden sind. Letztlich beruht die Musik von Archive auf dem simplen Prinzip, wenige Akkorde mit einer halbwegs monotonen, aber griffigen Gesangslinie über einem Midtempo-Beat zu mischen und die Emphase über einen Track hinweg immer mehr zu steigern, bis sich ein kleiner Sog entwickelt.

Archive

Auf Platte klang das okay, wenn auch etwas beliebig. Live werden die Songs nicht einfallsreicher, aber der Sound entwickelt seine volle Wirkung und schafft es, den Zuhörer auch über zwei Stunden Konzertdauer mitzunehmen. Ausnehmen muss ich lediglich eine viertelstündige Strecke mit schwächerem Songmaterial und die gerappten Stücke, bei denen aber vielleicht auch nur mir der Stil des Rappers (Typ: später Axl Rose) wenig gefiel.

Auf die Bühne bringen Archive ihre Songs mit bis zu 10 Musikern, alle schwarz gekleidet, die sehr präzise und cool zusammenspielen. Das wirkt unangestrengt, aber keinswegs leidenschaftschaftslos. Die Projektionen auf der Bühnenrückwand sind manchmal in den Neunzigern hängen geblieben (glattdesignte Schmutzästhetik), manchmal aber auch grandios und sehr gut zu den Songs passend.

Archive

Am Ende war es ein lohnendes und übrigens auch sehr gut gefülltes Konzert, zu dem ich es selbst nicht bereute, angereist zu sein, als ich mich in der Nacht durch frisch gefallene Schneematsche über die A1 zurück nach Köln kämpfen musste.

Archive

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