Fortuna Köln – Arminia Bielefeld II 0-3

Ich könnte es mir leicht machen und dem geneigten Leser einfach empfehlen, meine Spielberichte der letzten Heimspiele zu lesen, darin den Gegner und das Ergebnis von heute zu ersetzen, die Anmerkungen über das Spiel und die aus der Mannschaft gelassene Luft aber weiterhin zu beachten. Bis auf mindestens 80% könnte man sich so der Wahrheit auch des Spiels gegen Arminia Bielefeld II nähern: Wieder ein kraftloser, manchmal lustloser Auftritt der Fortuna, wieder ein Gegner, der seine Chancen entschlossener suchte und auch nutzte.

Wobei der Fairness halber gesagt werden muss, dass diese Einschätzung hauptsächlich für die zweite Halbzeit der heutigen Partie gilt. In der ersten Halbzeit zeigte sich die Fortuna verbessert, hätte auch verdientermaßen in Führung gehen können. Aber der Reihe nach.

Auflaufen der Mannschaften

Die Fortuna lief mal wieder im Minkschen 4-2-3-1 auf, wobei das, Tribünengerüchten zufolge, dieses Mal der Tatsache geschuldet war, dass Cengiz Can zu spät zum Aufwärmen erschienen war und schon aus disziplinarischen Gründen nicht in der Startelf auflaufen konnte. Der kurzfristig verletzte Kapitän Glaser wurde nicht wie zuletzt von Nuno Sanches ersetzt, sondern von Mario Schwarz, Hamdi Dahmani begann mal wieder auf links, also liefen diese elf Spieler auf: Möllering – Venekamp, Schroden, Marten, Furucu – Schmied, Ende – Schwarz, Maouel, Dahmani – Kruth.

Stretchmaster Cengiz

Fortuna war von Beginn an feldüberlegen, und auch gute Chancen sprangen heraus: An einer gut geschlagenen Halbfeldflanke sprangen drei Fortunen vorbei (5), einen sich gefährlich senkenden Distanzschuss von Schmied konnte der Bielefelder Keeper nur mit den Fingerspitzen noch an die Latte lenken (25.), einen Freistoß verpassten wiederum mehrere Kölner im Strafraum (32.). Die junge Bielefelder Mannschaft machte den Eindruck, als wolle sie sich das alles mal in Ruhe anschauen und, solange nicht Entscheidendes passierte, erst mal ein paar Schlüsse ziehen.

Die Konsequenz war dann ab Minute 35 zu sehen: Bielefeld spielt entschlossener nach vorne, kam zu nun auch zu guten Möglichkeiten. Ein Distanzschuss pfoff noch knapp am entfernten Torgiebel vorbei, doch eine Minute vor dem Halbzeitzeitpfiff war alles zu spät: Ein Freistoß aus der rechten Mitte der Kölner Hälfte schlug Bielefeld in den Strafraum, dort wurde er mit dem Kopf verlängert, ein Angreifer stand frei vor dem Tor, traf nur die Latte, doch den Abpraller verwertete ein Mannschaftskamerad endlich zum 1-0.

Bielefelder Jubel nach dem 0-1

In der Pause wechselte Matthias Mink Cengiz Can nun doch ein, nahm dafür Mario Schwarz heraus. Erfolg konnte diese Maßnahme aber nicht mehr zeigen, weil nur fünf Minuten nach der Pause Bielefeld aus dem Mittelfeld einen Steilpass auf den durchgestarteten linken Außenverteidiger spielte, der zog frei auf Möllerings Tor zu und schob souverän zum vorentscheidenden 2-0 ein.

Bielefelder Jubel nach dem 0-2

Über den weiteren Verlauf der zweiten Halbzeit kann man den Mantel des Schweigens legen: Die Fortuna brachte keinen vernünftigen Spielzug mehr zustande, was sich am deutlichsten vielleicht daran zeigte, dass selbst Kevin Kruth einen (nicht mal ungefährlichen) Weitschuss ansetzen musste, anstatt wie gewohnt mit Zuspielen gefüttert zu werden. Cengiz Can gab sich mehrfach verärgert, war selbst aber auch in manchen Situationen zu eigensinnig. Es ergab sich bis auf einen weiten Freistoß, den Lars Marten am langen Pfosten direkt nahm aber vorbei setzte, keine gute Torchance mehr für die Fortuna. Das Aufbauspiel wurde von Bielefeld erstickt, die Fehlpässe häuften sich, der letzte Wille war nicht erkennbar.

Cengiz will den Ball

Unterm Strich war es ein einschläferndes Bild des Elends, aus dem erst das 3-0 der Bielefelder aufschrecken konnte: Ein guter Diagonalpass auf den rechten Flügel, eine scharfe Hereingabe an den kurzen Pfosten, eine Direktabnahme und die endgültige Entscheidung in der 85. Minute.

Bielefelder Jubel nach dem 0-3

Bielefeld zeigte alle Qualitäten, die ein Aufsteiger aus der Oberliga haben muss: Eine engagierte, bewegliche Defensive, ein klares Spiel in die Spitze, schnellfüßige Abnehmer für Diagonalpässe auf die Flügel und vor allem eine konsequente Chancenverwertung. Insofern war das für die Fortuna, die für das nächste Jahr den Aufstieg als unmissverständliches Ziel ausgegeben hat, kostenloser, wenn auch im sportlichen Ergebnis bitterer Anschauungsunterricht.

Und eins ist inzwischen auch klar: Das selbstgesteckte Saisonziel Platz 6 kann die Fortuna kaum noch erreichen. Es sind zwar noch vier Spiele zu spielen, aber sieben Punkte Rückstand auf Rang 6 ließen sich wohl nur mit einer Siegesserie noch aufholen, auf die zu hoffen die Mannschaft derzeit keinen Anlass gibt. Besonders ärgerlich: Mit der heutigen Niederlage hat die Fortuna bis auf weiteres eine negative Saisonbilanz, eine Niederlage mehr als Siege eingefahren.

Das nächste Heimspiel, schon am nächsten Sonntag gegen die zweite Mannschaft des MSV, wird mein letztes für diese Saison sein, anschließend bin ich im Urlaub. Und ehrlich gesagt: Nach den deprimierenden letzten Spielen bin ich froh, wenn es vorbei ist.

Meine Fotos vom Spiel: http://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-taken/2010/05/09/detail/
Und die offiziellen Fotos von palim: http://www.flickr.com/photos/palimphoto/sets/72157624025164470/

Da hätte der Ball reingemusst

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4 Gedanken zu “Fortuna Köln – Arminia Bielefeld II 0-3

  1. laflue schreibt:

    Einen Abstieg dieses Jahr halte ich genauso für ausgeschlossen, wie ein Aufstieg für das nächste Jahr. Es sei denn es ändert sich etwas signifikantes in der Spielkultur der Mannschaft. Neue Impulse könnten durch die Neuzugängen gesetzt werden, aber auch das bewerte ich eher kritisch, da auch die Anfangsfeuer der letzten Neuzugänge schnell erloschen sind.

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