Alemannia Aachen II – Fortuna Köln 1-1 (0-1)

Hach, das war gestern ein schöner Anlass, meine alte Studienstadt mal wieder zu besuchen und keineswegs nur nebenbei mal wieder ein Auswärtsspiel der Fortuna zu besuchen. Dass die zweite Mannschaft von Alemannia Aachen zudem noch im alten, nicht abgerissenen Tivoli spielt, der nur ein paar Schritte vom neuen Arena-Pracht-Bau entfernt steht, erhöhte den Spaß noch mal beträchtlich, ist dieses Stadion doch so überrreich an Tradition und Patina und generell einfach schön.

Gäste-Eingang zum alten Tivoli

Gäste-Eingang zum alten Tivoli mit Fortuna-Fahnen im Block

Alter Tivoli

Alter Tivoli

Alter Tivoli

Hier passt die Farbe mal

Laut Ordner: Originalfarbe vom Tivoli-Bau

Pause

Sportlich war Trainer Mink zum Improvisieren gezwungen worden, nachdem sich noch am Freitag mit Käptn Glaser und Abdelkader Maouel zwei der Spieler verletzt hatten, die für das kreative Spiel der Fortuna entscheidend sind. Mink entschied sich für das von den Fans schon lange ersehnte 4-4-2 mit den folgenden Spielern: Möllering – Venekamp, Marten, Schroden, Furucu – Dahmani, Schmied, Ende, Schwarz – Kruth, Can.

Den ersten der wenigen fußballerischen Höhepunkte dieses trotzdem hochinteressanten und packenden Spiels verpasste ich leider, weil ich erst zehn Minuten nach Anpfiff auf der Tribüne eintraf: Can war lang und steil geschickt worden, hatte sich gut gegen die Abwehr durchgesetzt und den aufspringenden Ball dann hoch über den Keeper ins Netz gehoben: 1-0 für den SC Fortuna in der 8. Minute.

In der Folge plätscherte das Spiel dann erst einmal etwas vor sich hin. Beide Mannschaften konnten sich nicht entscheidend durchsetzen. Die Fortuna musste mit der Führung im Rücken nicht mehr so, die jungen Alemannen konnten nicht oder wurden von der präsenten Fortuna-Defensive abgefangen.

Doch dann kam die 35. Minute. Das Geschehen spielte sich an der Seitenauslinie ab, die ich, hinter ein paar stehenden Fans sitzend, nicht einsehen konnte. Die Situation wirkte aber auch nicht besonders brenzelig, als der Schiedsrichter plötzlich die rote Karte in der Hand hatte – und sie Cengiz Can vor die schon resignierend abgewendete Nase hielt.

Rot für Cengiz

Proteste gegen Cengiz' Karte

Proteste gegen Cengiz' Karte

Proteste gegen Cengiz' Karte

Auch die folgenden Proteste nutzten logischerweise nichts mehr. Der Schiedsrichter hatte, so berichtet es der DFC-Liveticker, beim Gerangel um den Ball ein Nachtreten von Cengiz Can gesehen und geahndet. Zlatko Muhovic, der angeblich gefoulte Aachener 10er, nach Meinung der Fortuna-Fans mit einer schauspielerisch erwähnenswerten Leistung nicht ganz unbeteiligt an dieser Entscheidung, sah sich anschließend jedenfalls lauten und anhaltenden Schmährufen ausgesetzt, die man in diesem schönen Fußballstadion ohne größere stimmliche Anstrengung bis auf den Platz bringen kann.

Das alles hielt Muhovic jedoch nicht davon ab, nur Minuten später und erneut unmittelbar vor den Augen der Fortuna-Fans, Benjamin Venekamp mit einem üblen Check in den Rücken zum ersten Mal an diesem Tag für Minuten aus dem Spiel zu nehmen.

Gelb gegen die 10

Benni wird behandelt

Benni wird behandelt

Der Zorn der Fortunista war Muhovic jedenfalls sicher, den nur die bald folgende Pause erst einmal vor mehr fliegenden Bierbechern rettete.

Klaus Ulonska in der Pause

Klar war, dass sich die Fortuna, auswärts und in Unterzahl gegen eine spielstarke Zweitvertretung, nun im Wesentlichen darum würde kümmern müssen, den Vorsprung zu verteidigen und vielleicht per Konter die Entscheidung herbei zu führen.

Das Wehren gegen die Aachener Angriffe gelang auch zunächst ganz gut: Die Männer aus der Karlsstadt konnten keine gefährlichen Situationen vor dem Kasten von Christopher Möllering heraufbeschwören – bis zur 58 Minute: Benni Venekamp stellt seinen Gegenspieler am linken Strafraumeck, trifft den Ball mit einer Grätsche auch, der Presschlag springt dem Aachener aber genau in den Lauf, eine präzise Flanke, die Lars Marten im Zentrum noch vergeblich zu erreichen versucht, doch hinter ihm rauscht Daniel Engelbrecht heran und köpft mit Schmackes zum 1-1 ein.

Aachener Jubel nach dem Ausgleich

Aachener Jubel nach dem Ausgleich

Der Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt des Spiels nicht ganz unverdient, hatte Aachen doch auch im ersten Durchgang schon einen Schuss an den Innenpfosten verzeichnen und überhaupt das Spiel ausgeglichen gestalten können. Dennoch war im Nachhinein ärgerlich, dass von diesen einzigen beiden guten Gelegenheiten der Gelb-Schwarzen eine drin war. Andererseits muss man zugestehen, dass die Fortuna auch nur die eine wirklich gute Chance hatte, die Can eben zum Tor verwandelt hatte.Insgesamt also ein Match, in dem aus drei hochkarätigen Möglichkeiten zwei Tore fielen.

Dass die zweite Halbzeit trotzdem nicht langweilig war, lag an der Fortuna, die nun zwar nicht gerade auf Sieg, aber immer dann, wenn sie die Möglichkeit sah, sehr entschieden nach vorne spielte. Aachen zögerte in solchen Situationen nie lange, sich mit einem taktischen Foul zu behelfen, die der Schiedsrichter wenigstens ein oder zwei Mal zu selten mit der gelben Karte bestrafte.

Lieblingsfarbe gelb?

Außerdem fiel unangenehm auf, dass die Alemannen auf wirklich arschige Art und Weise versuchten, auch Kevin Kruth in einen Platzverweis zu treiben. In der 68. Minute sah Kruth tatsächlich Gelb, ließ sich in der Folge aber auch von weiteren Provokationen und fortgesetzten Remplern nicht mehr über die Grenze treiben, obwohl man ihm ansehen konnte, wie er innerlich kochte.

Kevin ist unzufrieden

Kevin ist unzufrieden

Am Ende gelang es den Aachenern so fast eher als den Kölnern, das Unentschieden mit übertriebener Härte zu halten. Für den einzigen verletzungsbedingten Ausfall des Spiels konnten sie allerdings auch nur indirekt etwas: Benjamin Venekamp bekam zum zweiten Mal die ganze Härte des Spiels ab, als ihn in der 79. Minute bei einem Freistoß aus rund 30 Metern der Ball im Gesicht traf. Der Schiedsrichter pfiff sofort ab, Venekamp blieb ein paar Minuten lang liegen, wurde gestützt vom Platz geführt, blieb dort für den Rest der Partie sichtlich mitgenommen sitzen, konnte heute aber glücklicherweise Entwarnung geben.

Gleich geht Benni k.o.

Benni Venekamp, ernsthaft erschüttert

Alle für einen

Venekamp erschüttert

So endete eine kampfbetonte, emotional aufgeladene, streckenweise sogar mitreißende Partie mit einem letztlich gerechten Unentschieden, bei dem die Fortuna sogar noch eher den Sieg verdient gehabt hätte als die 55 Minuten in Überzahl spielenden Hausherren. Spielerisch ging auf beiden Seiten nicht viel, kämpferisch aber vor allem bei der Fortuna alles. Dieser Punkt war hart erarbeitet und bot genauso Grund zu berechtigtem Stolz wie der gestern wirklich vorbildliche Support der mitgereisten Fans.

Nach dem Abpfiff

Mink im Gespräch mit Beckers

Nachdem Abpfiff

Nach dem Abpfiff

Nach dem Abpfiff

Schlussendlich noch erwähnenswert: Cengiz Can, der die ganze zweite Halbzeit über am Ausgang des Spielertunnels dem Spiel gefolgt war, entschuldigte sich nach dem Schlusspfiff beim Schiedsrichter mutmaßlich für sein Verhalten, das zum Platzverweis geführt hatte.

Cengiz entschuldigt sich beim Schiri

Last fan leaving

Mölle und Cengiz beim Abgang

P.S.: Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

P.P.S.: Die offiziellen Fotos von palim auf Flickr.

P.P.P.S.: Die offiziellen Fotos auf der Alemannia-Homepage sowie der Spielbericht dort.

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