Fortuna Köln – SV Bergisch-Gladbach 09 1-1

Ich werde nicht schlau aus dieser Mannschaft, nicht schlau aus dieser Saison. Immer, wenn man denkt, jetzt hat man verstanden, in welche Richtung die Saison läuft, kommt ein Schlenker in die andere Richtung. Und dieses Spiel war ein Rätsel für sich selbst. War’s ein guter Auftritt, bei dem nur mit viel Pech ein hoher Sieg verfehlt wurde, wie es einer guten Mannschaft gegen einen schwachen Gegner immer wieder mal passiert? Oder haben wir denselben zahnlosen Tiger gesehen wie schon ein paar Male zuvor, nur dass er diesmal ein bisschen lauter brüllte?

Südstadion

Matthias Mink hatte die Mannschaft auf einigen Positionen umgestellt: Mitja Schäfer war für Frank Schroden in die Innenverteidigung gerutscht, seine Stelle auf der Sechs nahm stattdessen Hamdi Damhani ein. Ganz vorne stand Kevin Kruth diesmal als einzige Spitze, dahinter zentral Tibor Heber. Die Aufstellung also: Sela – Bartsch, Schäfer, Caspers, Canizales-Smith – Ende, Dahmani – Ouedraogo, Heber, Glaser – Kruth.

Auflaufen der Mannschaften

Die Fortuna begann wie in den letzten Heimspielen deutlich feldüberlegen, was gegen einen erkennbar klassenschlechteren Gegner, der bislang noch keinen einzigen Punkt geholt hatte, aber auch zu erwarten gewesen war. Die ganz großen Chancen wollten allerdings nicht herausspringen, bis Kevin Kruth in der 15. durch eine der riesigen Abwehrlücken spazierte, den Ball von Ouedraogo auf den Fuß serviert bekam, frei seitlich vor dem Tor stand, aber nur die Latte traf.

Rund 5 Minuten später blickte ich auf die Uhr und sagte zu dem neben mir sitzenden levrheinland, dass jetzt die entscheidende Phase des Spiels käme. Schließlich hatte die Fortuna zuletzt nach überlegenem Beginn immer nachgelassen und den Gegner entscheidend ins Spiel gebracht. Ich hatte kaum ausgesprochen, da lag der Ball im Netz hinter Sela: Eine harmlose Halbfeldflanke, der zuständige Innenverteidiger (welcher?) entschied sich, dem Ball mal lieber gemütlich entgegenzugehen, übersah dabei bloß den im Rücken heranstürmenden Angreifer, der völlig unbedrängt einnicken konnte. Ein Tor aus dem Nichts, unnötig wie ein Kropf und fast noch selbst eingeschenkt.

Gladbach freut sich über die Führung

Immerhin: Die Fortuna blieb auch nach dem Gegentreffer die spielbestimmende Mannschaft, wirkte allerdings selten zwingend, geradezu prototypisch zu beobachten, als Stephan Glaser endlich mal eine gute Flanke auf den zweiten Pfosten brachte, nachdem die Fortuna einen Gladbacher Abschlag abgefangen und schnell nach vorne gespielt hatte. Alassane Ouedraogo erwischte den Ball erst knapp vor der Torauslinie, wollte aber lieber nicht auf’s Tor köpfen, obwohl das möglich erschien, legte quer, allerdings in den Rücken von Kruth, der aus der Drehung den Ball nicht richtig traf.

So brauchte die Fortuna dann schon die vierfache Mithilfe des Gegners, um zum Torerfolg zu kommen: Einen hanebüchenen Querpass im Gladbacher Mittelfeld fing Ouedraogo ab, trieb den Ball nach vorne, schöner Doppelpass mit Heber – doch seine Hereingabe landete in den Füßen eines Verteidigers. Den Abpraller könnten gleich zwei seiner Kollegen klären. Und wenn die sich auch nur halbwegs einig gewesen wären oder den Ball konsequent weggeschlagen hätten, anstatt ihn albern zu verstolpern, wäre Alex Ende nie noch an den Ball gekommen, den er zum Überfluss des Glücks noch aus 10 Metern dem Torwart durch die Beine schießen konnte. Ausgleich und Pause.

Fortuna jubelt über den Ausgleich

Super Harvest Moon

In der zweiten Halbzeit dann nur noch die Fortuna. Angriff auf Angriff rollte gegen das Gladbacher Tor, und obwohl sich einige wirklich gute Chancen ergaben (Montabell und Kruth per Kopf knapp vorbei, Kruth per Kopf gegen die Latte, Ende und Heber aus der Distanz), wirkte das Spiel der Fortuna zwar engagiert, aber nie wirklich zwingend. Gegen einen so schlechten Gegner muss es einem Aufstiegskandidaten gelingen, sich auch mal durchzukombinieren, statt immer nur auf hohe Flanken oder Weitschüsse zu setzen. Doch davon war nichts zu sehen.

Ein Lob verdienten sich die beiden Angreifer, Kruth und der eingewechselte Montabell, die wirklich alles gaben und oft präsent waren, die aber den Ball zu selten so serviert bekamen, dass sie ihn mit Druck hätten auf’s Tor bringen können.

Fortuna Köln - Bergisch-Gladbach

Am Ende also ein Unentschieden gegen einen Gegner, den ein Aufstiegskandidat in Normalform mit drei oder vier Toren nach Hause schicken muss. Natürlich hat man solche Spiele immer wieder mal gesehen – aber von der Fortuna in dieser und letzter Saison einfach zu oft, um nur an Pech zu glauben. Und dennoch: Wenn die Mannschaft weiter den Einsatz zeigt, den man am Mittwoch zum ersten Mal seit längerem in einem Heimspiel erkennen konnte, und wenn dann noch etwas mehr Spielverständnis entsteht, dann kann es nach jetzt vier Unentschieden in Folge auch mal wieder einen Sieg geben. Ob es allerdings für den Aufstieg reichen wird, das vermag ich wirklich noch nicht zu erkennen. Die individuelle Klasse ist grundsätzlich da, die Spielkultur nicht. Noch nicht?

Nach dem Schlusspfiff

Kevin trauert

Trost für Kevin

Am Sonntag geht es gegen ETB SW Essen, zum ersten Mal also gegen eine der stärkeren Mannschaften der Liga. Diese Gegner haben der Fortuna in der letzten Saison meist besser gelegen, weil sie dann nicht selbst das Spiel machen musste, sondern aus der Defensive heraus kontern konnte.

Es bleibt spannend.

Alle meine Spielfotos auf Flickr.

Mond über Sela

Advertisements

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s