Fortuna Köln – Alemannia Aachen II 0-1

Oh Gott! Ich bin in einer Zeitschleife gefangen! Es ist wieder Sommer 2009, und die NRW-Liga-Saison beginnt. Die Fortuna spielt auswärts erfolgreichen, teilweise sogar souveränen Konterfußball. Zuhause im Südstadion hingegen will so gar nichts gelingen. Die Mannschaft schafft es nicht, das Spiel zu machen, spielt zu wenige Torchancen heraus und verliert. Am Ende dann sitzen rotweiß gekleidete Spieler, als hätte eine höhere Macht sich gegen sie verschworen, frustriert auf dem Rasen rum, während sich im Hintergrund der Gegner abklatscht.

Neue Saison, altes Bild

Neue Saison, altes Bild

Sieht irgendwie alles bekannt aus, obwohl die Fortuna sich doch, dank einer satten Investition der Gesellschafter von Deinfussballclub, eine fast komplett neue Mannschaft zusammengekauft hat. In der Anfangsformation standen auch heute wieder acht neue Spieler. Bis auf drei Akteure ist also nur einer gleich geblieben: Matthias Mink, der bei den Fans heftig umstrittene Trainer. Und auch, wenn es mir fern liegt, nach zwei Spielen das Urteil über eine komplett neu zusammengestellte Mannschaft zu fällen, waren die Parallelen zur vergangenen Saison heute unübersehbar.

Nach dem Spiel hieß es von offizieller Seite angeblich, die Fortuna sei in einem 4-3-3 aufgelaufen. Wer auch immer das möglicherweise angeordnet hatte, auf dem Platz sah es nicht danach aus. Da erkannte man in der Rückwärtsbewegung ein 4-2-3-1. Nur Chamdin Said blieb in der Offensive, Defensive und Mittelfeld rückten sehr eng zusammen, machten das Spielfeld flach, so dass das manchmal mehr nach einem 4-5-1 aussah, mit vielleicht 20 Meter zwischen den beiden Verteidigungslinien.

In der Vorwärtsbewegung rückte Hamdi Dahmani, hinter Said aufgeboten, oft weit nach vorne, so dass ein 4-4-2 mit offensiven Außen entstand, in der Mitte allerdings mit nur einem gelernten Stürmer.

Die Aufstellung (von links nach rechts): Sela – Canizales-Smith, Caspers, Habl, Bartsch – Schäfer, Ende  – Ouedraogo,  Dahmani, Glaser – Said.

Auflaufen der Mannschaften

Ich habe seit dem Schlusspfiff eine Weile überlegt, wie ich das Spiel beurteilen soll. Die Mannschaft ist neu, kann noch nicht eingespielt sein. Andererseits ist der Aufstieg das erklärte Ziel, Matthias Mink hat sich für acht neue Spieler entschieden und auf ein paar in der letzten Spielzeit bewährte Kräfte bewusst verzichtet, beispielsweise auf Kevin Kruth, Frank Schroden oder Christopher Möllering. Ich will nicht jede dieser Entscheidungen kritisieren, ich kann die Trainingseindrücke nicht beurteilen. Aber eine Mannschaft, die den Aufstieg zum Ziel hat, die hat keine Punkte zu verschenken, also werde ich sie sofort an ihrem Maßstab messen. Und wenn es also das Ziel ist, erster oder wenigstens zweiter Aufstiegskandidat zu sein, dann war dieses Spiel: ein verdammtes Scheißdebakel.

Nach vorne ging sehr wenig, nach hinten wackelte alles. Aachen machte zu jedem Zeitpunkt des Spiels den gefährlicheren Eindruck, alleine vor der Pause klärten Fortuna-Spieler drei Mal auf der Linie. Andy Habl ließ sich in der Innenverteidigung immer wieder austanzen, vorne dagegen versägte Chamdin Said die große Chance kurz vor der Pause, eine schlechte Hälfte vergessen zu machen, als er alleine auf den Keeper zulief. Nachdem Said sich schon im ersten Spiel in Kleve keineswegs als eiskalter Knipser hervorgetan hatte und Habl erkennbar nicht zurecht kam, war mir unverständlich, warum beide zur zweiten Halbzeit wieder aufliefen.

In der 62. Minute durfte immerhin Montabell für Said sein Glück versuchen. Doch erst als Tibor Heber in der 75. und Kevin Kruth unmittelbar nach dem Gegentreffer in der 83. Minute ins Spiel kamen, entwickelte die Fortuna so etwas wie Druck auf das Aachener Tor.

Fortuna - Alemannia II

Das war natürlich viel zu spät, hätte aber sogar noch zum Ausgleich reichen können, wenn Kruth einen freien Kopfball nach weiter Flanke aus rund sieben Metern nicht am langen Pfosten vorbeigesetzt, sondern auf’s Tor gebracht oder quer gelegt hätte.

Eine kurze, etwas unschöne Szene folgte dieser: Denn wenn ich es richtig beobachtet habe, schimpfte Mannschaftskapitän Glaser nach dieser vergebenen Chance mit Kruth, der unwillig reagierte. Zwar hätte man aus der Chance mehr machen können, aber es kann in der Tat nicht sein, dass man einem fünf Minuten vor Schluss eingewechselten Spieler Vorhaltungen macht, wenn der die erste richtige Torchance nach längerer Zeit überhaupt für sein Team mit erarbeitet hat, selbst wenn er sie knapp vergibt

Ich will das nicht zu hoch hängen, aber man hört, dass die Kameradschaft in der Mannschaft vergangene Saison keineswegs so gut war, wie sie von manchem Spieler geschildert wurde, dass tragfähige Führungsstrukturen fehlten.

Bester Mann in der Elf der Fortuna war heute eindeutig Jonas Sela, der gleich ein paar 100%ige Chancen der Aachener vereitelte, indem er sich den Stürmern mutig entgegenwarf. Tibor Heber belebte während seiner kurzen Einsatzzeit das Spiel der Fortuna merklich. Stephan Glaser wirbelte auf der rechten Seite sehr einsatzfreudig, letztlich aber doch mit zu wenig Durchschlagskraft.

Wolkenbruch über dem Südstadion

Stephan Glaser sauer

Im Rückblick scheint nur ein gigantischer Wolkenbruch, der Mitte der zweiten Halbzeit über Köln niederging, die schon länger fällige Führung von Alemannia bis kurz vor Schluss verzögert zu haben.

Wolkenbruch über dem Südstadion

Wolkenbruch über dem Südstadion

Wolkenbruch über dem Südstadion

Unterm Strich ist klar: Es mus alles besser werden, und zwar schnell. Denn schon am nächsten Sonntag steigt das nächste Heimspiel, gegen den Aufsteiger VfB Homberg. Wenn dieses Spiel nicht gewonnen wird, dann könnte es eng werden für Mathias Mink. Aktuell läuft bei Deinfussballclub nämlich eine mitgliederinitiierte Abstimmung, ihn zu beurlauben. Die Abstimmung endet in der Woche nach dem Homberg-Spiel. Bislang, das hatte die Sport-Bild in ihrer aktuellen Ausgabe verraten, sind rund 50% der Stimmen gegen Minks Beurlaubung abgegeben worden. Das ist ein sehr schlechter Wert, denn bei den zwei bisher gelaufenen Abstimmungen über seinen Verbleib bei der Fortuna hatte er jeweils satte Mehrheiten von über 70% eingefahren. Dass die Zustimmung zu ihm gesunken ist, obwohl jeder weiß, dass eine Beurlaubung des Trainers zu Beginn der Saison sehr problematisch sein kann, lässt nachdenklich werden, zumal man erwarten kann, dass viele Mitglieder ihre Stimme erst kurz vor Schluss abgeben werden, um noch möglichst viele Eindrücke der Saison einfließen zu lassen.

Kleine Randanekdote: Trainer von Alemannia Aachen II ist seit dieser Saison Ralf Außem. Und just den hatte eine andere Mitgliederabstimmung in der Sommerpause vorgeschlagen, zur Fortuna zurück zu holen.

Matthias Mink

Wir danken unserem Team, trotz allem

Wolkenbruch über dem Südstadion

Alle meine Fotos auf Flickr. (Offizielle Spielfotos gibt es übrigens in dieser Saison nicht mehr.)

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2 Gedanken zu “Fortuna Köln – Alemannia Aachen II 0-1

  1. hogie schreibt:

    Zur Chance von Kevin Kruth, selbst wenn er quer gelegt hätte oder sogar getroffen.

    Der Linienrichter hatte die Fahne schon oben, da er im Abseits stand, daher hat der Torwart auch keinen Abschlag vom 5er, sondern gut 2 Meter davor gemacht. Daher glaube ich auch nicht, das die Ansprache von Glaser wegen der vergebenen Chance kam.

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