Mein WM-Fazit: Close, but no cigar

In den letzten Tagen gab es vermehrt auch kritische Stimmen zum Verlauf dieser Weltmeisterschaft für die deutsche Nationalmannschaft. Karl-Heinz Förster bemühte sich um die Wiederherstellung des Rufs des deutschen 80er-Jahre-Vorstoppers, und im Guardian wurde das deutsche 4-2-3-1 als reaktiv und unkreativ gescholten.

Mein WM-Fazit fällt gemischt aus. Zum einen war es natürlich herzerfrischend, eine deutsche Mannschaft mit einem Mittelfeld voller Twentysomethings und ohne Platzhirsch zu sehen. Andererseits wurde mir um das Alter insbesondere von Bastian Schweinsteiger auch zu viel Aufhebens gemacht: Man sollte immer berücksichtigen, dass Schweini ja schließlich erst 25 sei. Ja, genauso alt wie Michael Ballack bei der WM 2002. Mit 25 sollte man eben auch schon was können, wenn man denn ein Großer werden will, was Schweinis Anspruch spätestens seit der Saison 2003/04 ist. Übrigens ist Schweinsteiger derselbe Jahrgang wie Andrés Iniesta, der auch in dem Alter, das Sami Khedira heute hat, schon deutlich mehr leistete.

Und die hohen Siege über Australien, über England und Argentinien waren natürlich Balsam für die Seele. Das 4-1 gegen England wird voraussichtlich noch sehr lange auf meiner Spielstandstasche stehen. Aber andererseits waren dies Siege gegen Mannschaften, die zu offensiv und teilweise taktisch minderbemittelt gegen uns antraten. Der Guardian weist zurecht darauf hin, dass in drei Spielen gegen defensiv gut organisierte Gegner (Serbien, Ghana, Spanien) der deutschen Nationalmannschaft genau ein Tor gelang, und das war ein perfekt getroffener Fernschuss.

Gestern gegen Uruguay konnte man sehen: Wenn Deutschland gegen einen mittelmäßigen Gegner Platz hat, dann fallen viele Tore, man gewinnt und sieht gut dabei aus. Wenn Deutschland aber gegen einen guten oder sehr guten Gegner antritt, dann tut sich die Mannschaft mindestens sehr schwer. So gewinnt man am Ende dann eben nichts.

Ich fasse es mal kurz: Deutschland muss aufpassen, nicht die Anna Kournikova des Weltfußballs zu werden.

Und da bin ich dann irgendwie am Ende auch bei Karl-Heinz Förster, der mit dem rumpeligsten aller deutschen Fußballstile in den 80ern zweimal im WM-Finale stand. Und das muss diese Mannschaft erst noch mal leisten. Ich traue es ihr zu, aber sie darf nicht zu selbstgefällig werden, weil sie ja ach so multikulti und ja so schön anzusehenden Fußball spielt. Der Verzicht auf einen Empfang am Brandenburger Tor ist deswegen ein guter Schritt.

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