Kurz reingeschaut: Kasimir und Karoline im Schauspielhaus Köln

Ich weiß nicht. Wenn das die Aufführungen sind, die dem Kölner Publikum gefallen, was die Kommentare auf  der Webseite des Stücks nahe legen, dann bin ich anscheinend Randgruppe.

Schlecht war die Inszenierung nun auch nicht, vielleicht sogar leicht überm Schnitt. Aber sie war für mich unverständlich verlärmt, wollte zu viel und erreichte so weniger. Und wenn ich das noch verzeihen könnte, dann kann ich doch nicht nachsehen, dass die Darsteller der Titelfiguren, Angelika Richter und Markus John, unter das Niveau gedrückt wurden, dass ich von ihnen kenne. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder, beide hatten am Donnerstag einen schlechten Abend, oder die Regie zwängte sie in ein Korsett, das ihnen nicht passte.

Jedenfalls blieb vor allem Markus John das schuldig, was ihn sonst zu meinem liebsten Kölner Ensemblemitglied macht: die Natürlichkeit. Wenn man John sonst jedes Wort abnimmt, als falle es ihm gerade beim Sprechen ein, dann hört man ihn als Kasimir den Text nicht gerade lieblos, aber doch etwas pflichtschuldig deklamieren. Spürt John die Figur des entlassenen Chauffeurs Kasimir nicht, die ihm doch wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint?

Angelika Richter tippelt als Karoline zwar leichtfüßig durch die Kulissen, wirkt aber immer eine Spur zu exaltiert, zu naiv, so dass sie nur in einer Szene kurz vor Schluss echte Tiefe zeigen kann.

Überhaupt schien mir, dass die Regie die Tragik, die Horváth nicht so sehr der Handlung als vielmehr den Charakteren mitgegeben hat, leichtfertig veschenkt – nicht zuletzt durch die alles zuklimpernde Band, die auf der Bühne steht und den Figuren keine Atempause lässt. Zu wenige Momente der Ruhe, der Besinnung, der Verzweiflung spürt man so, immer treibt das Fahrstuhlgedudel der Musiker die Handlung weiter. Das kann so gewollt sein, gefiel mir aber nicht.

So bleiben die wahren Höhepunkte drei Nebenfiguren vorbehalten: Lina Beckmann spielt Erna, die Freundin des Kleinkriminellen „Merkl Franz“ mit einer trotzigen, fast wütenden Naivität und Schicksalergebenheit. Den Merkl Franz selbst zeigt Carlo Ljubek bedrohlich lauernd als einen, aus dem jederzeit die rohe Gewalt ausbrechen kann. Und schlussendlich gibt es da noch den Landgerichtsdirektor Speer, aus dem Felix Vörtler den so liebenswerten wie bemitleidenswerten Clown der Aufführung macht.

Am Ende mäßiger Beifall. Warum für so eine durchschnittliche Inszenierung eine Koproduktion (mit dem NT Gent UND De Veenefabriek) angestrengt werden musste, erschloss sich mir zu keinem Zeitpunkt.

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