Fortuna Köln – SG Wattenscheid 09 1-3 (0-1)

Was für ein Wechselbad der Gefühle: Noch am Sonntag rief die Fortuna gegen einen der Ligafavoriten ihre beste Saisonleistung ab, taktisch meisterlich, kämpferisch eindrucksvoll. Gestern dagegen, nur vier Tage später, gab es gegen den Vorletzten der Liga eine debakulöse Leistung, eine unverständliche Taktik und eine verdiente Niederlage. Dass der Schiedsrichter eine unselige Rolle spielte, wird zwar erwähnt werden müssen, kann aber als Entschuldigung nicht alleine herhalten.

Sonnenuntergang über dem Südstadion

Zunächst muss nämlich gefragt werden, was Matthias Mink bewog, gegen eine der schlechtesten Ligamannschaften dieselbe Aufstellung zu wählen wie gegen den Aufstiegsfavoriten Germania Windeck. Gegen die hatte ich noch die Sondermaßnahme gelobt, mit drei Sechsern das Zentrum zu schließen und auf Konter zu spielen. Gegen Wattenscheid 09, die auswärts erst zwei Siege und nur rund 1 Tor pro Spiel hatten einfahren können, ist mir so eine Aufstellung allerdings völlig schleierhaft. Natürlich fehlten mit Cengiz Can und Abdelkader Maouel zwei wichtige Offensivkräfte. Aber was hätte dagegen gesprochen, beispielsweise Hamdi Dahmani wieder ins Zentrum zu stellen, Mario Schwarz auf links auflaufen zu lassen und Frank Schroden wieder auf seine Paradeposition in der Innenverteidigung zurückzuziehen?

So dagegen stand Schroden nicht mal auf einer echten Sechserposition sondern vor der Abwehr, Schmied und Ende gaben die Sechser (Ende bei Ballbesitz mit vielen Freiheiten und eigentlich sehr erfreulich beweglich) und Dahmani stürmte auf links: ein 4-1-4-1. Gegen Windeck hatte die Fortuna noch kontern dürfen, Wattenscheid dachte aber gar nicht daran, zu offensiv zu werden. Das Ergebnis war ein völlig unzureichender Spielaufbau, in dem sich auch nicht positiv bemerkbar machte, dass Nico Schmied gestern einen ganz, ganz schlimmen Tag erwischt hatte und sich mit lächerlichen Sohlentricks zu profilieren versuchte, anstatt klare Bälle nach vorne zu spielen. Ich hätte ihn spätestens zur Halbzeit ausgewechselt, eigentlich aber schon für den zweiten Übersteiger nach vielleicht 20 Minuten: Sowas gehört sich in der 5. Liga einfach nicht, und vor allem nicht dann, wenn man seit der 8. Minute zurückliegt und merkt, dass die Mannschaft nicht so recht ins Spiel findet.

Aber doch noch mal der Reihe nach. Die Aufstellung von Matthias Mink war identisch mit der vom Sonntag: Möllering – Venekamp, Marten, Jagusch, Beckers – Schroden, Schmied, Ende – Dahmani, Glaser – Kruth. Zusätzlich muss heute der Name eines weiteren Hauptakteurs genannt werden: Christian Erbs war der Mann an der Pfeife, die er gestern besser jemand anderem überlassen hätte.

Auflaufen der Mannschaften

Es begann in Minute 1: Ein Einwurf für die Fortuna, Beckers führt in Höhe des gegnerischen Strafraums aus, wirft den Ball in Richtung eigenes Tor – und der Schiri gibt falschen Einwurf. Das wird vermutlich sogar eine sachlich richtige Entscheidung gewesen sein, aber sie belegte sofort, dass Erbs sehr, sehr kleinlich pfeifen und sich selbst zu wichtig nehmen würde. Denn mal im Ernst: Warum muss man in der 1. Minute bei einer völlig harmlosen Szene eine überformale Entscheidung treffen? So wirkt man jedenfalls nicht beruhigend auf das Spiel ein. Das schien aber generell nicht Erbs‘ Stärke zu sein: Als ihm die Partie im weiteren Verlauf zu entgleiten drohte, tat er sich mit komplett überdramatischer und hektischer Gestik hervor, die seine fehlende Souveränität allzu deutlich machte.

Schiedsrichter Christian Erbs

Seinen ersten ganz großen Moment hatte der Schiedsrichter in Minute 8: Ein Ball wird auf rechts in den Fortuna-Strafraum gespielt, ein Wattenscheider sprintet hinterher, ein Fortune (Marten? Venekamp?) will abblocken und zum Abstoß klären, beide Spieler stürzen, alle drehen zur Ecke ab – bis auf Christian Erbs, der auf den Punkt zeigt: Elfmeter.

Damit war dem Spiel natürlich eine völlig andere Richtung angeboten worden: Wattenscheid konnte sich nun noch weiter zurückziehen, obwohl ich ihnen keineswegs vorwerfen kann, gemauert zu haben. Aber sie überließen der Fortuna den Ball – und die konnte mit dem nichts anfangen. Versuch um Versuch, einen Angriff einzuleiten, wurde von Nico Schmied oder Frank Schroden mit einem Rückpass auf Möllering abgebrochen. Und so unfassbar geschickt checkten die Wattenscheider nun auch nicht vor, als dass man ihnen attestieren könnte, diese Rückpässe erzwungen zu haben.

Matthias Mink reagierte schon in Minute 24 zum ersten Mal. Aber wie? Benjamin Venekamp musste gehen (oder war er doch verletzt?), für ihn kam Furucu – ohne nennenswerte Wirkung. Die einzig sinnvolle Maßnahme wäre eine offensivere Ausrichtung des Spiels gewesen: Schwarz für Schmied beispielsweise, der dem Spiel der Fortuna gestern erkennbar abträglich war. Warum Mink aber gegen die Mannschaft mit den zweitmeisten Gegentoren der Liga auf seiner Defensivtaktik beharrte? Unverständlich.

Tevfik Furucu macht sich bereit

Die Fortuna konnte bis zur Pause zwar ihre Ballbesitzstatistik ausbauen, aber auch keine wirklich gefährlichen Situationen mehr heraufbeschwören.

Unerträglich war allerdings auch, wie Wattenscheid ab dem Moment der Führung auf Zeit spielte. Immer wieder wurden Situationen, in denen die Fortuna den Ball gewonnen hatte, abgebrochen, weil sich irgendein ein Kohlenpöttler demonstrativ den ach so aua aua schlimm schmerzenden Knöchel rieb. Statt eine Behandlung in Anspruch zu nehmen, sprangen die Sportskameraden dann aber lieber wieder auf, wenn der drohende schnelle Gegenstoß der Fortuna auf diese Art und Weise erfolgreich unterbunden worden war. Besonders die schwarze 10 tat sich in dieser Hinsicht hervor. Unfair, aber wirkungsvoll.

Autschi autschi, hunki hunki!

Nach der Pause änderte sich das Spiel nicht (die Fortuna gurkte weiter inkompetent den Ball durch die Gegend), nur der Schiedsrichter kam zu seinen großen Auftritten, der erste davon in Minute 66. Käptn Glaser, dem wenig gelang und der schon leicht gefrustet wirkte, verlor im Mittelfeld den Ball und trat dem an ihm vorbeiziehenden Gegenspieler gegen den Knöchel. Ein klares Foul, gerechterweise auch eine gelbe Karte. Der Schiri zog allerdings glatt rot: Eine völlig überzogene Maßnahme, die der Härte des Fouls oder auch des keineswegs nickeligen Spiels in keiner Weise gerecht wurde.

11 Minuten später war dann Christian Beckers dran. Der schien im Vorbeilaufen etwas zum Schiedsrichter gesagt zu haben, dessen Pfiffe tatsächlich sehr einseitig verteilt waren. Jedenfalls unterbrach Erbs das Spiel und zeigte Beckers die zweite gelbe Karte des Abends, gelb-rot.

Mit neun Spielern war es nun schwierig für die Fortuna, die aber endlich Mut zu fassen schien und auf das Wattenscheider Tor drängte. In der 83. Minute schien die Partie vorbei, als ein Wattenscheider Konter zum 0-2 einschlug.

Wattenscheider Jubel nach dem 0-2

Doch fünf Minuten später zog Alex Ende unwiderstehlich in den Wattenscheider Strafraum, wurde von zwei gegnerischen Spielern bedrängt und zu Fall gebracht. Den fälligen Elfer verwandelte er selbst und läutete eine heiße Schlussphase ein.

Die Fortuna drückte Wattenscheid nun an deren eigene Strafraumgrenze zurück, und auch wenn die ganz großen Chancen ausblieben, so hätte doch jederzeit der Ausgleich fallen können.

In der vorletzten Minute der regulären Spielzeit aber versetzte Christopher Möllering seiner eigenen Mannschaft den Knockout. Einen Freistoß in Höhe der Mittellinie führte er aus, alle anderen Spieler waren im und um den Wattenscheider Strafraum versammelt. Alle Spieler? Nein, ein schwarzgekleideter Herr bildete eine Minimauer vor Mölle – und dieses einzige Hindernis im Umkreis von geschätzt 30 Metern traf Mölle mit seinem Freistoß. (Update: Glaubwürdigen, wenn auch parteiischen Augenzeugenberichten zufolge nahm der Wattenscheider bei der Abwehr des Freistoßes die Hände zuhilfe. Auf meinem Video kann man es erahnen. Dennoch: Der Ball muss deutlicher am Gegenspieler vorbei.) Den folgenden Konter versenkte Wattenscheid zur endgültigen Entscheidung: 1-3.

Kurz darauf beendete der Schlusspfiff ein aus Fortuna-Sicht desaströses Spiel. Der Schlusspunkt war das allerdings noch nicht, denn noch auf dem Feld sah Christopher Möllering nach dem Schlusspfiff die rote Karte. Er hatte sich beim wirklich übel und mit wenig Augenmaß leitenden Schiedsrichter mit dem Wort „Schweinerei“ beklagt. Ob das nach dem Ende der Partie zwingend noch eine rote Karte war und es nicht vielleicht auch eine gelbe getan hätte? Immerhin war der Schiedsrichter nicht direkt persönlich beleidigt worden.

Mölle: "Das ist doch ne Schweinerei".

Erbs steckt die Rote weg

So passte es aber, dass nach Can in den nächsten Wochen nun auch der Mannschaftskapitän und der Torwart fehlen werden. Wenn man verfolgt, wie großzügig in der Liga gesperrt wird, dann ahnt man, dass es ab sofort für die Fortuna nur noch darum gehen kann, wenigstens das Saisonziel Platz 6 zu retten. Das wird schwer genug werden, alleine aus Motivationssicht heraus. Rein sportlich ist der Aufstiegszug nämlich endgültig abgefahren: 10 Punkte Rückstand, ein Spiel mehr und noch 10 Partien zu spielen. Wenn da vorne nicht noch zwei oder drei Mannschaften komplett einbrechen, wird Rang zwei nicht mehr erreichbar sein.

Allerdings wäre denkbar, dass Spitzenreiter Wiedenbrück aus wirtschaftlichen Gründen nicht aufsteigen möchte, dass Windeck die Lizenz verwehrt wird und dass auch Bielefeld II auf den Aufstieg verzichtet. Und dann gälte es nur noch zwei Mannschaften zu überholen.

Doch mit den schwankenden Leistungen dieser Saison ist die Fortuna mit einem Platz im oberen Mittelfeld wirklich fair bedient.

So blieb es einem Fan vorbehalten, für den Höhepunkt des Abends zu sorgen: War es die Einlösung einer Wette? Jedenfalls flitze Sportfreund veeni nach der Partie plötzlich über die Tartanbahn, nur mit der Unterhose bekleidet, feierte kurz mit den Wattenscheider Spielern zusammen und ließ sich wieder im Block angekommen zu Recht feiern. Wenigstens einer, der gestern seine Leistung brachte!

Südstadion nach dem Abendspiel

Südstadion nach dem Abendspiel

Südstadion nach dem Abendspiel

P.S.: Die offiziellen Fotos von palim auf Flickr.

P.P.S.: Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

P.P.P.S.: Das DFC-Mitglied und Fortuna-Fan fortuna73 hat ein paar Zitate von Spielen gesammelt, in denen Schiedsrichter Erbs in der Vergangenheit ähnlich aufgefallen war wie gestern. Ich zitiere:

Spätestens seit der Partie in Hamm hätten alle Beteiligten wissen müssen, welch „lustiger“ Geselle da an der Pfeife steht.
In unserer Hinrundenpartie in Hamm stellte Herr Erbs innerhalb von 7 Minuten 3 Hammer Spieler vom Platz.
Nicht die einzige Begegnung in der Herr Erbs im Mittelpunkt des Geschehens stand.
Beispiele…….
In der Partie SW Essen gegen Westfalia Herne spielte eben dieser Herr Erbs ebenfalls eine unrühmliche Rolle.
In der 80. Minute dieser Begegnung gab er ein reguläres Tor für Herne nicht.
Später zitierten gleich mehrere SCW-Spieler den Unparteiischen so: „Das war kein Abseits, aber mein Assistent hatte ja die Fahne oben.” Haben sich die Strünkeder vielleicht auch Erbs‘ Ausspruch „Hau ab und halt die Fresse” nur ausgedacht? Die Stimmung auf dem Platz war jedenfalls nicht die beste. Und als Nils Eisen, der in Halbzeit eins bereits Gelb gesehen hatte, in der 85. Minute nach einem Allerweltsfoul mit der Ampelkarte vom Feld geschickt wurde, brodelte es auf der Westfalia-Bank. Trainer Frank Schulz drehte sich zu seinen Jungs, ermahnte zu Ruhe – und wurde von Erbs auf die Tribüne geschickt. Co-Trainer Horst Albert ließ diese Aktion nicht unkommentiert und durfte gleich hinterher.
Quelle: blogs.myspace.com/westfaliaherne

Im Jahre 2007 stellte Herr Erbs in der  Begegnung der Oberliga Nordrhein zwischen Velbert und Homberg innerhalb von 35 Minuten 4 Homberger Spiele mit der Ampelkarte vom Platz.  Auf der  Gegenseite sahr ein Velberter Spiele bei einer tätlichkeit allerdinmgs nur die gelbe Karte.
Quelle: RS-Online

Auch in der Regionalligapartie  Lotte gegen Schalke erwischte Herr Erbs wohl nicht seinen Sahnetag.
Trainer Maik Walpurgis war aber auch von der Leistung des Schiedsrichter Christian Erbs (Neuss) nicht sonderlich angetan: „Ich bin kein Freund davon, es am Schiedsrichter festzumachen und sich nach einer Niederlage dann darüber zu beschweren. Aber wir hätten insgesamt mindestens acht Freistöße mehr bekommen müssen, und da waren ganz entscheidende Situationen dabei. Insofern hatte der Schiedsrichter meiner Meinung nach sicherlich nicht seinen besten Tag erwischt.“
Quelle: Neue OZ online

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2 Gedanken zu “Fortuna Köln – SG Wattenscheid 09 1-3 (0-1)

  1. Joe schreibt:

    Na prima. Das sind ja tolle Vorraussetzungen für uns in Siegen. Die Wattenscheid am Montag „serviert“ bekommen.
    Im ABSTIEGSKAMPF -.- . Und das mit einem Millionen-Etat und als Aufstiegsfavourit. Ich möchte weinen.

  2. Tut mir leid, ich hätte euch in diesem Fall mit einem Sieg auch lieber geholfen. Aber ganz ehrlich;: Am liebsten wär’s mir, wenn weder deine Sportfreunde noch die SGW absteigen. So viel Sentimentalität darf dann doch sein.

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