Kurz reingeschaut: Das Kabinett des Dr. Parnassus

Man weiß, auf was man sich einlässt, wenn man einen Terry-Gilliam-Film sieht: Absurditäten, Bildgewalt, überbordende Fantasie. Was man mit dem Kabinett des Dr. Parnassus aber auch kauft, ist eine zwar irre, aber letztlich zu dünne Story.

Dr. Parnassus hat vom Teufel vor tausenden von Jahren in einer Wette gegen den Teufel das ewige Leben gewonnen. Viele Jahre später macht er noch einmal einen Deal mit dem Gefallenen: Er gewinnt seine Jugend zurück, um die Liebe seines Lebens zu erobern, verspricht dem Teufel im Gegenzug aber die Seelen seiner Kinder, sobald die 16 Jahre alt werden. Nun erreicht seine Tochter Valentina diese Grenze, und der Teufel will sein Recht. Als alter Zocker bietet er Parnassus aber einen letzten Deal an: Wer als erster fünf Seelen verführt, dem soll die Tochter gehören.

Und um diesen Seelen-Wettstreit geht es im Kern des Films. Die Verführung geschieht im „Imaginarium“ des Doktors, der nämlich die Gedanken anderer Menschen lenken kann. Das klingt erst mal gut, aber letztlich läuft es darauf hinaus, dass Gilliam in der Gedankenwelt des Dr. Parnassus eine seiner bunten Fantasiewelten nach der anderen ausbreiten kann. Das erschöpft sowieso bald, tut es aber noch mal extra, weil die Welten viel zu glatt computeranimiert sind: Da fehlt jeglicher Charme, den Gilliams Papier-Animation zu seligen Python-Zeiten hatten, da fehlt jeder staubige Schmutz, den die Brazil-Szenarien hatten.

Am Ende ist der Film zwar schnell genug erzählt und geschnitten, um nicht zu langweilen. Aber echte Begeisterung wollte sich bei mir nicht einstellen. Zu viel Eye Candy, zu wenig Herz.

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