Pro und Contra Matthias Mink

Bei Deinfussballclub (DFC) wird schon wieder über den Trainer von Fortuna Köln abgestimmt. Gegen Matthias Mink gab es bereits im Dezember 2009 ein Misstrauensvotum, das von den DFC-Nutzern initiiert wurde. Damals sprach ihm die Mehrheit aber deutlich das Vertrauen aus, auch ich gab ihm meine Stimme. Im April dieses Jahres, als über die Vertragsverlängerung von Mink abgestimmt wurde, bekam er über 2/3 der Stimmen.

Erst kurz nach der Vertragsverlängerung zeichnete sich jedoch ab, dass die Fortuna in einer fast existenzbedrohenden Serie siegloser Spiele festhing. Am Ende sammelte man aus den letzten elf Spielen der Saison gerade mal zwei Punkte und entging dem Abstieg nur wegen der um zwei Tore besseren Differenz gegenüber Hüls. (Im nachhinein hielt Hüls am Grünen Tisch doch noch die Liga.)

In diese Negativserie hinein platzierte ein Nutzer den erneuten Vorschlag, Matthias Mink zu beurlauben. Warum kommt der Vorschlag erst jetzt zur Abstimmung? Als am 01.06. festgelegt wurde, welche Mitglieder-Abstimmung im Juli durchgeführt wird, hatte ein anderer Vorschlag noch mehr Unterstützerstimmen, der die Offenlegung des abgelehnten Vertragsangebots an den Fanliebling Cengiz Can forderte. Die Abstimmung wurde dann auch durchgeführt, allerdings gab DFC, als der Vorschlag eine Mehrheit der Stimmen erhalten hatte, bekannt, dass man das Vertragangebot nicht veröffentlichen werde, weil angeblich die Persönlichkeitsrechte von Can berührt seien.

Das hätte man nun aber auch vorher wissen können, so dass der Vorwurf im Raum stehen bleibt, dass DFC die Can-Abstimmung sehenden Auges benutzte, um die Mink-Abstimmung in den August zu schieben. In diesem Monat hat nämlich die NRW-Liga-Saison bereits begonnen, so dass jedem Abstimmenden klar sein muss: Wird der Trainer abgewählt, dann steht die Fortuna nach drei Spieltagen ohne den Übungsleiter da, der sich vor der Saison eine fast komplett neue Mannschaft zusammenstellen durfte, die um den Aufstieg spielen soll. Das Ziel Aufstieg könnte man dann wahrscheinlich abhaken.

Ich will dennoch meine Argumente pro und contra Mink abwägen, um zu einem sachlichen Urteil zu kommen, dieses Mal allerdings in anderer Form als letztes Mal: Ich werde die Argumente, die mich im Dezember 2009 bewogen hatten, für Mink zu stimmen, im Rückblick auf ihre Richtigkeit überprüfen. Punkte, die sich aus meiner Sicht als stichhaltig pro Mink erwiesen haben, markiere ich grün, neutrale Punkte blau, die für Mink negativen Punkte rot.

  • Die Fortuna nimmt eine erkennbare, langfristig positive Entwicklung. Unter Mink stieg sie zunächst (als Meisterschaftszweiter, weil der VfL Leverkusen die Lizenzbedingungen nicht erfüllen konnte) in die NRW-Liga auf, nachdem sie im Jahr davor noch gegen den Abstieg aus der Verbandsliga gespielt hatte. Der Klassenerhalt war in der ersten NRW-Liga-Saison nie ein Thema. In dieser Saison ist ein Platz im oberen Tabellendrittel das Ziel, und dieses Ziel ist eindeutig in Reichweite.
    Kommentar heute: Gott, was lag ich damals daneben! Die schon erwähnte Negativserie  ließ die Fortuna fast noch in die Verbandsliga absteigen. Von langfristiger Entwicklung kann also keine Rede sein.
  • Die mannschaftliche Geschlossenheit war bis auf ein, zwei Partien bei allen Spielen dieser Saison erkennbar.
    Kommentar heute: Auch das stellt sich aus heutiger Sicht anders dar. Die Mannschaft zerfiel in den letzten Spielen quasi. Es war erkennbar, dass der Zusammenhalt nur auf dem Erfolg gründete, aber nicht stark genug war, schwierige Phasen zu überstehen. Man hört, dass damals positive Führungsfiguren fehlten.
  • Man erkennt nach einem etwas holprigen Start der auf wesentlichen Positionen veränderten Mannschaft, welches System Matthias Mink spielen lässt und wie dieses System mehr und mehr zu greifen beginnt.
    Kommentar heute: Das System ist in der Tat erkennbar, ein 4-2-3-1 mit Mittelfeldpressing. Allerdings greift es in Heimspielen nicht, wenn der Gegner defensiv steht.
  • Matthias Mink gelingt es, wenn auch nur über längere Zeiträume, flexibel zu sein und sich zu ändern. Die Umpositionierung von Hamdi Dahmani vom Flügel auf die Sechser-Position, der immer besser funktionierende Einbau von Abdelkader Maouel in die Mannschaft, die Umstellung auf zwei Spitzen: All das sind Veränderungen, die der Mannschaft halfen.
    Kommentar heute: Das sehe ich heute neutraler. Zwar nimmt Matthias Mink auch mal Änderungen vor, aber nur sehr, sehr langsam – für meinen Geschmack zu langsam, wenn man schnell Erfolg haben will, wie es jetzt notwendig ist, und zudem mit vielen neuen Spielern noch viel wird erproben müssen.
  • Das von Mink bevorzugte 4-2-3-1 mit Mittelfeldpressing funktioniert auswärts ganz hervorragend (Bilanz in dieser Saison bislang 5-2-2).
    Kommentar heute: Auch wenn die letzten Auswärtsspiele der vergangenen Saison von einer verunsicherten Mannschaft verloren wurde, halte ich das System auswärts für erfolgversprechend. In dieser Saison gab es leider erst ein Auswärtsspiele, das bei Kleve mit 3-0 gewonnen wurde. Allerdings hat Kleve nach drei Spielen keinen Punkt auf dem Konto und 0:9 Tore…
  • Junge Spieler entwickeln sich unter Mink immer wieder positiv und bekommen Einsatzzeiten: Kevin Kruth hat es vom Superjoker zum kaum noch verzichtbaren Sturmführer gebracht. Abdelkader Maouel tut der Mannschaft sehr gut. Jan Gran kommt auch noch. Von Michael Khan hört man immer wieder, dass er sehr gute Trainingsleistungen bringt. (Auf dem Platz ist davon allerdings noch nicht viel zu sehen.)
    Kommentar heute: Das betrachte ich heute als Fehleinschätzung, lediglich bei Kevin Kruth bleibe ich bei meiner Meinung. Allerdings wird gerade der von Mink aktuell verunsichert, weil er vor der Saison gleich drei Konkurrenten vor die Nase gesetzt bekam, in den ersten drei Spielen trotz der Knipserprobleme von Said erst einmal von Anfang spielte und da noch ausgewechselt wurde. Alle anderen jungen Spieler sind entweder inzwischen gegangen oder haben kaum noch eine Chance auf einen Einsatz.
  • Die Mannschaft hat unter und mit Matthias Mink die Kurve aus einer ganz, ganz schwierigen Saisonphase gekriegt.
    Kommentar heute: Tja, und anschließend ist sie gleich wieder in die nächste ganz, ganz schwierige Saisonphase geschliddert.
  • Das Spielsystem im Südstadion funktioniert erst in den letzten Spielen einigermaßen, aber noch lange nicht so gut wie auswärts.
    Kommentar heute: Es deutet sich an, dass auch die neue Mannschaft Probleme hat, das Spiel zu machen. Mir scheint das ein Systemproblem zu sein.
  • Matthias Mink denkt aus der Defensive heraus. Das ist zwar im modernen Fußball weit weg von grundfalsch, aber auch gegen schlechte Mannschaften wird oft mehr reagiert als agiert. Mir fehlt eine klarere Spielphilosophie, wie die Mannschaft bei Ballbesitz agiert.
    Kommentar heute: Nochmal dasselbe mit anderen Worten.
  • Mink ist ein Sturkopf, obwohl er langfristig durchaus Veränderungen vornimmt, beispielsweise wird in dieser Saison früher einwechselt als noch letzte Saison.
    Kommentar heute: Diesen Punkt müsste ich eigentlich doppelt rot machen, wenn das ginge. In einem doppelseitigen Artikel in der Sport-Bild zur Beurlaubungs-Abstimmung wurde Mink zitiert, dass er gerade jetzt nicht etwa mehr auf die DFC-User hören wolle. Das muss er vielleicht auch nicht tun, aber Widerspruch, so der Eindruck, lässt Matthias Mink auf seiner Meinung noch mal extra beharren.
  • Wechsel dienen bei einer Führung fast ausschließlich der Ergebnissicherung, nie dem Willen, die Entscheidung herbeizuführen, indem man noch ein Tor nachlegt.
    Kommentar heute: Das wird man abwarten müssen. In den ersten drei Spielen gab es unterschiedliche Signale.
  • Die Zusammenstellung des Kaders, für die Mink auch verantwortlich ist, ist nicht optimal. Es fehlt beispielsweise ein dritter, ligatauglicher Stoßstürmer. Auch die beiden Sechserpositionen und die Flügel sind zu dünn besetzt. Das ist nicht nur mit dem Etat erklärbar, denn wenn ich ein 4-4-2 spielen möchte, zu dem Matthias Mink sich bekennt, dann kann ich mich einfach nicht mit zwei Stoßstürmern zufrieden geben.
    Kommentar heute: Auch hier heißt es abwarten. Der Kader ist zwar recht tief und ausgeglichen besetzt. Andererseits scheint ein Wunschspieler wie Tibor Heber doch nicht ins System zu passen. Unterm Strich machen die neuen Spieler aber schon den Eindruck, als sei mit ihnen mehr fußballerische Qualität ins Team gekommen. Vielleicht also doch eine Tendenz ins Grüne.

Insgesamt muss ich sagen, dass mir nur die Hoffnung bleibt: die Hoffnung, dass Matthias Mink doch eine erfolgträchtige Taktik für Heimspiele auf der Tafel stehen hat, die Spieler sie irgendwann früh in der Saison auch erfolgreich umsetzen werden und es letzte Saison nur an der Qualität der Spieler lag.

Wissen kann ich das allerdings nicht. Vor der Saison hatte DFC immer wieder betont, dass sie mit Mink in die neue Saison gehen wollten, weil sie seinem sportlichen Konzept vertrauten. Ich bat dann im internen Forum darum, dieses sportliche Konzept einfach mal offenzulegen, was mir auch zugesagt wurde. Was eine Weile später kam, waren rund fünf Zeilen, in denen der Trainer in einem Newsletter seine Spielphilosophie beschrieb, sowie, auf den losbrechenden Proteststurm hin, ein paar vom DFC-Pressesprecher nachgeschobene Spiegelstriche, teilweise mit Banalitäten. Es gibt also bei der Fortuna kein niedergeschriebenes sportliches Konzept. Das ist mir für ein Wirtschaftsunternehmen wie DFC, das den Aufstieg in diesem Jahr eigentlich unbedingt braucht, zu wenig. Das ist mir auch vom sportlichen Alleinverantwortlichen zu wenig – und das ist der Trainer.

In der Summe würde ich deswegen gegen Matthias Mink stimmen. Tatsächlich enthalte ich mich aber, weil der Zeitpunkt einer Ablösung wie erwähnt ungünstig ist und die Saison fast sicher zerstören würde. Außerdem gibt es keine Alternative, die heute schon feststünde

Mir bleibt als Trost nur, dass sich auch DFC dem Erfolg der Arbeit von Matthias Mink vollkommen ausliefert – und im Misserfolgsfall deutlich mehr verlieren kann als ich. Ich kann eigentlich nur gewinnen, denn falls das System „Mink plus Geld für neue Spieler“ doch greift, steigt die Fortuna vielleicht auf. Und wenn nicht? Mir hat’s auch in der Verbandsliga nicht so schlecht gefallen.

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2 Gedanken zu “Pro und Contra Matthias Mink

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