Kurz reingeschaut: "Der große Ausverkauf"

Der große Ausverkauf“ ist ein zurückhaltender und doch eindringlicher Dokumentarfilm über die Folgen der neoliberalen Globalisierung. Konkret zeigt der Film vier Menschen, die aktiv versuchen, mit den Auswirkungen unkontrollierter Privatisierungen auf ihr Leben umzugehen: Da ist ein englischer Lokomotivführer, der in der Gewerkschaft engagiert ist. Da ist ein Mann in Soweto, der Häuser im Ghetto illegal wieder an den Strom anschließt. Eine Frau auf den Philippinen muss jeden Tag das Geld für die nächste Dialyse ihres Sohns beschaffen, die sie privat tragen muss. Und der Film schildert die Historie und den Verlauf der „Wasserkriege“ in einer bolivianischen Stadt, als die Einwohner gegen den Staat und einen amerikanischen Investor freien Zugang zu Trinkwasser erzwangen.

Der Film enthält sich jedes expliziten Kommentars, aber natürlich hat ein Filmemacher nicht nur das gesprochene Wort zur Verfügung: Durch die Montage, die Auswahl der Szenen und die generell spürbare Empathie mit seinen vier Hauptfiguren bezieht „Der große Ausverkauf“ sehr deutlich Stellung gegen den Neoliberalismus. Er zeigt eigentlich nur das Offensichtliche: Dass Privatisierungen dann negative Auswirkungen haben, wenn der neue, private Betreiber ein Monopol übernimmt, sich jedenfalls nicht in einem Markt behaupten muss. Und wirklich tragisch und menschenunwürdig werden die Folgen dann, wenn ein solcher, mit einem Monopol ausgestatteter Privatbetrieb über lebenswichtige Ressourcen von Menschen verfügt, die nicht einmal auf die Unterstützung des Staates zählen können.

Letztlich ist es das Offensichtliche, das selbst einem ökonomischen Laien wie mir der gesunde Menschenverstand rät, das der neoliberale Staat aber immer wieder mal vergisst: Marktwirtschaft braucht Markt. Memento Bahnprivatisierung! Memento die Bremsen monopol-privatisierter BVG-Züge!

Neben seiner gesellschaftlichen Aussage ist der Film aber auch einfach gut gemacht, er langweilt nie, belehrt nur selten. Hier wird nicht der Moore’sche, wenn auch oft witzige Holzhammer geschwungen, sondern hier wird eindringlich suggeriert und mitfühlend gezeigt. Lohnend!

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