Uwe Bunk verteidigt das neue uMag

Ich kritisierte hier kürzlich auf Bitte des Verlags das neue uMag: Mir war das Heft zu unübersichtlich und ich hatte den Eindruck, dass es seine Stärken verschenkt. Die anderen Blog-Kritiken des Hefts, die auf umagazine.de angerissen und verlinkt werden, sind tatsächlich mehrheitlich positiv, die negativen schießen sich aber auf ähnliche Punkte ein wie ich. Auch DWDL.de hatte zum Relaunch eine Kritik veröffentlicht – und das neue Heft quasi hingerichtet.

Nun gab DWDL.de dem Verleger des uMags, Uwe Bunk, die Möglichkeit zur Stellungnahme. Ich selbst hatte von der Verlagsmitarbeiterin, mit der ich in Kontakt war, noch ein freundliches Feedback auf meine deutliche Kritik erhalten. Sie schrieb mir:  „Genau das wollten wir doch auch, ehrliche Rückmeldungen, die uns helfen, besser zu werden.“ Ihr Chef sieht das offensichtlich ganz anders und schießt im DWDL-Interview fast schon verschwörungstheoretisch gegen die Kritiker.

Der Relaunch des „uMag“ wird in der Tat sehr unterschiedlich wahrgenommen: Auf der einen Seite sind die  Fachmedien, die sich mit den Veränderungen nicht so recht abfinden konnten.

[…]

Wir … suchen nach einer Erklärung für die zum Teil recht deutliche Kritik aus der Fachpresse, die auch ein wenig daher rührt, dass wir eine Kommunikationsagentur mit dem Redesign beauftragt haben.

Naja. Zum einen ist es schon der falsche Ansatz nach Erklärungen für Kritik zu suchen, denn es unterstellt dem Kritiker ein Motiv hinter seinen Äußerungen. Ist es nicht denkbar, dass es Leute gibt, die das neue Heft einfach unstrukturiert finden, wenn sie es völlig werkimmanent betrachten? Mir ging es jedenfalls so. Und zum weiteren waren es nicht nur Fachmedien, sondern auch andere Blogger, die Kritik übten. Uwe Bunk dagegen glaubt, dass die und ich nur nicht die richtige Brille aufhatten:

Unser Heft mag auf den ersten Blick diffus erscheinen, aber durch die große Relevanz, die das Internet in den vergangenen Jahren bekommen hat, verändern sich auch unser gesamtes Kommunikationsverhalten und die Rezeptionsweisen. Die Bedeutungszusammenhänge erschließen sich heute anders – und genau da setzen wir an.

Es wird sich letztlich zeigen, ob die Leser Uwe Bunk Recht geben oder DWDL und mir. Aber ich sehe einen riesigen Unterschied zwischen dem tatsächlich oft zusammenhanglosen, sprunghaften Surfen durch’s Web und der fehlenden Struktur einer Zeitschrift: Beim Surfen habe ich nämlich die Maus in der Hand und wähle Inhalte aktiv an. Beim linearen Durchblättern eines Hefts dagegen bekomme ich von der Redaktion eine Information nach der anderen präsentiert, muss also jedesmal dem Gedankensprung eines Anderen folgen, was mindestens anstrengend und meist einfach verwirrend ist.

Endgültig unlogisch wird es für mich allerdings, wenn Bunk erklärt:

Uns war immer klar, dass wir sehr gute Texte machen. Also war die Inszenierung dieser Texte die Hauptaufgabe beim Relaunch.

Texte müssen nicht inszeniert werden, sondern gelesen. Ich habe auch wahrgenommen, dass das alte uMag gute Texte hatte, die lesbar präsentiert wurden. Der Relaunch dagegen hat mit diesen Texten vor allem eins getan: Er hat sie gekürzt. Und zwar, wie der Pressetext erläuterte,  mit voller Absicht, nicht etwa als in Kauf genommenen Kollateralschaden einer angeblich besseren Inszenierung. Warum kürzt man seine größte Stärke?

Wir wollten ein journalistisches Design entwickeln und haben uns daher bei der Neugestaltung gestalterisch auch an Zeitungen angelehnt. Nicht die Bilder, sondern die Texte sollten stärker betont werden.

Wie meinen?

Interview mit den Blood Red Shoes

Interview-Doppelseite

Jedenfalls schließt Bunk aus, dass am Magazin noch etwas Nennenswertes geändert wird.

Insgesamt war ich aber noch nie so zufrieden mit einem Erstprodukt, wie jetzt mit dem neuen „uMag“. Das geht dem gesamten Verlag so. Vor allem die Redaktion strahlt momentan wie die Honigkuchenpferde, weil ihre Inhalte endlich so zur Geltung kommen, wie es ihnen gebührt.

Es ist das gute Recht des Verlags, mit seinem Produkt zufrieden zu sein und meine Kritik zu ignorieren. Und, wie schon gesagt, wird letztlich der wirtschaftliche Erfolg das Urteil sein. Aber ich kann es mir jetzt jedenfalls sparen, wie angekündigt die Entwicklung des Hefts zu verfolgen – weil es keine geben wird.

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