Kündigst du noch, oder lebst du schon?

Ich bin gerade im Umzug begriffen. Heute in vierzehn Tagen, wenn ich mit meiner Freundin zusammenziehe, werden aus zwei Wohnungen eine. Folglich mussten ein paar Verträge gekündigt werden, weil nur wenige Haushalte etwa zwei Energieversorger oder Festnetzanschlüsse benötigen.

Man mag mich nun naiv nennen, und man hätte bis zu einem gewissen Grad auch recht damit. Aber ich war erschüttert, mit welchen Fristen ich tweilweise konfrontiert wurde, als ich meine Verträge kündigte.

  • Zunächst mein Mietvertrag: Ich wohne in einer Eigentumswohnung, die von einer Immobiliengesellschaft für die Eigentümer verwaltet wird. Der Vertrag, mit dem mein Wohnungsbesitzer sich verpflichtet hatte, die Wohnung zehn Jahre zu halten, lief im vergangenen Oktober aus. Seit Anfang des Jahres hatte ich mehrfach mit ihm telefoniert, und wir waren übereingekommen, dass ich ungefähr zum Jahreswechsel kündigen würde. Ihm kam das entgegen, weil er die Wohnung ohnehin verkaufen will, was sich ohne Mieter leichter bewerkstelligen lässt als mit. Also kündigte ich im Oktober zum 31. Januar 2011 – und bekam postwendend Antwort von der Immobiliengesellschaft: Man bedaure, aber ich könne vertragsgemäß erst zum 31. Oktober 2011 kündigen. Tatsächlich: Mein Mietvertrag von 2000 sieht vor, dass ich nur jährlich zum 31.10. kündigen kann. Klar, hab ich damals unterschrieben. Aber wie mieterfeindlich eine solche Vereinbarung ist, kann man daran erkennen, dass sie seit der Mietrechtsreform von 2001 gar nicht mehr getroffen werden darf. Alte Verträge behielten aber ihre Gültigkeit.
    Zum Glück ließ sich dieses Problem mit dem Einschreiten meines Besitzers halbwegs leicht regeln, der meine Kündigung dann doch akzeptierte.
  • Etwas komplizierter war es dann bei NetCologne, von denen ich Telefon und Internet beziehe. Ich bin dort seit 1998 Kunde, also quasi seit ihrer Gründung. Im Juni 2008 war ich dann mal in einen leicht günstigeren Tarif gewechselt. Ich hatte mich damals sehr geärgert, dass mir NetCologne diesen Tarif nicht von sich aus angeboten hatte, war aber bereit, dafür sogar eine zweijährige Mindestvertragslaufzeit zu akzeptieren. Nicht bedacht hatte ich, dass in den AGB versteckt die Regelung gefasst ist, dass sich der Vertrag um jeweils ein Jahr verlängert. Und tatsächlich hätte NetCologne gnadenlos für eine nicht mehr zu erbringende Leistung weiter Geld kassiert, wenn nicht meine Freundin ebenfalls bei NetCologne wäre: So konnten wir meine restliche Vertragslaufzeit auf ihren Vertrag übertragen.
  • Eigentlich nicht in direktem Zusammenhang mit dem Umzug steht mein Mobilfunkvertrag: Auch den wollte ich aber, wo ich schon mal dabei war, kündigen und den Anbieter wechseln. Pustekuchen! Nach mehr als einem Jahrzehnt Anbietertreue von meiner Seite ist T-Mobile der Meinung, dass ich den Tarif, für den ich damals ein Handy sowie die Telefonie- und Internetanbindung für zwei Jahre bis Februar 2011 vereinbart hatte, nun noch bis zum Februar 2012 weiterzahlen soll – natürlich ohne ein neues Handy oder eine Tarifreduktion zu bekommen. Ungefähr die Hälfte des Geldes will man also ohne Gegenleistung für ein Jahr weiterkassieren, weil man den entsprechenden Passus in den exakt letzten Absatz der AGBs geschrieben hat.

Ich habe keine Ahnung, wie diese Unternehmen sich mit so lebensfeindlichen Knebelveträgen am Markt durchsetzen können. Mein Schluss ist jedenfalls, dass dieser Markt oder seine Regulierung nicht so richtig zu funktionieren scheint, wenn er Unternehmen groß werden lässt, die ihren Kunden das Geld lieber aus der Tasche ziehen, als sich ihnen gegenüber so zu verhalten, dass die Dienstleistung zu normalen Lebensbedürfnissen wie einem Umzug mit weniger als 15 Monaten Vorlauf passt. Ärgerlicherweise wird solches Verhalten aber sogar vom höchsten deutschen Gericht protegiert: http://www.rechtslupe.de/zivilrecht/der-umzug-und-der-24-monats-telefonvertrag-323640.

Ich bin also im Unrecht, das ist mir klar – aber empört bin ich trotzdem.

Und so kam es mir gerade recht, als ich dieser Tage eine Mail vom Spektrum-der-Wissenschaft-Verlag bekam. Im März letzten Jahres hatte ich meinem Vater ein Jahresabo der „Sterne und Weltraum“ geschenkt. Hier ein Auszug aus der Bestellbestätigungsseite:

Sterne und Weltraum

Also ich lese da: „DAUER: ein Jahr“. Nicht „erster Bezugszeitraum: ein Jahr“ oder „Mindesbezugszeit: ein Jahr“. Irgendwie gibt eine befristete Abonnementslaufzeit für ein Geschenkabo ja auch verteufelt viel Sinn.

Umso erstaunter war ich, als ich die Mail des Spektrum-Verlags las, die mir in dieser Woche in die Mail flatterte:

Sehr geehrter Herr [mein Nachname],

vielen Dank für Ihre Nachricht.
Wunschgemäß haben wir Ihr Abonnement unbefristet
verlängert. Die Kündigung ist jedoch jederzeit zur
nächst errreichbaren Ausgabe möglich.
Wenn Sie noch Fragen haben, sind wir gerne für Sie
da.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Spektrum der Wissenschaft Leserservice

„Wunschgemäß“????? Gestern abend schrieb ich eine indignierte, immerhin noch sachliche, aber doch sehr deutliche Mail zurück, dass ich ein Geschenkabo keineswegs „wunschgemäß“ unbefristet weiterzahlen wollte. Erst heute klärte sich das dann als Irrtum auf: Mein Vater hatte das Abo verlängert, die Bestellbestätigung hatte der Verlag jedoch fälschlich an mich geschickt.

Kann passieren, aber wahscheinlich ahnte der Spektrum-Sachbearbeiter nicht einmal, in welcher Gefahr er nach dieser Vorgeschichte schwebte ;-)

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Ein Gedanke zu “Kündigst du noch, oder lebst du schon?

  1. tronicum schreibt:

    ePetition gegen 24 Monatsverträge jetzt! Andere EU Länder verbieten ja auch subventionierte/simlock iPhones u.ä.

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