SSVg Velbert 02 – SC Fortuna Köln 1-1

Ein Besuch in Velbert lohnt sich für Fortuna-Fans wohl immer. Vor zwei Jahren gab es hier ein legendäres 3-3 nach einer zwischenzeitlichen 3-0-Führung der Fortuna. Im letzten Jahr gewann Köln im Stadion Zur Sonnenblume mit 4-0. Und auch gestern war es ein ereignisreiches Spiel, das noch mindestens eine Parallele mehr zum 3-3 von 2008 hatte.

Gästeblock

Matthias Mink hielt an seinem auswärts erfolgreichen 4-2-3-1-System fest. Obwohl die DFC-Mitglieder sich mal wieder für ein 4-4-2 mit Montabell und Kruth als Spitzen ausgesprochen hatten, ließ Mink zum dritten Mal in dieser Saison Chamdin Said als einzige Spitze auflaufen. Dahinter gab es allerdings eine Änderung: Der von den Fans nach den letzten Spielen geforderte Tibor Heber durfte auf der 10er-Position ran. Und auch Frank Schroden stand wieder in der Innenverteidigung und scheint den gegen Aachen II komplett indisponierten Habl vorerst verdrängt zu haben. Die Aufstellung: Sela – Canizales-Smith, Caspers, Schroden, Bartsch – Schäfer, Ende  – Ouedraogo,  Heber, Glaser – Said.

Die Mannschaften laufen auf

Die Fortuna dominierte die Partie von Beginn an, ließ Velbert erst gar keinen Raum zum Spielen, meist auch nicht den Ball. Man fragt sich, warum das in den Heimspielen nicht genauso gelingt, denn bei der SSVg, die Matthias Mink vor der Saison zum Mitfavoriten für den Aufstieg erklärt hatte, spielte die Fortuna keineswegs auf Konter, wie das noch in Kleve der Fall gewesen war. Vielmehr zog sie ein gepflegtes Spiel auf, das die gesamte Breite und Tiefe des Platzes nutzte. Regelmäßig wurde der Ball über die Flügel in die gegnerische Hälfte getragen, Tibor Heber war sehr variabel und überall in der Offensive zu finden, eben noch an der eigenen Mittellinie mit einem kurzen Rückpass, dann schon wieder auf dem Flügel, um sich zum Kombinationsspiel anzubieten.

SSVg Velbert - Fortuna Köln

Tibor Heber

Tibor Heber

Doch so gut das alles anzuschauen war, so wenig durchschlagskräftig war es. Die Flanken oder letzten Pässe kamen zu ungenau, und das Sturmzentrum der Fortuna war zu dünn besetzt, um vielleicht mal einen Abpraller zu erwischen. Maycoll Canizales-Smith war ein Musterbeispiel: zwar sehr engagiert, mit zahlreichen Vorstößen, aber am Ende uneffektiv, weil seine Abspiele fast nie den eigenen Mann fanden. Auch Stephan Glaser warf sich auf der anderen Seite immer wieder in die gegnerische Verteidigung, blieb aber zu oft hängen. Der beste Flügelspieler der Fortuna gestern war noch Alessandro Ouedraogo, allerdings vornehmlich, weil er eigentlich überall zu finden war, wo der Ball auf seiner Seite auftauchte, insbesondere auch in der Defensive. Vorbildlicher Einsatz, aber auch keine gute Flanke.

SSVg Velbert - Fortuna Köln

SSVg Velbert - Fortuna Köln

SSVg Velbert - Fortuna Köln

Zu den Offensivproblemen kam hinzu, dass Chamdin Said mal wieder keine Kugel traf. Weder konnte er den Ball mal annehmen und behaupten, um vielleicht ablegen zu können, die meisten Anspiele sprangen ihm ohnehin in zufällige Raumrichtungen meterweit vom Fuß, und die einzige 100%ige Chance versiebte er kurz vor der Pause, als er am Fünfmeterraum-Eck frei zum Schuss kam und zu hektisch auf den Torwart zielte. Seine Auswechslung wäre spätestens zur Halbzeit fällig gewesen, genauso wie die Fortuna zu diesem Zeitpunkt nach Spielanteilen hätte führen müssen.

Ordner

Nach der Pause und einer sehr ordentlichen Stadionwurst (Dank an die auch sonst sehr freundlichen Velberter Gastgeber!) kam die Fortuna jedoch unverändert zurück. Auch am Spiel änderte sich nicht viel. Die Fans warteten auf die Einwechslung von Kevin Kruth, auch Kevin selbst trippelte ungeduldig immer wieder auf’s Spielfeld.

Einwechselspieler

Zunächst jedoch kam Fabian Montabell, der Said in der 55. Minute endlich ablöste, aber auch nicht die erhoffte Schärfe ins Angriffsspiel brachte. Das gelang erst Kevin Kruth: Er wurde in der 76. Minute eingewechselt, und stand schon in der 83. Minute da, wo ein Stürmer stehen muss und nickte eine Flanke (von Stephan Glaser?) entschlossen ein.

Und wenn Kevin in Velbert ein Tor schießt, dann passiert was. Vor zwei Jahren bedeutete er den Fans, doch bitte den Mund zu halten. Gestern zeigte er deutlich, was er davon hielt, nur Minks dritte Option für den Sturm zu sein, indem er sein Trikot auszog, es mit eingesprungenem Schmackes der Trainerbank vor die Füße pfefferte und anschließend wie ein pfauenhafter Hulk in Richtung Fanblock stolzierte. So eine Geste geht natürlich innerhalb einesr Mannschaft nicht. Andererseits bringt Kevin seit Jahren als erfolgreicher Knipser auf Oberliganiveau seine Leistung und muss zusehen, wie ihm in dieser Saison besser bezahlte Konkurrenten vor die Nase gesetzt werden, er aber doch in 5 Minuten schafft, was Said und Montabell in der vielfachen Spielzeit nicht gelingt: ein Tor. Da ist so eine Geste menschlich sehr verständlich.

Ein Mann, ein Jubel!

Eingesprungener Trikotwurf

Olé!

Ein Mann, ein Jubel!

Doch die Freude war nur von kurzer Dauer: Schon wenige Minuten nach der Führung erreicht ein Steilpass, der die unmittelbare Antwort Velberts auf einen Kölner Abschlag ins Nichts war, den ebenfalls kurz zuvor eingewechselten Marko Onucka, und der lupfte locker aus 20 Metern über den herausstürzenden Sela. Nun tanzte plötzlich Velbert.

Velbert jubelt

Velbert jubelt

Die beiden übrigen 100%igen Chancen der Partie waren auf beide Mannschaften verteilt. Alex Ende gelang für die Fortuna das Kunststück, einen freien Ball, den er allerdings volley nehmen musste, von der Strafraumgrenze nicht auf’s fast leere Tor zu bringen. Diesen Ball macht er sonst noch vor dem Aufstehen rein. Dafür zimmerte Velbert in den Schlussekunden noch einen Distanzschuss gegen die Latte, so dass die Fortuna am Ende noch über den Punkt froh sein musste, obwohl sie dem Spielverlauf nach in Velbert unbedingt hätte siegen müssen.

Das Fazit fällt deshalb zwiespältig aus: Eine gute, sogar sehr gute Mannschaftsleistung der Fortuna, die mit viel Einsatz und guter Taktik den Gegner auswärts deutlich beherrschte. Aber es fehlte der Lohn, weil das Spiel in den gegnerischen Strafraum hinein mangelhaft war. Es wirkte ein bisschen wie der FC Bayern zu Beginn der letzten Saison: Vollständige Platzhoheit, aber wenn es im Zusammenspiel um schnell gespielte, auf zehn Zentimeter genaue Pässe und abgestimmte Laufwege geht, dann fehlt noch der Feinschliff. Wenn der noch kommt, dann kann das was geben in dieser Saison.

Und ich bin dennoch gespannt wie ein Flitzebogen auf das nächste Heimspiel, wenn es gegen Schermbeck geht, einen Gegner, von dem man erwarten kann, dass er sich im Südstadion auf die Defensive konzentriert. Und solche Nüsse zu knacken fällt der Fortuna seit langer Zeit sehr schwer.

Kevin enttäuscht nach dem Spiel

Ausmarsch

Ausmarsch

Kurzbesprechung nach dem Spiel

Ende gut, alles gut

Schwerer Stand für alles Rotweiße

Alle meine Fotos auf Flickr: http://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-taken/2010/09/05/detail/

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3 Gedanken zu “SSVg Velbert 02 – SC Fortuna Köln 1-1

  1. Neph schreibt:

    Ich kann Kevins Verhalten total gut nachvollziehen und finde es auch gar nicht so tragisch. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl könnte man die Sache intern klären. Ich fürchte aber, dass der beste Stürmer damit jetzt erst mal einen Stammplatz auf der Bank, wenn nicht auf der Tribüne, hat. Verdammter Mist.

  2. p.blumenrath schreibt:

    Die „höherwertige Erfahrung“ von Sela hat Fortuna heute 2 Punkte gekostet. Mit seinen kläglichen Abstößen hätte er fast noch den Sieg für Velbert eingeleitet. Der spielerisch bessere und körperlich fittere Torhüter sitzt auf der Bank genau wie der K.Kruth. Aber das scheint man sich ja leisten zu können. Ein starkes Duo auf der Bank auf lange Sicht bestimmt nicht wenn die Jungs clever sind und davon gehe ich aus.

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