Germania Windeck – Fortuna Köln 2-0

Nach den letzten Spielen war ich mir ja unsicher: Hatten die deutlichen Siege in Hüls und gegen Erkenschwick eine Tendenz nach oben angezeigt? Oder hatte der SC Fortuna in Hüls Glück gehabt, nur wegen Glanzparaden von Jonas Sela nicht drei Gegentore kassiert zu haben, bevor man den Gegner aus dem eigenen Stadion schoss? Und war Erkenschwick wirklich so schwach gewesen, wie sie inklusive Trainer Mink alle gesehen hatten? Es scheint fast so.

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Denn heute im Bonner Sportpark Nord gegen Germania Windeck, den zweimaligen DFB-Pokal-Hauptrundenteilnehmer und finanziell gut unterfütterten Aufstiegsfavoriten, hatte die Fortuna keine Chance. Buchstäblich. Erst in der 88. Minute brachte die Mannschaft den ersten gefährlichen Schuss auf’s gegnerische Tor und hatte Glück, zu diesem Zeitpunkt nicht schon mit 0-4 oder sogar deutlicher zurückzuliegen.

Matthias Mink hatte wieder Fabian Montabell als einzige Spitze im 4-2-3-1 aufgeboten. Sela – Venekamp, Schäfer, Habl, Bartsch – Dahmani, Schroden – Ouedraogo, Heber, Glaser – Montabell. So lautete die gegenüber letzter Woche unveränderte Aufstellung.

Auflaufen der Mannschaften

In den ersten 20 Minuten hatte die Fortuna zwar etwas mehr vom Spiel, konnte aber keinen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor abgeben. Alle Versuche scheiterten entweder am fehlenden letzten Pass oder an der Genauigkeit. Das Kölner Spiel strahlte aber ohnehin keine besondere Gefährlichkeit aus. Ganz im Gegensatz dazu war Windecks erste Chance gleich eine Hunderprozentige: Ein Spieler wurde steil geschickt, lief alleine auf Sela zu, konnte ihn aber nicht überwinden.

Sechs Minuten später der nächste Warnschuss: Ein bei einer Kontersituation unvermittelt angesetzter, gar nicht mal besonders scharfer Distanzschuss klatschte an die Latte des Kölner Tores, Jonas Sela schaute nur zu.

In der 31. Minute war es dann so weit: Eine Windecker Flanke von links wird abgefälscht und senkt sich unhaltbar vor dem langen Pfosten ins Tor. Diese Führung kam sicherlich glücklich zustande, aber sie war angesichts der Chancenverteilung nicht unverdient.

Dattenfeld jubelt

Schon fünf Minuten später stellte Windeck den Endstand her: Freistoß, Kopfballverlängerung ins lange Eck, Tor. So einfach ist Fußball – wenn man ihn richtig spielt.

Wiederanstoß

Denn das muss auch gesagt werden: Die Standardsituationen der Fortuna waren in keinem Moment gefährlich. Windeck dagegen schlug insbesondere die Ecken ein paar Mal so vor das Kölner Tor, dass Jonas Sela nur noch mit den Fingerspitzen an den Ball kam, nicht klären konnte und Glück hatte, dass er so keinen Gegentreffer verschuldete.

Nach der Pause überließ Windeck der Fortuna den Ball, stellte sich hinten rein und konnte sehr bald sehr sicher sein, dass der Sieg nicht mehr in Gefahr geraten würde, denn der SC Fortuna konnte mit dem Ball nicht viel anfangen. Entweder wurde der Ball bereits im Aufbauspiel so verstolpert, dss Windeck erfolgreich stören konnte, aber spätestens der letzte Pass, die letzte Flanke kam nicht zu einem Mitspieler, jedenfalls nicht so, dass der den Ball gefahrbringend hätte verarbeiten können.

Einen klaren Elfmeter bekam die Fortuna verweigert, in der 88. hätte Fabian Montabell aus kurzer Distanz gut auch das Tor treffen können anstatt den Keeper. Auf der anderen Seite hätte Windeck aber bei drei, vier sehr guten Konterchancen den Sieg endgültig klarmachen müssen, scheiterte aber entweder an Sela oder am fehlenden Zielwasser.

Man kann die zweite Halbzeit der Fortuna auch mit einem Wort beschreiben: deprimierend. Im direkten Vergleich gegen eine Spitzenmannschaft der Liga wurde sehr offensichtlich, dass es einfach nicht reichte, um auch nur gleichwertig zu sein. Man musste in diesem Spiel froh sein, nur mit zwei Toren Differenz verloren zu haben.

Eine Einzelkritik verbietet sich schon deswegen, weil sich ausnahmslos alle Spieler an Harmlosigkeit zu überbieten versuchten. Auch die Einwechselspieler konnten keinen neuen Schwung bringen: Weder Kevin Kruth, der im Zentrum kaum Bälle bekam, noch Chamdin Said, der ab der 56. Minute die katastrophale Leistung von Stephan Glaser noch unterbot, und auch nicht Maycoll Canizales-Smith, der kanadische Gehaltskategorie-5-Nationalspieler, der Benni Venekamp ersetzte, obwohl der bei weitem nicht der schlechteste Fortune gewesen war.

Der Käptn verlässt das sinkende Schiff

Einwechslung Kevin

Es bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass die Fortuna mit den Spitzenmannschaften der Liga nicht mithalten kann. Die Qualität des Zusammenspiels genügt einfach nicht, um mitzuhalten: Das ist oft unpräzise und sieht immer wieder schlecht abgestimmt aus. Windeck wirkte einfach wacher und präsenter. Und es ist nicht zu erkennen, wer bei der Fortuna auf dem Platz das Heft in die Hand nimmt, wenn’s mal nicht so läuft. Der Mannschaft scheint es auch an Struktur zu fehlen.

In der Tabelle äußert sich die bisherige Saisonleistung in Form von Platz 9: Mittelmaß. Zu einem Aufstiegsplatz hat der selbsterklärte Aspirant jetzt acht Punkte Rückstand, auf Spitzenreiter RWE sind es schon zehn. Das ist mehr als einem Drittel der Saison zu wenig, zumal eine Tendenz nach oben nicht zu erkennen ist.

Nächste Woche geht es zuhause gegen die Sportfreunde Siegen schon um alles. Sollte die Fortuna verlieren, muss sie nach den Erfahrungen der letzten Saison eher nach unten gucken als nach oben. Allerdings haben die Sportfreunde in dieser Saison auswärts noch keine Bäume ausgerissen.

Als P.S. noch eine Beobachtung: Vor dem Spiel war das Aufgebot von Polizei und Ordnern sehr massiv, ausnahmslos jede/r Besucher/in wurde beim Betreten des Stadions abgetastet. Ich ließ die Untersuchung klaglos über mich ergehen und schoss anschließend drei Bilder der Einlasskontrolle, auf denen Ordner von hinten zu sehen waren. Einige Sekunden später kam ein „Supervisor“ von Geller Security auf mich zu, sagte mir, ich habe Fotos von seinen Leuten geschossen und solle diese sofort löschen, sonst werde er die Polizei holen. Ich hatte nicht einmal eine Chance, ihm z usagen, dass ich seiner Bitte sofort nachkommen werde, bevor ich verbal schon im Polizeigriff war. Das ganze Auftreten dieses Herrn und der Ton seiner Ansprache waren ohne irgendeine Not so aggressiv, dass ich eine Beschwerde an die Security-Firma richten werde. Mir ist nichts passiert und sein Anliegen war nicht illegitim. Andere Fans durften ihr Konfetti nicht mit in den Block nehmen und fühlten sich ebenfalls ohne Not angepampt. Aber als „Supervisor“ einer Security-Firma, die bei einem Spiel eingesetzt wird, von dessen Besuchern offensichtlich Ärger erwartet wird, hat jemand seinen Job verfehlt, der eine aggressive Stimmung provoziert, anstatt Fans ruhig und sachlich anzusprechen, die erst mal niemandem etwas getan haben. Fußballfans sind keine Verbrecher.

Nach dem Schlusspfiff

Spitzenmäßig waren heute nur die Fortuna-Fans, die vor allem in der ersten Halbzeit mächtig Betrieb machten.

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6 Gedanken zu “Germania Windeck – Fortuna Köln 2-0

  1. Pfahl_J schreibt:

    Geh jetzt auch schon fast fünzig Jahre aufm Platz,aber das ein Ordnungsdienst in der Halbzeit das Handtuch wirft habe ich auch noch nicht gesehen.

    Fast alle Ordner haben in der Halbzeit ihre Jacken ausgezogen und sind mürrisch von Tannen gezogen.

    In sofern sind die von Dir fotografierten Ordner wahrscheinlich schon nicht mehr „seine Leute.“

    Die Gründe für so eine Aktion dürften nicht so schwer zu erraten sein.

  2. vonjott schreibt:

    komischer ordnervogel, der seinen job ziemlich fragwürdig ausübt. sein wunsch – fotos von seinen leuten löschen – ist ja in ordnung und nachvollziehbar. kann man aber wirklich auch anders sagen, nämlich ruhig, höflich, souverän.
    „deeskalation“ kann der jedenfalls sicher nicht buchstabieren. besonders lustig fand ich seine aussage, dass bei fußballspielen NIE fotografiert werden dürfe, nie nie nirgends, und dass uns das ja wohl klar sein. oder der arme niederrheiner, der mühselig in den letzten wochen konfetti selbst ausgeschnitten hat und dann nicht mit rein nehmen durfte. das ist so gemein und schwachsinnig!! einfach zum kotzen.

    genau wie das spiel. ;-)

    schöner spielbericht und schicke videos! (zum glück hast du die ordner geschwärzt, sonst wär jetzt die scheiße am dampfen). :-)

  3. Burkhard schreibt:

    Danke für erstklassigen Bericht,Videos und Fotos.
    In der Halbzeit quittierte ein Teil der Ordner den Dienst, weil einer von ihnen vom Chef wegen verbotenen Kaffeetrinkens fristlos gefeuert worden war.

  4. @Burkhard Ist das eine sichere Information? Das wäre ja schon gemeingefährlich. Ordner sind ja nicht nur zur Schikane da, sondern auch zur Sicherheit der Besucher. Wenn die einfach gehen…

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