Kurz reingeschaut: Spoon im Luxor, Köln

Ich weiß auch echt nicht, was ich will: Nach den Good Shoes meckerte ich noch, dass die mir auf der Bühne zu wenig machten. Am Freitag im Luxor machten Spoon noch weniger – und machten vielleicht gerade deswegen einen anhaltenden Eindruck auf mich.

Im Vorprogramm hatten sie die White Rabbits mitgebracht. Auf Platte klingen die zwar auch schon groovig, aber doch noch recht poppig. Live wischen sie den Pop weg, und zum Schein kam ein fast schon tribaler Auftritt: Mit Paukenschlegeln auf den Drums den Rhythmus gedroschen, dazu reduzierte, repetitive Instrumente und ein emotionaler, nachdrücklicher Gesang – fertig ist der halbstündige, überzeugende Auftritt. Ein perfekter Auftakt für Spoon!

White Rabbits

Dann also Spoon. Ich mag’s ja sehr gerne, wenn man aus der Musik, die vor dem Auftritt läuft, etwas über die Band erfährt, sowieso natürlich aus der konkreten Einlaufmusik der Band, wenn sie denn eine ausgewählt hat. So verstand ich etwa schon, was Art Brut mit AC/DC zu tun haben, und warum die so organisch klingenden Air doch nicht weit von Kraftwerk entfernt sind.

Spoon ließen zwischen den White Rabbits und ihrem Auftritt einen repräsentativen Querschnitt von Beatles-Songs spielen, aber gerade nicht die ganz großen Hits. Der anwesende Kollege, der schon mal auf einem (oder mehreren?) Spoon-Konzerten war, war leicht irritiert: Nicht etwa, weil er die Beatles nicht so verehrte, wie das jeder aufrechte Musikfreund tut. Sondern weil er vor Spoon-Auftritten bisher Dub-Musik kannte. Das schien mir weit hergeholt, bis ich es dann doch hörte, als der letzte Beatles-Song vor dem Auftritt ganz leicht verdubbt wurde, und schließlich zum Betreten der Bühne kurz ein 100%iger Dub-Track laut eingespielt wurde. Auch während ihres Auftritts ließen Spoon den Mixer immer wieder mal ganz kurz den Echoregler ganz nach oben ziehen (im zweiten Video unten etwa kurz nach 0:30, etwas ubtiler im ersten ab ca. 0:15) . Und tatsächlich erklärt Dub viel der Methode Spoon: Da ist die Rhythmusorientierung, da ist auch der meist in Viertel- oder Achtelnoten vor sich hin pluckernde, markante Bass, der aber mit kleinen Variationen doch viel Groove macht. Und da ist natürlich überhaupt das Prinzip der Reduktion jedes Songs auf seine Knochen.

Das alles bringen Spoon auf der Bühne vergleichsweise unspektakulär dar: Da ist wenig Bewegung, aber viel Ernsthaftigkeit und Tiefe. Aber ein bisschen ging es mir wie in der Ausstellung von Boris Becker (nicht der Tennis-Spieler): Auch da war die Kunst sehr reduziert und die Präsentation zwar (buchstäblich) breitwandig, aber vordergründig unspektakulär. Und doch ermöglicht es gerade dieser Verzicht auf Effekte, dass der Eindruck viel nachhaltiger ist, den die Bilder von Becker und den die Musik von Spoon macht. Es war eines der ganz wenigen Konzerte, bei denen ich es mich nicht störte, die Band nicht gut zu sehen, weil die Musik so eindringlich war (und übrigens auch sehr ordentlich abgemischt und mit gesunder Lautstärke).

Auch ich halte es jetzt für denkbar, dass Spoon die beste Band der vergangenen 10 Jahre sein könnten. Die können was.

Spoon

Spoon

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6 Gedanken zu “Kurz reingeschaut: Spoon im Luxor, Köln

  1. axel schreibt:

    Mir war nicht klar dass es im Luxor Sitzplätze geben sollte.
    Den Hinweis Stehplatz hab ich irgendwie auf ´ner Luxor-Eintrittskarte noch nie gesehen oder wahrgenommen, daher fand ich den Aufdruck ganz lustig…

  2. Ach so, wegen der Beschriftung des Tickets, jetz thab ich’s. Das steht bei egal welchem Venue immer drauf, wahrscheinlich damit keiner falsche Vorstellungen hat.

  3. beatschubiger schreibt:

    Ich hätte mir gewünscht, dass es hier & da ein bisschen mehr zu Sache geht, bin aber trotzdem zufrieden nach Hause gegangen.
    Ich stelle immer wieder fest, dass das Luxor so unfassbar unbrauchbar für Konzerte ist, dass es jeder Beschreibung spottet sobald der Laden voll ist.
    – der lange, enge Schlauch
    – die niedrige Bühne
    – die Toilette neben der Bühne

    Bei The Melvins ist es mir passiert, dass ich trotz meiner 1,87 nur ab und an die Haare des Sängers sehen konnte.
    Aber ich war ja nicht bei den Melvins sondern bei Spoon und da war ich ganz vorne :)

  4. Normalerweise stehe ich hinter dem Mischpult. DIeses Mal wolten meine MItgänger aber mal nach vorne, allerdings war direkt vor dem Mischpult schon wieder Schluss. Die Bühne im Luxor ist einfach zu niedrig. Trotzdem wegen der angenehmen Größe eine meiner Lieblingslocations für Konzerte.

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