Fortuna Köln – Rot-Weiß Essen II 1-1

Der erste richtige Frühsommertag des Jahres: 24°, Sonne, leichte Wolken, kaum ein Wind. Es wäre eine wunderbare Gelegenheit für die Fortuna gewesen, die nur rund 400 im Südstadion erschienenen, aber vermutlich hartnäckigsten ihrer Fans zu versöhnen, die zuletzt in vier Spielen nur einen einzigen Punkt hatten bejubeln dürfen.

Das Südstadion im Frühsommer

Soviel vorweg: Die Chance wurde vergeben. Vielmehr verstärkte sich der Eindruck, dass dieser Mannschaft aller Schwung abhanden gekommen ist. Was heute im Südstadion geboten wurde, das war entspannter, zielloser Sommerfußball – seltsamerweise auch von den abstiegsbedrohten Gästen, von denen man eigentlich doch erwartet hätte, etwas Biss in die Partie zu bringen.

Das größte Rätsel gab mir jedoch nicht die Einstellung auf, sondern die Taktik. Vielleicht liegt es daran, dass ich kein Trainer bin, aber ich konnte heute nicht erkennen, wer bei der Fortuna in der Offensive den rechten Flügel besetzte. Oft stand dort Tevfik Furucu, der aber im Wesentlichen den rechten Außenverteidiger gab. Bei seinen Vorstößen sicherte ihn Alex Ende ab, der sich dann von der Sechserposition nach rechts hinten fallen ließ. Ab und an wichen Hamdi Dahmani, eigentlich zweiter Sechser, Abdelkader Maouel, eigentlich als 10er unterweg, oder einer der beiden Stürmer auf den rechten Flügel aus. Oft war die Position aber auch einfach unbesetzt, so dass es ein paar Mal zu groben Fehlpässen kam.

Im Wesentlichen schien mir das nämlich ein 4-2-2-2 zu sein, das Matthias Mink aufgeboten hatte, oder was wenigstens die Mannschaft auf’s Feld brachte: Möllering – Venekamp, Marten, Schroden, Furucu – Ende, Dahmani – Maouel, Schwarz – Kruth, Can. Im DFC-Liveticker versuchte Burkhard Mathiak die Formation als 4-4-2 mit Raute zu erklären, angeblich mit Dahmani links und Schwarz rechts. Ich saß in Halbzeit eins auf der linken Angriffsseite der Fortuna: Hamdi Dahmani kam mir nie näher als geschätzte 50 Meter, während Mario Schwarz und auch Abdelkader Maouel sich deutlich öfter blicken ließen. Zwischen allen Angreifern gab es aber zahlreiche Positionswechsel, und es machte fast den Eindruck, als hätte die Mannschaft entweder die taktischen Anweisungen des Trainers nicht verstanden, als hätte sie auf dem Feld die Orientierung komplett verloren oder als wäre das taktische Konzept irgendwie anders missraten.

Auflaufen der Mannschaften

Im Ergebnis von unzureichend besetzten Positionen und fortwährenden Positionswechseln ergab sich jedenfalls ein Spiel, in dem der Aufbau der Fortuna erkennbar „auf Sicht“ gespielt wurde: Besonders Ende und Dahmani wussten nicht, wo ihre Anspielstationen waren, sondern sie mussten sie erst sichten, um einen Pass zu spielen. So konnte das nur ergeben, was in beiden Halbzeiten zu beobachten war: Ein müder Kick mit viel zu niedriger Passquote.

Und da die zweite Mannschaft von RWE ihren 13. Tabellenplatz anscheinend zu Recht einnimmt, ergab sich ein Spiel, bei dem die Zuschauer sich nur über das Wetter freuen konnten.

Traumwetter

Spielerische Höhepunkte waren rar. Zu Beginn der Partie konnte der aus seiner langen Sperre zurückgekehrte Can noch ein paar Akzente setzen, gleich zu Beginn wurde ein Schuss von ihm nur so eben noch von einem Essener Defensivfuß abgeblockt. Mit zunehmender Spielddauer verpuffte aber auch Cans Wirkung, zumal kaum Anspiele aus dem Mittelfeld kamen, das viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt war.

Cengiz Can

Die Führung der Fortuna konnte entsprechend fast nur aus einem Standard fallen: Ein schön angeschnittener Freistoß von Benjamin Venekamp dreht sich in Richtung Fünfmeter-Eck, Kevin Kruth sprintet in den Ball und hält den Kopf hin: 1-0 neben dem kurzen Pfosten.

Das 1-0 durch Kevin Kruth

Jubel nach dem 1-0

Unmittelbar danach pfiff der sichere Schiedsrichter, der mit dem Spiel aber auch wenig Mühe hatte, zur Pause.

Die Erwartung war, dass die Fortuna, nun von der Pflicht entbunden, das Spiel zu machen, gegen offensiver antretende Essener mit Kruth und Can erfolgreich würde kontern können. Weit gefehlt. Die Fortuna musste weiter nach vorne spielen, weil Essen nicht daran dachte, zu stürmen. Und zu allem Überfluss ließ sich Köln von den Essener mit einem allerdings sehr gut gespielten Angriff auskontern: Als die Kölner Verteidiger sich eigentlich gerade wieder formiert hatten, verlagerte Essen das Spiel mit einem schnellen, präzise gespielten Ball auf den linken Flügel, die Kölner Abwehr schob hektisch hinterher, während Dirk Caspers, in der nächsten Saison in Diensten der Fortuna, jedoch genug Zeit hatte, um den Ball technisch sauber anzunehmen und sofort präzise und flach hinter der Abwehr entlang an den langen Pfosten zu flanken, wo der durchgestartete Lukas Lenz keine Mühe hatte, zum 1-1 einzuschieben. Respekt: Genau so spielt man eine verschiebende Viererkette aus.

Essener Jubel nach dem 1-1

Über den Rest des Spiels könnten wir den Mantel des Schweigens betten, hätte nicht Mario Schwarz noch eine 100%ige Chance vergeben, als er frei von halblinks auf den Essener Torwart zulief und an ihm scheiterte. Ansonsten nur noch erwähnenswert, dass Alex Ende für seine zahlreichen Fernschussversuche heute wenig Zielwasser getrunken hatte. Einmal traf er immerhin einen Gegenspieler, der kurz behandelt werden musste.

Ansonsten war das eine zwar nicht leb-, aber doch lustlose, jedenfalls konfuse und im Ergebnis einschäfernde Leistung der Fortuna. Es war nie eine Linie im Spiel zu erkennen, ebensowenig war zu spüren, dass die Mannschaft unbedingt gewinnen wollte. Sie war zwar dauerhaft feldüberlegen und nie in der Gefahr zu verlieren, aber das genügt gegen einen so harmlosen Gegner nicht, wie es RWE an diesem Nachmittag war.

Durch das Unentschieden ist nun auch der 6. Tabellenplatz futsch, der als Saisonziel ausgegeben war. Und wenn der Fortuna die drei Punkte sowie die geschossenen Tore vom Sieg gegen Hüls auch in der zweiten Instanz aberkannt werden, dann findet man sich unversehens auf dem 10. Tabellenplatz wieder. [Danke für den Hinweis auf die Tore, wumpi!] Das ist für die Fähigkeiten, die diese Mannschaft hat, eindeutig zu wenig. Allerdings kann man mit so schwankenden Leistungen auch nicht mehr erreichen. Es bleibt viel zu tun, um verbleibenden immerhin sechs Partien noch zu einem würdigen Ende zu bringen und nicht am Ende sogar noch nach unten schauen zu müssen.

Diskussionen nach dem Schlusspfiff

Diskussionen nach dem Schlusspfiff

Diskussionen nach dem Schlusspfiff

Und dann ist aller Frust vergessen

Südstadion nach dem Spiel

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

Die offiziellen Fotos von palim auf Flickr.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Fortuna Köln – Rot-Weiß Essen II 1-1

  1. wumpi schreibt:

    Wieder sehr guter und objektiver Bericht. Danke dafür!

    Kleine Korrektur: wenn die drei Punkte abgezogen werden werden auch fünf Tore abgezogen (aus 3:0 mach 0:2) – dann sind wir nicht 9., sondern sogar nur 10.! X(

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s