Auswärtsfans pfeifen auf Kalles Almosen

Es ist immer wieder traurig zu lesen, wie der große FC Bayern mit seinen und gegnerischen Fans umgeht. Ich muss die Schikane ja nicht persönlich erleiden, bin ohnehin ein Tribünensitzer, aber es deprimiert mich trotzdem, wie die Vereinsführung die Stimmung in der Arena verschenkt, indem sie eigene und generische Fangruppen vergrätzt.

Jetzt berichtet das Mingablog vom vielleicht deutlichsten Zeichen, wie weit sich der Vorstand des FCB von den Fans entfernt hat. Denn einige Auswärtsfans (!) haben sich zusammengeschlossen und einen Brief an Killerkalle geschrieben, in dem sie ihm zu verstehen geben, dass sie auf seine Almosen pfeifen, die er auch noch als großartiges Zeichen für Fantoleranz verstanden wissen will. Auswärtsmannschaften dürfen jetzt vor Spielen in München nämlich  ihre Fahne auf dem Rasen schwenken. Ein Zusammenschluss von Fans verschiedener Erst- und Zweitligaclubs dazu:

Sie offenbaren, keinerlei Ahnung zu haben, was Fans eigentlich wollen.Auswärtige Fans wollen nicht pauschal von der Münchner Polizei und dem dazugehörigen USK wie Schwerverbrecher behandelt werden. Sie wollen ihre Fahnen in uneingeschränkter Größe IN ihrem Block schwenken und nicht auf dem Spielfeld. Sie wollen Choreographien mit Materialien ihrer Wahl durchführen, ihr Bier und ihre Stadionwurst mit Bargeld kaufen und diese IM Block anstatt davor verzehren, um auch etwas vom Spiel mit zu bekommen. Sie wollen ein Megaphon zur Koordination ihrer Unterstützung erlaubt bekommen anstatt sich von der Münchner Polizei anhören zu müssen, dass der Einsatz eines Megaphons sicherheitsgefährdend sei.

Anders ausgedrückt: auswärtige Fans möchten die Mindeststandards, die in fast allen Bundesligastadien herrschen, auch in München, dem selbst ernannten Vorreiter in Sachen Respekt und Toleranz, vorfinden.

Es ist doch offensichtlich: Fans wollen kreativ sein und eben gerade nicht in einen offiziellen Ablauf eingebunden werden.

Dabei wäre es so einfach. Wenn der Vorstand des FCB Respekt vor dem Gegner zeigen wollte, dann sollte er einfach bei sich selbst anfangen. Ich empfehle das spanische Beispiel, das mir wirklich gelungen vorkommt, ob es jetzt perfekt nach Deutschland passt oder nicht: Bei spanischen Ligaspielen sitzen die Präsidenten der beider Clubs nebeneinander auf der Tribüne, sie jubeln nicht demonstrativ über die Tore ihrer Mannschaft und geben sich nach dem Spiel die Hand. Der Mannschaft hat man das schon verordnet, die verabschieden sich jetzt mit Handschlag vom Gegner, was ich sehr positiv finde. Doch warum fasst sich der Vorstand nicht an die eigene Nase?

Es wäre ein klares Zeichen – für das man nicht die Kreativität der Fans beschneiden muss.

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4 Gedanken zu “Auswärtsfans pfeifen auf Kalles Almosen

  1. Na ja, den Vorschlag finde ich aber auch etwas seltsam. Einem Uli Hoeneß zu verbieten, sich über ein Tor des FC Bayern zu freuen, ist realitätsfern und kann doch auch nicht im Sinne des Fußballs sein. Der Fußball (Achtung Phrasenschwein-Satz) lebt nun mal von dem Emotionen der Beteiligten. Natürlich sollte das nicht diffamierend sein, aber wenn unser Uli in den Armen von Karl Hopfner liegt, dann gehört das einfach dazu. Und tut auch keinem der gegnerischen Fans/Offiziellen weh.

    Darum geht es meiner Meinung nach in dieser Diskussion auch nicht. Im von dir zitierten Teil des Briefs werden ja einige Punkte angesprochen, die die Fans stören und meiner Meinung nach durchaus auch verständlich sind. Hier gilt es anzusetzen, wenn es KHR überhaupt darum geht. Für mich riecht das aber vielmehr danach, dass Spiele in der AA immer mehr zum Ganze-Familie-Wohlfühl-Event verwandelt werden soll. Das ist entgegen meiner Vorstellung von Fußball. Dazu gehört nun mal eine gewisse Rivalität. Keine Gewalt, kein Hass, keine Verleumndung. Rivalität. Und nebeneinander stehende Fahnenschwenker vom FCB und 1860 (jaja, irgendwann vielleicht mal wieder…) beim Einlauf der Spieler ist keine Rivalität, sondern zu Statisten verkommene Fans in einer inszenierten Schein-Fußballwelt.

  2. Du hast recht. Und deswegen hatte ich auch geschrieben, dass ich mir nicht sicher bin, ob der Vorschlag genau so nach Deutschland passt. Mir ging es darum, dass der Vorstand einfach bei sich selbst beginnen soll, den Gegner mehr zu respektieren. Beispielsweise könnte sich Uli, über dessen Attacken ich mich immer königlich freue, komplette Zurückhaltung auferlegen und etwa nach dem Spiel nichts Negatives über den Gegner, dessen Spieler oder über den Schiri sagen. (Und damit meine ich, auch nicht zu sagen, dass man jetz besser nichts sagt.) Oder wie wär’s denn, wenn er eine Willi-Lemke-Fahne schwenkt, anstatt eine Hoffenheim-Fahne vor der Südkurve wedeln zu lassen?

    Der FC Bayern ist, bei all meiner Liebe zu diesem Verein, in der Vergangenheit nicht durch mangelnde sportliche und auch wirtschaftliche Aggressivität gegenüber seinen Gegner aufgefallen. Ich denke auch, dass das dazu gehört, solange es eben sportlich bleibt. Aber deshalb empfehle ich dem Bayern-Vorstand: Fresse halten und erst mal vor der eigenen Türe kehren, und im übrigen auch positives Fanverhalten fördern, zu dem auch das Schwenken großer Fahnen im Stadion gehört, bevor man den Gegner stark macht. Selbst mit gutem Beispiel voran gehen, erst dann andere belehren.

  3. steam schreibt:

    Ist vom Phrasenschwein zu sprechen inzwischen auch mit Geldstrafe in selbiges unter Strafe gesetzt? Sollte es auf jeden Fall…

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