SC Fortuna Köln – SV Schermbeck 1-1

Entwickelt sich da schon wieder ein Kopfproblem, ein Heimkomplex? Sind die Fans mit ihrer inzwischen recht negativen Haltung Schuld? Stimmt die Einstellung der Mannschaft nicht? Oder die Taktik? Jedenfalls konnte der SC Fortuna mal wieder gegen einen Gegner nicht gewinnen, der ihm nominell und finanziell klar unterlegen ist, der außer zwei guten Angreifern nicht viel zu bieten hatte, der dem Sieg im Südstadion am Ende aber doch näher war als der Gastgeber.

Die Tribüne 20 Minuten vor dem Spiel

Matthias Mink hatte vor der Partie Kevin Kruth wegen seines provokativen Jubels in Velbert für eine Partie suspendiert. Dennoch liefen gegen den SV Schermbeck zwei Spitzen auf: Montabell und Said. Im Chat unter der Woche hatte Mink aber bereits gesagt, keinesfalls mit einer Raute spielen zu wollen, so dass für Tibor Heber kein Platz in der Mannschaft blieb. Das übrige Personal blieb gegenüber der guten Partie in Velbert unverändert: Sela – Canizales-Smith, Caspers, Schroden, Bartsch – Schäfer, Ende  – Ouedraogo,  Glaser – Said, Montabell. Fortuna lief also im 4-4-2 mit zwei Sechsern auf, wobei Schäfer den offensiveren Part spielt, Ende dagegen nur dann nach vorne rückte, wenn sich die Gelegenheit bot, weil der Gegner weit in die Defensive gedrängt war.

Die Mannschaften

Die erste halbe Stunde gehörte deutlich der Fortuna. Der Gegner aus Schermbeck machte in dieser Phase aber auch nicht den Eindruck, als sei er reif für die Liga: Teilweise grobe Abspielfehler, alberne Einwürfe und eine viel zu offene Verteidigung ließen die Hoffnung auf einen ungefährdeten Heimsieg wachsen. Lediglich mit einem gefährlichen Distanzschuss prüfte Schermbeck Jonas Sela. Die Fortuna konnte sich trotz ihrer Feldüberlegenheit aber zu selten in wirklich gute Abschlusspositionen bringen, und wenn, dann wurden sie zu deutlich vergeben. So musste in der 21. Minute eine Standardsituation für die Führung herhalten: Ecke, Kopfball Schäfer, Tor. Es war die erste echte Chance der Fortuna gewesen.

Fortuna jubelt nach der Führung

Wiederanstoß Schermbeck

Nun jedoch wachte Schermbeck auf und zeigte, dass nach vorne durchaus etwas gehen könnte. In der 40. Minute war es so weit: Ein klassischer Lupfer auf Seyit Ersoy, der durch die hoch aufgerückte Fortuna-Abwehr sprintet, alleine auf Sela zuläuft und unter dessen Körper hindurch zum 1-1 in die kurze Ecke einschießt. So gut Sela ansonsten hält: Dieser Treffer geht auch auf seine Kappe, Stichwort Bahnschranke.

Schermbeck jubelt

Schermbeck jubelt

Nach der Pause schien es, als habe der Gegentreffer die Fortuna wirklich tief verunsichert. Lediglich eine dicke Chance spielten sich die Gastgeber noch heraus, doch sie wurde kläglich vergeben – mal wieder von Chamdin Said. Ich will mich nicht auf ihn einschießen, aber seine Abschlussquote ist einfach zu schlecht. In allen Spielen der Saison zusammen hatte er bestimmt schon sieben, acht hochkarätige Chancen, konnte aber erst eine in ein Tor ummünzen. Heute wurde ihm der Ball wunderbar quer gelegt, Said kam mit Anlauf und hätte das Ding aus 14 Metern vermutlich einfach nur mit Schmackes aufs Tor bringen müssen. Stattdessen versuchte er den Ball ins lange Eck zu streicheln, was kläglich misslang. Seine Auswechslung in der 65. Minute war auch heute wieder folgerichtig.

Einwechslung Ouro-Akpo und Heber

Ebenso wenig gelang Fabian Montabell. Wie Said war auch er sehr engagiert und lauffreudig, aber das sind die Balljungen auch. Stürmer dagegen müssen irgendwann einfach mal den gegnerischen Torwart mindestens zu einer Parade zwingen, und das gelang heute beiden nicht.

Montabell verständnislos

Stattdessen gehörte die zweite Halbzeit nach Chancen eindeutig dem SV Schermbeck. Gleich mehrfach gelang es dem schnellen und dribbelstarken Ersoy in Kontersituationen, entweder einen klugen Pass an einen Mitspieler zu bringen oder selbst zum Abschluss zu kommen. Nur mehreren guten Paraden von Jonas Sela hatte es die Fortuna zu verdanken, dass sie nicht auch noch den einen Punkt verlor.

Gegen Ende der Partie versuchte die Fortuna es vermehrt mit Fernschüssen, die zwar teils recht ansehnlich waren (Glaser, Heber), aber letztlich nicht zwingend genug.

Das Unentschieden war nach Spielanteilen verdient, nach 100%igen Chancen war Schermbeck aber dem Sieg näher. Insofern war deren Jubel nach dem Schlusspfiff nicht ganz verständlich.

Nach dem Schlusspfiff

Es stimmt noch nicht im Spiel der Fortuna. Die Kombinationen nach vorne zünden nicht, viel zu selten gelingt der letzte Pass. Die Abwehr zeigte sich durch die zwei schnellen Stürmer der Schermbecker sehr verwundbar, wurde ein ums andere Mal ausgespielt. Der Gegentreffer fiel aus einer Situation, die mit der sehr vergleichbar war, aus der man in Velbert den Ausgleich kassierte: Ein guter Pass hinter die hoch stehende Abwehrreihe, ein beherzter Sprint, und der Gegner steht frei vor Sela.

Nächste Woche geht es zur noch sieglosen Westfalia Rhynern, deren Heimbilanz zwei Unentschieden bei 5:5 Toren ausweist. Das verspricht zumindestens ein unterhaltsames Spiel zu werden, das ich mir wohl vor Ort ansehen werde.

Nach dem Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff

Abdou-Nassirou Ouro-Akpo

Abgang

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr: http://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-posted/2010/09/12/detail/

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3 Gedanken zu “SC Fortuna Köln – SV Schermbeck 1-1

  1. als freund des schermbecker rumpelfußballs ist man über jede herausgespielte torchance ob ihres seltenheitswertes erfreut. um so ärgerlicher, dass ich mir dieses spiel aus unguter vorahnung (siehe letzte saison und die bisherigen vorstellungen in dieser) geschenkt habe und nun nachlesen muss, was ich verpasst habe.
    übrigens, bzgl. „… der außer zwei guten Angreifern nicht viel zu bieten hatte“ : der ganze stolz des SVS ist nicht nur stürmerstar seyit ersoy, sondern auch torwart christoph müller. Beides absolute Teufelskerle in ihrem Metier und sicher auch eine Liga höher noch gut aufgehoben.

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