Fortuna Köln – VfB Hüls 3-0

Ein Sturmtief über Köln, drei Tore, zwei (gelb-)rote Karten, zwei Auswechslungen zur Pause – und trotzdem könnte dies irgendwie auch der kürzeste Fortuna-Spielbericht der bubbleboy-Geschichte werden. Denn alle Ereignisse schienen irgendwie en passant, eingebettet in ein fast belangloses, wenn auch erfolgreiches, vor allem aber von den Wetterumständen verwehtes Spiel. (Zwei Wind-Videos vom Spiel finden sich hier: http://blogs.23.nu/bubbleboy/2010/03/clouds-across-the-sky-gegenwind-im-sudstadion/)

Wolken über dem Südstadion

War nämlich der Morgen noch mäßig bewölkt und fröhlich sonnig gewesen, so zog ab dem Mittag das Sturmtief „Xynthia“ über Köln auf und brachte Windstärken, die zwar noch unter Katstrophenniveau lagen, aber doch den Müll durch die Straßen der Stadt trieben und auch die Verhältnisse im Südstadion so gestalteten, dass der Schiedsrichter anbot, gar nicht erst anzupfeifen. Nur auf Wunsch beider Teams fand die erste Partie nach der Winterpause doch statt.

Trainer Mink hatte zwei Überraschungen in seine Aufstellung gemischt: Christian Beckers spielte als rechter Außenverteidiger, eine unübliche Position, die vor der Winterpause noch Tevfik Furucu mit Bravour gegeben hatte; heute saß er nur auf der Bank (Trainingsrückstand? Formschwäche? [Update: Laut Fortuna-Forum: Formschwäche). Außerdem trat die Fortuna auch als Favorit wieder nur mit einer Spitze an [Update, auch laut Fortuna-Forum: Rückenprobleme bei Can]: Kevin Kruth vor und Cengiz Can nach der Pause, so dass Mario Schwarz wieder als linker Flügelstürmer auflief, um das 4-2-3-1 zu komplettieren. Die Startaufstellung: Möllering – Beckers, Schroden, Marten, Venekamp – Ende, Dahmani – Glaser, Maouel, Schwarz – Kruth.

Auflaufen der Mannschaften

Es entwickelte sich bei hohen Windstärken ein Spiel, in das beide Mannschaften keinen Spielfluss bringen konnten: Der Fortuna, in der ersten Hälfte mit dem Wind, gerieten alle gut gedachten Steilpässe zu lang. Der Hülser Keeper, gegen den Wind, brachte kaum einen Abschlag auch nur in die Nähe der Mittellinie. Zwar war schnell zu erahnen, dass die Fortuna das Spiel dominierte und die bessere Spielanlage zeigte. Wirklich zu erkennen war das aber nicht, weil kaum eine Kombination zu Ende gespielt werden konnte. So entstand ein Hin und Her, das durch den Wind auch schon mal zu einem Hin und Hin entarte. (Wortspiel-Credits für „hin und hin“ an levrheinland. (So macht man das, Helene!))

Der erste Höhepunkt des Spiels ereignete sich so nicht auf, sondern am Rande des Spielfelds – als der sehr inkonsistent leitende Schiedsrichter in der 20. Minute Fortuna- Trainer Mink auf die Tribüne verwies. Der schmunzelte sich dort, beobachtet von Teammanager, Ex- und Vertretungsfotograf Sebastian Flügel (Gute Besserung, palim!) zwar einen, konnte aber natürlich nicht mehr ganz so viel Einfluss auf das Spiel nehmen, wie er das üblicherweise tut.

Matthias Mink auf der Tribüne

Das Spiel plänkelte weiter vor sich hin, und es war zumindestens auch anteilig der Wind, der Wind, der in der 39. Minute der Fortuna den Führungstreffer bescherte: Ecke von der rechten Seite, eine Bö weht den Ball gefährlich Richtung Tor, hektisches und nachhaltiges Gestocher von beiden Seiten, Lars Marten ist als letzter Fortune am Spielgerät – und der gut stehende Schiedsrichter entscheidet, dass der Ball hinter der Linie gewesen sein soll.

Jubel nach dem 1-0

Bis zur Pause passierte nichts mehr, dafür in derselben: Matthias Mink wechselte gleich zwei Mal aus. Cengiz Can kam für Kevin Kruth, Winterpausenneuzugang Nico Schmied für den in Halbzeit eins tatsächlich  glücklosen Abdelkader Maouel. Schmied besetzte die zweite Sechserposition neben Ende, dafür rückte Hamdi Dahmani eins nach vorne.

Nico Schmied

Gewagte Frisur, Cengiz!

Frisurentechnisch legte die Fortuna mit diesen beiden Einwechslungen zwar auf der Fashion-Skala zu, am Spiel selbst änderte sich aber eigentlich nicht viel. Fortuna beherrschte das Geschehen relativ deutlich, wenn auch der Zufall (i.e. Wind) immer wieder lustige Situationen produzierte: Abschläge stiegen steil auf, wechselten in der Luft tatsächlich die Richtung und wehten zum abschlagenden Möllering zurück.

Und so war es wiederum dem Schiedsrichter vorbehalten, für das erste Entertainment zu sorgen: In der 83. und 84. Minute stellte er gleich zwei Hülsen vom Platz. Der erste Sportsfreund erhielt seine zweite gelbe Karte (ich hatte kurz nicht aufgepasst, weiß nicht ob zurecht). Der zweite Platzverweis grenzte aber ans Lächerliche: Tobis Urban war an der Mittellinie etwas unnötig hart mit der Hüfte gegen einen Fortunen eingestiegen, checkte den auch erfolgreich weg, aber eine gelbe Karte wäre das obere Rand des Strafmaßes gewesen. Der Schiedsrichter zeigte dagegen glatt Rot: völlig überzogen.

Den frisch gewonnenen Platz nutzte dann Cengiz Can für die zwei abschließenden und natürlich auch endgültig entscheidenden Tore: In der 86. Minute setzte er sich in einer schönen Einzelaktion gegen die ausgedünnte Hülser Abwehr durch und schob den Ball auch noch am herausstürzenden Keeper souverän vorbei neben dem linken Pfosten ins Netz. Nach dem Tor rannte Cengiz zur Tribüne und warf sein Trikot, das er über einem weiteren getragen hatte, in den Block der Mülltonnen, die von den aufgrund des Sturms gesperrten Stehplätzen dorthin ausgewichen waren und während des Spiels die meiste Stimmung im ansonsten erstaunlich ruhigen Fanblock gemacht hatten. („Ohne Mülltonns wär hier gar nichts los“, schallte es kurz vor Schluss die Tribüne entlang.)

In der 90. legte Cengiz dann sogar noch das 3-0 nach, woraufhin der Schiedsrichter die Partie gar nicht erst neu anpfiff.

Nach dem Schlusspfiff

Am Ende war es ein unbedingt verdienter Erfolg der Fortuna, der gegen harmlose Hülsen auch in der Höhe berechtigt war, trotzdem diese seltsame Partie auf mich nie den Eindruck machte, überhaupt entschieden werden zu wollen. Eine spielerische Bewertung verbietet sich angesichts der meteorologischen Umstände, kämpferisch warf aber jeder Spieler in die Waagschale, was er hatte. Auch der Einstand von Nico Schmied muss unter bemüht und einsatzfreudig abgeheftet werden. Demnächst wird er möglicherweise mehr Gelegenheit bekommen, zu zeigen, ob er der Fortuna auch spielerisch weiterhelfen kann.

In der (allerdings zu ihren Gunsten verzerrten) Tabelle rückt die Fortuna erst einmal auf den 4. Platz vor. Es folgen nun jedoch Wochen der Wahrheit mit vier Auswärtsspielen in Folge, unter anderem in Siegen und bei Alemannia II. In der Folge wissen wir mehr über das Aufstiegs-Potenzial, das diese Mannschaft in der Rückrunde möglicherweise noch anzapfen kann.

Nach dem Schlusspfiff

Lars Marten klatscht ab

Frank Schroden ab

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

Fotos von Sebastian Flügel auf Flickr.

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