Kurz reingeschaut: Tocotronic live im E-Werk in Köln

Nach all den Jahren endlich ein Tocotronic-Konzert. In den letzten 17 Jahren war ein Auf und Ab in der musikalischen Beziehung zwischen den Tocos und mir: Zu Beginn widersetzte ich mich dem von der Spex, wie ich fand, völlig hysterisch losgetretenen Hype um drei Hamburger, die ganz witzige Texte und nette Musik machten. Mit der „Wir kommen um uns zu beschweren“ hatten sie dann aber auch mich komplett eingefangen, nur um just nach diesem Zeitpunkt ihren Weg in Richtung eines neuen Sounds einzuschlagen. Bei „K.O.O.K.“ war ich wieder komplett raus aus der Nummer, aber mit „Kapitulation“ und erst recht der letzten Platte saugten mich Tocotronic zurück in ihr Universum.

Wirkliche Erwartungen hatte ich also vor dem Konzert nicht, außer, dass die Jungs genug Übung haben sollten, um zu wissen, was live funktioniert. Diese Erwartungen wurden teilweise erfüllt, teilweise enttäuscht.

Etwas enttäuschend fand ich nämlich die Präsentation vieler Songs: Das waren 1:1-Kopien der Studioaufnahmen, natürlich etwas lauter, aber nicht unbedingt pointierter. Da hätte ich mir mehr versprochen. Ich wollte verstehen, was Tocotronic im Kern ausmacht, wie Tocotronic wirklich ticken. Ich wollte in die Seele von Tocotronic sehen, so wie mir das bei Jochen Distelmeyer gelungen war. (Genau genommen war es natürlich Jochen Distelmeyer gelungen, in meine Seele zu blicken – und mir zu spiegeln, was er dort gesehen hatte.) Dass vor der Show die Halle mit Bohren & Der Club Of Gore beschallt wurde, war zwar schon mal ein kleines Statement, aber das alleine genügt mir nicht.

In der Songauswahl beschränken sich Tocotronic auf die neueren und mittelalten Stücke, ihre Vergangenheit scheinen sie, bis auf ein, zwei Ausnahmen, abgelegt zu haben. Das ist respektabel, wenn auch schade.

Voll erfüllt wurden allerdings meine Erwartungen an die Show als Show. Der Aufbau der Bühne ist klassisch und reduziert: Die drei Gitarristen stehen angemessen breitbeinig an der Rampe, ruhig und doch in sich agil, einfach würdevoll. Dahinter thront leicht erhöht Arne Zank am Drumkit und dynamisiert das Bild mit seinem immer leicht animalesken Spiel.

Ganz, ganz, ganz toll, also wirklich sehr super ist aber das Licht gelungen. Die Bühne des E-Werks wird ständig von zwei rechts und links aufgestellten, nach oben gerichteten Rauchwerfern deutlich oberhalb Kopfhöhe unter Dampf gehalten, was alleine schon einen majestätischen Eindruck macht, wie der Rauch dort langsam wabert. Von oben leuchten simple, aber schön orchestrierte, farbige Spots die Musiker an. Und im Bühnenhintergrund sind über die komlette Breite auf Hüfthöhe gelblich-weiße Scheinwerfer angebracht, die direkt nach vorne ins Publikum leuchten. Dieses Setting passt perfekt zu den Songs, zu der Musik, zum Sound von Tocotronic. Ein schöner Anblick.

Am Ende war es ein okayer Konzert, jedenfalls über dem Durchschnitt, aber auch nicht in der Spitze des Möglichen. Dazu fehlte etwas Tiefe, vielleicht auch etwas Empathie. Aber man kann es auch so sehen: Diese Tocos haben noch Potenzial.

Tocotronic

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Ein Gedanke zu “Kurz reingeschaut: Tocotronic live im E-Werk in Köln

  1. beatschubiger schreibt:

    Ja, das Licht war fantastisch. Ansonsten bin ich als „kaum“ Toco Kenner aber Toco Symphatisant voll auf meine Kosten gekommen.
    grüße
    peta

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