DerenFussballClub: Wie DFC den SC Fortuna Köln spaltet

(Achtung: Laaaanges Posting!)

Am 3. April 2008 startete Deinfussballclub (DFC): Ein kommerzielles Projekt, das es sich auf die Fahnen geschrieben hatte, Fußballfans gegen Zahlung einer Mitgliedsgebühr zu ermöglichen, den traditionsreichen SC Fortuna Köln als „Co-Trainer“ und „Co-Manager“ in eine hoffentlich bessere und höherklassige Zukunft zu führen. Nicht zuletzt die eingenommenen Mitgliedsbeiträge sollten dazu beitragen, der Fortuna einen Wettbewerbsvorsprung vor der Konkurrenz zu verschaffen. Vor gut einem Jahr wurde der Plan mit der Gründung der Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft mbH (SBG) dingfest gemacht, an der der Verein mit 51% beteiligt ist, die Deinfussballclub GmbH mit 49%.

Inzwischen ist die zweite Saison mit DFC fast vorbei: Zeit für ein weiteres Fazit, nachdem ich bereits zu Beginn dieser Saison einen kritischen Blick auf die Entwicklung des Projekts geworfen hatte. Damals sagte mir Burkhard Mathiak, neben Geschäftsführer Dirk Daniel Stoeveken einer der beiden operativen Köpfe von DFC: Man wisse, dass man einige Dinge noch besser machen müsse, man nehme aber auch Kritik an und lerne jeden Tag hinzu. Ein Versprechen, das seitdem nicht mit Leben gefüllt wurde.

The great divide

Tatsächlich ist der Graben zwischen der DFC-Leitung und den Fans während der letzten Monate eher breiter geworden, wobei DFC sogar einen Zweifrontenkrieg führt. Da sind zum einen die im Forum aktivsten DFC-Mitglieder, die oft auch die kritischsten sind: Sie fordern von der Leitung die versprochene Transparenz und die Möglichkeit zur gestaltenden Einflussnahme als Co-Trainer und -Manager so unermüdlich wie erfolglos ein. Immer mehr wenden sich enttäuscht ab, neue kommen nicht nach: Die Mitgliederzahlen sind rückläufig.

Und da ist zum anderen die alteingesessene Fortuna-Fangemeinde, die DFC zu großen Teilen kritisch gegenübersteht. Insbesondere taten sich einige Fanblockbesucher von Beginn an schwer damit, den Einfluss, den sie in einem kleinen Verein wie dem SC Fortuna Köln durch den persönlichen Kontakt mit Vereinsverantwortlichen auf die Entwicklung des Clubs nehmen konnten, mit den Machern eines aus dem Nichts gekommen  Projekts und mit „Konsumfans“ aus aller Herren Ländern zu teilen. Immerhin diese Sorge war unbegründet – denn tatsächlich nehmen inzwischen weder die Altfans noch die DFC-Mitglieder echten Einfluss auf die Entwicklung der Fortuna.

Kein Anspruch, keine Wirklichkeit

Doch war es nicht genau das zentrale Versprechen von Deinfussballclub gewesen, seinen Mitgliedern ein reales Managerspiel zu bieten, sie sportliche und wirtschaftliche Entscheidungen treffen zu lassen, ihnen das „Management eines echten Fußballteams“ zu ermöglichen? Von diesem Versprechen ist im Alltag von DFC wenig übrig geblieben. Bereits zum Start vor zwei Jahren hatten Kritiker darauf aufmerksam gemacht, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen den DFC-Mitgliedern keine Rechte einräumen, außer an Abstimmungen teilnehmen zu dürfen. Ob oder welche Entscheidungen aber überhaupt zur Abstimmung kommen, ist ebenso wenig verbindlich geregelt wie die Frage, ob die DFC GmbH sich dem Ergebnis einer Mitgliederabstimmung eigentlich unterwerfen muss. De jure haben die DFC-Mitglieder also nur das Recht, dabei zu sein.

Optimisten wie ich waren der Ansicht, dass es sich DFC trotz der AGB de facto nicht würde leisten können, das implizit (und über die Werbung auch explizit) gegebene Versprechen zu ignorieren, seinen Kunden echte Mitbestimmung anzubieten. Was ich nicht ahnte war, dass DFC bis vor kurzem kein Versprechen würde brechen müssen, um dennoch nahezu unbehelligt von seinen Kunden den Verein nach Gutdünken umzugestalten. Die überwiegende Mehrzahl der Mitglieder stimmt nämlich ohnehin bei jeder Abstimmung im Sinne von DFC. Ob diese breite Zustimmung tatsächlich auf Grundlage fundierter und informierter Entscheidungen zustande kommt, oder ob sie das Votum kritikloser Jubelperser ist, wird zwar unter den kritischen DFC-Mitgliedern heiß diskutiert, spielt aber letztlich keine Rolle, wenn man eine pluralistische und demokratische Entscheidungsfindung als Basis von DFC akzeptiert: Jeder Abstimmungsklick ist gleich viel wert, egal ob er mutmaßlich informiert ist oder nicht.

DFC steuert die Abstimmungen dabei durchaus geschickt. Die Meinung der Leitung ist jedenfalls immer deutlich zu spüren, manchmal werden Abstimmungstexte tendenziös verändert: So wurde beispielsweise aus dem Mitgliederantrag, Jens Nowotny seinen Job als sportlicher Berater von DFC zu kündigen, die Abstimmungsfrage, ob Nowotny bleiben soll. Personalien werden immer erst dann zur Abstimmung gegeben, wenn der Vertrag bereits verhandelt ist und nur noch von der Zustimmung der Mitglieder abhängt. Eine offene Frage, ob mit Spieler X oder Trainer Y in Verhandlungen überhaupt eingetreten werden soll, wird man bei DFC nicht erleben. Das ist nicht illegitim, doch es lässt die Absicht klar erkennen, das Votum der Mitglieder mit der Kraft des Fast-schon-Faktischen zu lenken.

Die Ohnmacht der Sieger: Wie DFC mit unliebsamen Mitgliedervoten umgeht

Wie wenig tief die basisdemokratische Gesinnung jedoch wirklich im Herzen der DFC-Macher wurzelt, wird immer dann offenbar, wenn ihnen ein Abstimmungsergebnis ausnahmsweise mal nicht in den Kram passt. Das kommt zwar selten genug vor, das Verhaltensmuster ist aber immer dasselbe: Man stellt sich tot und versucht erst einmal, das Thema auszusitzen, ohne zu handeln. Beispielsweise hatten die Fans in einem Überraschungscoup zur Abstimmung gebracht und entschieden, dass der Vertrag des Stadion-Caterers gekündigt werden soll. Diese Kündigung kann zwar frühestens zum Jahr 2012 erfolgen, aber die DFC-Leitung unterschätzte die Stimmung der Community und die Unzufriedenheit mit den Leistungen an den Wurst- und Bierständen, ließ die Abstimmung ohne nennenswertes eigenes Engagement im Forum laufen – und sah sich unerwartet damit konfrontiert, einem von ihr geschätzten Geschäftspartner kündigen zu sollen. Wochen nach der Abstimmung fragten Mitglieder im Forum nach, ob die Kündigung erfolgt sei? Antwort: Der Anwalt formuliere noch am Schreiben. Warum die Geschäftsführung einer GmbH bei der einfachen Kündigung eines befristeten Vertrags anwaltlichen Beistand braucht, wurde zwar nicht deutlich, aber mit der Antwort brachte DFC die lästigen Nachfragen vorläufig zum Schweigen. Erst als die Mitglieder fast vier Monate nach Abstimmungsende erneut nachfragten, trat Geschäftsführer Stoeveken im Forum auf und versicherte, die Kündigung sei gemäß der Abstimmung erfolgt. Die Tatsache, dass das eigentliche Schreiben bis heute nicht präsentiert wurde, ließ bei manchen Mitgliedern einen Restzweifel bestehen, ob die Kündigung denn wirklich gemäß dem Votum erfolgte und nicht DFC vielmehr darauf hofft, dass die Abstimmung bis zum Wirksamwerden der Kündigung wieder vergessen sein könnte.

Auch eine andere, vergleichsweise harmlose Abstimmung wurde von DFC zunächst ignoriert: Die Mitglieder beschlossen, dass der Standort der Kamera auf die Gegengerade verlegt werden soll, mit der jedes Spiel der Fortuna live für die DFC-Mitglieder gestreamt wird. Der Beschluss war bereits Anfang Dezember gefasst worden. Im April fragten Mitglieder nach, warum er eigentlich in den Heimspielen der Rückrunde nicht umgesetzt worden war? Antwort: Das Wetter sei zu schlecht gewesen, man habe schließlich auf der Gegengerade keine Überdachung. Das ist sogar richtig, aber das Abstimmungsergebnis war nicht gewesen, den Kamerastandort nur bei gutem Wetter zu wechseln. Zeit zur Vorbereitung hätte DFC ebenfalls monateweise gehabt, und eine aktive Kommunikation der DFC-Leitung, dass es (vielleicht sogar nachvollziehbare) Probleme bei der Umsetzung des Beschlusses gebe, hatte es nicht gegeben. Für das letzte Heimspiel der Saison wird nun möglicherweise doch noch ein Gerüst aufgebaut werden.

So verfestigt sich Abstimmung für Abstimmung der Eindruck, dass von der DFC-Leitung nur solche Mitgliederbeschlüsse aktiv umgesetzt werden, mit denen sie selbst einverstanden ist. Und die Abstimmungsgewinner sehen ohnmächtig, wie ihre schönen Siege ins Handlungsvakuum verdunsten.

Änderung bestehender Abstimmungsergebnisse: Die letzten Tabus fallen

Doch was soll die Leitung tun, wenn sie eine bereits getroffene Entscheidung ändern will? Ganz einfach: Die nächste Stufe der Ignoranz betreten und versuchen, den Mitgliedern diese Änderung möglichst unbemerkt unterzujubeln. Die DFC-Mitglieder hatten zur Transparenz von Spielergehälter bereits vor langer Zeit beschlossen, dass ihnen bei Abstimmungen über Vertragsabschlüsse zwar nicht die exakten Gehälter genannt werden sollten, wohl aber die Einstufung des Spielers in eine von vier Gehaltskategorien, deren oberste mit „1.500 – 2.500 €“ beziffert war. Vor kurzem fiel auf, dass die mit sportlichen Begriffen benannten Kategorien („Stammspieler“, „Führungsspieler“…)  keineswegs nur die sportliche Einschätzung des Spielers durch DFC wiedergaben, sondern dass auch steuerliche Aspekte wie die Länge der Anreise dazu führen konnten, dass ein Spieler zum Beispiel von der Stammspieler- in die Führungsspielerkategorie rutschte. Auf die Forderungen nach einer besseren Benennung der Kategorien spulte die DFC-Leitung zunächst das komplette, abgestufte Standardprogramm ab: Erst wird das Problem geleugnet, dann wird es als irrelevant dargestellt und schließlich wird behauptet, dass die Lage allen hätte klar sein müssen.

Irgendwann jedoch schien DFC auf die nicht nachlassenden Proteste einzugehen: Okay, man werde die Gehaltskategorien umbenennen; ab sofort heiße die unterste Kategorie von 1 – 400 € Gehalt einfach nur „1“, und die oberste Kategorie „4“ sei für Spieler mit einer Entlohnung ab 1.500 € vorgesehen. Alles schien in Ordnung, bis Mitglieder nachfragten, ob denn die ehemals beschlossene Obergrenze von 2.500 € bei der Umbenennung der obersten Kategorie nur anzugeben vergessen worden sei? Keineswegs, antwortete DFC, man habe sich entschieden, diese Obergrenze aufzugeben, um möglicherweise auch höhere Gehälter zahlen zu können.

Diese inhaltlich wesentliche Änderung war also mit voller Absicht in einer Mitteilung verborgen worden, die scheinbar nur eine reine Umbenennung der Gehaltskategorien kommunizieren sollte. Dass diese „Entscheidung“ nicht nur den Wortlaut sondern auch den Sinn der alten Mitgliederabstimmung ignorierte, nämlich zum einen niedrige Grundgehälter und hohe Punkteprämien zu zahlen und zum anderen den „Co-Managern“ eine Einschätzung der Spielergehälter zu ermöglichen, störte bei DFC offensichtlich niemanden. Erst auf weiteren, massiven Protest im Forum lenkte DFC ein: Man werde vor der nächsten Abstimmung, die diese Kategorie betrifft, „eine Lösung“ präsentieren. Dieses Versprechen ist nun zwei Wochen alt, und auch wenn es seitdem noch keine Abstimmung zu einem Spieler der Gehaltskategorie 4 gab, würde man sich angesichts der Wichtigkeit des Vorganges wünschen, dass hier schon lange Klarheit geschaffen worden wäre.

An diesem Beispiel wurde jedenfalls endgültig augenscheinlich, dass die DFC-Leitung die Mitglieder nur noch als störend wahrnimmt: Viel lieber würde man ohne die lästigen Abstimmungen durchregieren. Abstimmungen werden tendenziös vorbereitet, unwillkommene Entscheidungen werden ignoriert und Änderungen bereits getroffener Entscheidungen versucht man den Mitgliedern so unterzuschieben, dass die es nicht bemerken.

Tabus scheint es nicht mehr zu geben bei dem Bedürfnis, Fortuna ohne die Mitglieder zu führen, und das hat Auswirkungen: An der vielleicht wichtigsten Abstimmung der letzten Jahre, der Vertragsverlängerung mit dem umstrittenen Trainer Matthias Mink, nahmen gerade mal 1.000 der 8.000 aktiven DFC-Mitglieder teil. Dagegen ist jede Presbyteriumswahl ein Demokratiefest.

Lässt der Hund zu, dass der Schwanz mit ihm wackelt?

Allerdings: Bis zu einem gewissen Grad ist dieses Verhalten sogar verständlich. Denn hatte man bei DFC ursprünglich geplant, mit 30.000 Mitgliedern zu starten, was der Spielbetriebsgesellschaft nach Abzug von Veraltungskosten und Mehrwertsteuer satte 750.000 € Budget verschafft hätte, kann man bei den mittlerweile verbliebenen rund 8.000 Mitgliedern nur etwa 200.000 € einplanen. Dieser Betrag ist aber bei weitem nicht genug, um der Fortuna in der NRW-Liga einen relevanten Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen: Um halbwegs sicher in die Regionalliga aufzusteigen benötigt man einen Etat von über 1 Mio. Euro. Die Investoren hinter DFC hatten aber bereits hohe Anlaufkosten des Projekts, mussten zwei Jahre lang ihr Personal finanzieren, eine Website aufbauen und deren Betrieb sicherstellen – und zuletzt das Stammkapital der Spielbetriebsgesellschaft auf 1 Mio. Euro aufstocken; diese Auflage macht der DFB allen Regionalligisten. Warum also sollte die DFC GmbH sich mit ihren Entscheidungen noch länger nach 8.000 potenziell unberechenbaren Mitgliedern richten wollen, die doch bestenfalls 20% des NRW-Liga-Etats beisteuern – von der Regionalliga ganz zu schweigen?

Denn falls nächstes Jahr tatsächlich der offiziell angestrebte Aufstieg gelänge, müsste das Budget wohl eher in der Ecke von 5 Mio. € liegen: Eine Summe, für die man die etwa zehnfache Zahl von Mitgliedern bräuchte, um einen relevanten Anteil über Beiträge zu erwirtschaften. Das ist aber ausgeschlossen, wir reden immer noch von Fortuna Köln. Der Einfluss der DFC-Mitglieder auf die Entwicklung der Fortuna wird tendenziell also eher sinken, der Einfluss der Investoren aus dem Hintergrund und der Sponsoren eher wachsen.

Auch der Stammverein, der nominell immer noch mehrheitliche 51% an der Spielbetriebsgesellschaft mbH hält, hat schon länger keinen Einfluss mehr auf das Management seiner ersten Herrenmannschaft: Bei den aktuell laufenden Vertragsgesprächen für die nächste Saison waren Vertreter des Vereins nicht mal mehr anwesend. Auch das ist aus finanzieller Sicht nur folgerichtig, denn die 975.000 €, mit denen das Grundkapital der SBG aufgestockt wurde, kamen ausschließlich von Investoren hinter DFC; der notorisch klamme Verein steuerte keinen Cent bei. Zwar verzichtete DFC rein rechtlich auf die Erhöhung des Stimmrechtsanteils, der mit der Kapitaleinlage normalerweise verbunden gewesen wäre, um so der 50+1-Regel des DFB weiter zu genügen. Aber man kann sich ungefähr vorstellen, wie lautstark sich ein Verein noch in Diskussionen um den Betrieb seiner Fußballmannschaft einmischen wird, zu der er gerade mal noch den Namen und die Zulassung zur Teilnahme an einer DFB-Liga beisteuert, für deren Aufwände während der vergangenen zwei Saisons aber die Deinfussballclub GmbH und Sponsoren zu ziemlich exakt 99% aufkamen.

Wie DFC im Verein ausmistete: Herakles oder doch nur zweiter Augias?

Ob die schwindende Einflussnahme des Vereins Fluch oder Segen ist, muss sich auf Dauer noch zeigen. Auf der einen Seite ist es ein unbestreitbarer Verdienst von DFC, die bei der Fortuna vorgefundenen, für unterklassige Vereine typischen Strukturen aufgebrochen zu haben, die von Egomanie (ein ehemaliger Vorstand stellte Spieler ohne Rücksprache mit dem Trainer an), finanzieller Verantwortungslosigkeit (vor der letzten Saison gab es gültige Verträge mit gleich zwei Trainern) und intransparenter Buchführung geprägt waren: Noch auf der letzten Hauptversammlung des e.V. wurde den Mitgliedern kein Kassenbericht vorgelegt, der Kassenprüfer war nicht einmal anwesend; Zahlungen auf die Hand von Spielern an der ohnehin kaum vorhandenen Buchführung vorbei sollen gang und gäbe gewesen sein; und generell kann oder will der e.V. den Verbleib der aus verschiedenen Quellen eingenommenen Gelder seinen Mitgliedern bis heute nicht nachweisen, was die Entstehung verschiedener dunkler Gerüchte jedenfalls nicht behindert. Inzwischen hält sich selbst manch eingefleischter Fan mit Bargeldzuwendungen an den Verein zurück.

Und wenn also DFC an manchen Stellen die Fortuna einmal durchfegen musste, so ist andererseits auch nicht klar, welche Erfahrung die in der Spielbetriebsgesellschaft handelnden DFC-Verantwortlichen wirklich mit der Führung eines Fußballvereins haben, die spätestens nach dem angestrebten Aufstieg in die Regionalliga eine hoch anspruchsvolle Managementaufgabe werden wird. Bereits in dieser Saison zeigten sich Probleme, als die sportliche Leitung es versäumte, sich zu versichern, dass die Spielberechtigungen für alle eingesetzten Spieler tatsächlich vorlagen: Wegen des möglicherweise unzulässigen  Einsatzes von Winterzugang Nico Schmied gegen den VfB Hüls wurden der Fortuna erstinstanzlich die Tore und Punkte für den Sieg aberkannt; über die Berufung ist noch nicht entschieden. Außerdem beklagen sich Spieler über die Personalführung der SBG-Verantwortlichen: Während der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft und auch das Verhältnis der meisten Spieler zum Trainer intakt zu sein scheint, ist die Unzufriedenheit mit den vertraglichen Ansprechpartnern bei manchem groß.

Schlussendlich ist die aktuelle DFC-Leitung schon rein zeitlich erkennbar überfordert. Letztlich sind es nur Burkhard Mathiak und Dirk Daniel Stoeveken, die bis auf ausführende Tätigkeiten wie die technische Websitepflege, den kompletten Laden schmeißen: von der Sponsorenakquise über die Personalführung und die Organisation der von der Stadt gemieteten Trainingsplätze bis hin zum Liveticker während der Spiele oder zur Moderation der Mitgliederforen. Dieser Einsatz fast rund um die Uhr und an allen Tagen der Woche ist zwar menschlich anerkennenswert. Allerdings ist klar, dass dadurch auch Fehler entstehen können und wichtige Aufgaben vernachlässigt werden. Unterstützung wird aber auch dann nicht angenommen, wenn sie günstig zu haben ist. So bot sich ein arbeitslos gewordenes und aktives DFC-Mitglied an, für ein Praktikantengehalt nach Köln zu ziehen und die aufwändige und dringend nötige Moderation der Mitglieder-Community zu übernehmen. DFC schlug dieses Angebot aus.

Und natürlich ist es letztlich auch nicht so, dass die Spielbetriebsgesellschaft mbH strengeren Rechenschaftspflichten unterliegt als ein Verein. Im Gegenteil: Die wirtschaftliche Transparenz, die man vom Fortuna Köln e.V. als Mitglied wenigstens theoretisch noch einfordern könnte, können sich DFC-Mitglieder vielleicht wünschen, aber nicht fordern.

Fortuna, viergeteilt

Die Grundkonstellation wird sich in der nächsten Saison nicht ändern. Die Fortuna ist gerade dabei, ihr sportliches Saisonziel deutlich zu verfehlen. Man wollte die Spielzeit auf einem Platz im oberen Tabellendrittel beenden, muss nach dem Abzug der Punkt von Hüls und einer üblen Serie von bislang neun sieglosen Spielen aber froh sein, wenn man nicht noch ernsthaft gegen den Abstieg spielt. Ein Platz im Mittelfeld der NRW-Liga kann es zum Saisonende maximal noch werden, was rein quantitativ eine Stagnation gegenüber der letzten Saison bedeuten würde. Und auch die sportlichen Leistungen insbesondere im heimischen Südstadion waren viel zu wechselhaft, um neue Fans und DFC-Mitglieder in den benötigten Scharen anziehen zu können. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass die Mitgliederzahl weiter sinken wird, nur gebremst vom Zwang zur Schriftlichkeit und der vergleichsweise langen Kündigungsfrist von drei Monaten vor Ablauf eines Mitgliedsjahres.

Das Band zwischen DFC und den eingesessenen Fans ist ohnehin schon lange zerschnitten. Die Auftritte des Öffentlichkeitsbeauftragten Burkhard Mathiak im offiziellen „Heimspiel-Forum“ schwankten zwischen banaler Beschwichtigung („Wir stehen zum Trainer“, „Niemand kann mit der aktuellen Situation zufrieden sein“) und offener Konfrontation, wenn er der Fangemeinde regelmäßig vorhielt, wie viel schlimmer sie als alles sei, was er in einer früheren Tätigkeit bei Schalke erlebt habe. Der Ton ist inzwischen entsprechend rau, Mathiak heißt bei den Fans nur noch „der Schalker“. Einmal sagte er öffentlich, was die Fortuna brauche, sei nicht ein neuer Trainer, sondern seien andere Fans; mit den aktuellen hat er die Kommunikation jedenfalls schon öffentlich aufgekündigt, sofern sie über das Heimspiel-Forum erfolgt.

So stehen nach zwei Jahren DFC gleich vier Gruppierungen entfremdet nebeneinander: DFC, der alte Verein Fortuna Köln, seine Fans und die meisten der engagierten DFC-Mitglieder. Lediglich Verein und Fans halten noch zueinander, wenn auch oft im Wesentlichen nibelungenhaft. Die anderen Gruppen wollen nicht mehr viel miteinander zu tun haben, was DFC egal zu sein scheint, weil dessen einzige Chance es ist, die bislang aufgelaufenen Investitionen mit noch mehr Geld und zwei notwendigen Aufstiegen in den bezahlten Fußball zu retten. Auf diesem Weg ist das Konzept einer fanbestimmten Basisdemokratie aber genauso überflüssig wie eine Fangemeinde. Die TSG Hoffenheim macht’s vor.

Potemkin all over again: Basisdemokratie nur als Fassade

DFC wird also mit möglichst minimalem Aufwand versuchen, seiner Community noch ein paar Beitrags-Euro abzuringen. Für 200.000 € im Jahr kann man ruhig mal ein paar Stunden am Tag investieren, echte  Mitbestimmung aber wird es bei DFC nicht geben, dafür ist der Ertrag dann doch zu niedrig. Und so war es für einzelne Mitglieder mehr als ein amüsanter Treppenwitz, dass DFC im vergangenen Jahr eine von Mitgliedern betriebene Abstimmung mit dem Titel „Volle Transparenz“ massiv bekämpfte, die am Ende von der Mehrheit auch abgelehnt wurde – nur um wenige Monate später auf der Homepage mit dem Versprechen „100% Transparenz“ um neue Mitglieder zu werben und diese Mogelpackung als Reaktion auf Proteste im Forum tatsächlich noch in „volle Transparenz“ umzubenennen. In your face!

Jedenfalls ist Fortuna Köln von „DeinemFussballClub“ schon lange zu „DerenFussballClub“ geworden, zum Spielball einiger unbekannter Investoren hinter DFC. Das Konzept ist von anderen Clubs bekannt, aber immerhin verbrämen weder Dietmar Hopp noch Red Bull ihre Absichten mit dem immer fadenscheiniger werdenden Versprechen, gemeinsam mit Sönke Wortmann den Fußball der Basis zurückzugeben.

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13 Gedanken zu “DerenFussballClub: Wie DFC den SC Fortuna Köln spaltet

  1. Sehr guter Artikel, der doch sehr zum Nachdenken anregt. Ich habe schon länger kein wirklich gutes Gefühl und überlege, ob ich meine Mitgliedschaft nicht auch kündigen soll. Deine Zusammenfassung hat mich weiter bestätigt.

  2. Trainerbank schreibt:

    Soweit ok, spiegelt aber nur Ansichten nieder die teilweise sich nicht unbedingt so verhalten wie angegeben. Im Ganzen allerdings trifft es den Anschein. Ob es tatsächlich alles der Wahrheit/Umstände entspricht ist dahingestellt.

  3. Halblinks schreibt:

    Junge-Junge,
    da fühle ich mich ja letztlich bestätigt, dem Projekt den Rücken gekehrt zu haben. Das wird nicht besser, sondern schlimmer.
    Deine Schlußfolgerung, dass eine Erfüllung der Versprechungen niemals eingelöst werden könne, da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen den Einfluß der DFC-Mitgliedsbeiträge immer weiter schmälern werden, finde ich sehr logisch und desillusionierend.
    Nachdem schon das „Urprojekt“ in England eher dahindarbt, dürfte auch DFC mittelfristig Geschichte sein, denke ich.
    Schade, weil mich die Grundidee ursprünglich begeistert hatte.

  4. denis schreibt:

    Das kann doch nicht sein: Der Chef Ulonska meinte, es wird nur das Geld ausgegeben was man hat, also keine Panik. Von seinem Marionettendasein hat er auch noch nichts gemerkt. Er ist ja sooooooooooooo froh, daß der DFC existiert und ihm die Möglichkeit gibt sich wieder in der Gesellschaft zu etablieren

  5. Peter schreibt:

    Inzwischen wurde die DFC praktisch aufgelöst und die Fortuna übernimmt alles in eigener Regie. Nun gibt es ein juristisches Problem, welches die Fortuna aber verschweigt. Die Mitgliedschaften bezogen sich auf die Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft. Jetzt werden die DFC Mitglieder von der Fortuna Köln Marketing GmbH auf die „offenen“ Beiträge angesprochen ( inzwischen ohne Mahnschreiben direkt an Creditreform weitergereicht ). Da die Mitgliedschaft jedoch bei der SBG bestand kann Fortuna Köln nicht einfach bestimmen, das nun ( unter veränderten Voraussetzungen ) die Mitgliedschaft in einer anderen Gesellschaft aufrecht erhalten bleibt. Ich werde die Fortuns anschreiben und wenn keine positive Reaktion erfolgt eine Strafanzeige wegen Betruges stellen und die Kölner Presse informieren.

    1. Johannes schreibt:

      weißt Du, ob sich dies mittlerweile geklärt hat? Ich habe eine E-Mail von Creditreform bekommen, in der sie um meine Adresse bitten, um mir Inkasso-Schreiben zukommen zu lassen. Offenbar werde ich also demnächst eine Zahlungsaufforderung bekommen. Da wäre es interessant zu wissen, ob ich dieser nachkommen muss oder was ich tun kann.

    2. Was soll sich geklärt haben? Ich kann nicht beurteilen, ob die Zahlungsaufforderung korrekt ist. Aber DFC heißt heute Fortuna Premium. Wenn du nicht gekündigt hast, bist du da Mitglied und musst deinen Beitrag zahlen.

    3. Johannes schreibt:

      nun, Peter schrieb:

      „Nun gibt es ein juristisches Problem, welches die Fortuna aber verschweigt. Die Mitgliedschaften bezogen sich auf die Fortuna Köln Spielbetriebsgesellschaft. Jetzt werden die DFC Mitglieder von der Fortuna Köln Marketing GmbH auf die “offenen” Beiträge angesprochen. Da die Mitgliedschaft jedoch bei der SBG bestand kann Fortuna Köln nicht einfach bestimmen, das nun ( unter veränderten Voraussetzungen ) die Mitgliedschaft in einer anderen Gesellschaft aufrecht erhalten bleibt. “

      Die Frage ist also, ob sich geklärt hat, ob Fortuna Köln Marketing die Beiträge für die aufgelöste DFC einziehen darf, was Peter ja bezweifelte.

    4. Ich denke, das ist stand nicht wirklich in Frage. Du hattest damals ein Sonderkündigungsrecht. Wenn du das nicht aktiv genutzt hast, musst du zahlen.

  6. […] Sondern eben weil dieser Sieg der vorläufige Endpunkt einer Entwicklung ist, die mit einem Mann begann, dem ich hier seine verdiente Würdigung zukommen lassen will: Dirk-Daniel Stoeveken. So sehr ich immer die Halbwahrheiten und die Pseudodemokratie kritisiert habe, mit denen sein DFC die zahlenden Kunden betrog, so sehr erkannte ich immer an, dass Stoeveken als DFC-Macher die unterklassigen Finanzstümpereien der damaligen Vereinsoberen been…. […]

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