Fortuna Köln – Rot-Weiß Essen 0-1

Viel muss ich über dieses Spiel zum Glück nicht schreiben, dafür passierte zu wenig und war das Ergebnis zu verdient, als dass man groß analysieren und deuten müsste. Seit den Abstiegen der Fortuna war ich noch nie so deprimiert wie nach der gestrigen Niederlage gegen eine keineswegs überragende Essener Mannschaft.

Spielankündigungsplakat der Mülltonns

Mit der Aufstellung konnte mich Matthias Mink noch überraschen: zwei Stümer in einem echten 4-4-2 mit Doppelsechs, Neuzugang Moussa Ouattara mit der Erfahrung von 61 Zweitligaspielen endlich auf dem Feld. Den Einsatz von Maycoll Canizales-Smith auf dem linken Flügel hatte ich nach den guten Leistungen von Alassane Ouedraogo in der Hinrunde auch nicht erwartet, aber in der Winterpause kann sich ja mal eine Position verschieben.

Die Aufstellung lautete dann also: Sela – Bartsch, Ouattara, Schäfer, Caspers – Schroden, Ende – Glaser, Canizales – Montabell, Ouro-Akpo.

Auflaufen der Mannschaften

RWE dankt seinen Fans schon vor dem Spiel

Essener Block

Nachdem die Fortuna eine Woche im Trainingslager in der Türkei verbracht hatte, von wo,  inklusive eines Testspielsiegs gegen den Regionalligisten FC Chemnitz, nur Gutes vermeldet wurde, waren die Erwartungen auch angesichts der offensichtlich wegen der Trainingseindrücke deutlich geänderten Aufstellung hoch. Leider wurden sie sofort enttäuscht.

Die Fortuna fand zu keinem Zeitpunkt jemals ins Spiel. Und das hatte nicht nur mit der Neuorientierung nach der Winterpause zu tun, sondern auch mit der Spielanlage: Von Beginn an wurde nicht versucht, das Spiel kontrolliert aufzubauen, um mit Flanken über die technisch starken Glaser und Canizales oder etwa einen nachrückenden Alex Ende aus der Distanz zum Erfolg zu kommen. Vielmehr wurden die Bälle lang in die Spitze auf die Stürmer geschlagen, sogar aus unbedrängten Situationen, ganz im Sinne der alten Trapattoni-Schule. Man könnte auch sagen: Gewonnene Bälle wurden freiwillig gleich wieder hergeschenkt. Falls das als taktische Maßgabe von Trainer Mink angeordnet worden war, dann war sie wenigstens nicht erfolgreich, und zwar ziemlich absehbar. Wenn Mink eine andere Spielweise vorgegeben hatte, wäre zu fragen, warum die Mannschaft ihm nach einem Trainingslager nicht folgte.

Essen stand in der Defensive sicher, machte nach vorne auch nicht viel, so dass das Spiel vor sich hinplätscherte. Lediglich drei Torgelegenheiten ergaben sich in der ersten Hälfte: Zwei für Essen, einmal strich der Ball nur knapp am langen Pfosten vorbei, und eine für die Fortuna, als Alex Ende einen Freistoß schön in den Winkel des Torwartecks zwirbelte, der Essener Keeper aber mit einer guten Parade retten konnte.

Alex Ende vor dem Freistoß

Das sollte die einzige echte Kölner Torchance während der gesamten Partie bleiben. Es war wie in der Hinrunde gegen Windeck: Die Fortuna kann sich gegen defensiv ordentlich stehende Gegner nicht durchsetzen. Und zwar „nicht“ im Sinne von: gar nicht, überhaupt nicht, null. Mit Spielern vom technischen Beschlag eines Glaser, Montabell, Ende, Canizales oder Ouattara muss da spielerisch einfach mehr bei rumkommen. Und nach einem einwöchigen Trainingslager könnte man auch mal einstudierte Spielzüge erwarten – oder vielleicht auch einfach nur einen gut getretenen Standard. Wie man eine Ecke tritt, konnten sich die Fortunen gestern immerhin aus der Nähe von RWE beibringen lassen.

Sela segelt unter einer Ecke durch

Sela segelt unter einer Ecke durch

So passierte das Unausweichliche: Essen kam in der zweiten Halbzeit immer mehr auf, spielte zunehmend zwingender nach vorne und schoss in der 85. Minute endlich das Tor. Bei einem Konter nach üblem Ballverlust von Ouattara, 30 Meter vor dem eigenen Tor, setzte Suat Tokat statt einer Flanke einen Lupfer an, als er wohl doch eher unabsichtlich unter den Ball trat. Der Ball ging über den korrekt ein paar Schritte vor dem Tor stehenden Jonas Sela, der die Flanke abfangen wollte, und fiel ins Tor.

Essener Torjubel

Sela geschlagen

Essener Torjubel

In der Folge hätte der Essener Sieg noch höher ausfallen können, weil Köln logischerweise öffnete und Essen sehr gute Konterchancen fast im halben Dutzend versiebte oder an Sela scheiterte.

Notbremse?

Am Ende dieses Spiels steht ein hoch verdienter Sieg für eine Essener Mannschaft, die einfach deutlich abgeklärter und zielstrebiger spielte als die sicherlich prominenter und erfahrener besetzte Fortuna. Für die Fortuna haben sich mit dieser Niederlage alle Aufstiegsträume endgültig erledigt, die nur mit einem Sieg und einer folgenden Serie eventuell noch mal hätten konkret werden können. In der Tabelle hat Köln nun 16 Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz (bei einem Spiel weniger) und steht auf Platz 9. Nach unten sind es hingegen nur neun Punkte auf einen Abstiegsplatz. Und wenn aus dieser Saison erst mal die Luft raus ist, weil das große Ziel verpasst wurde, dann sähe ich eher die Gefahr, dass man wie letzte Saison noch Punkte gegen den Abstieg braucht, stünden nicht zwei Absteiger heute schon fest und wären Schermbeck und Homberg nicht so schwach.

Nach dem Start von Deinfussballclub (DFC) vor inzwischen ziemlich genau drei Jahren, muss man festhalten, dass es den handelnden Personen nicht gelungen ist, die Mannschaft zu entwickeln, jedenfalls nicht in Richtung Erfolg. Eine sehr kurze Zwischenbilanz:

  • Sportlich stagniert das Team trotz nennenswerter Investitionen in das Personal. Das gilt sowohl für den Tabellenstand als auch für die Spielweise.
  • Hoffnungsvolle junge Spieler versauern auf der Bank: Maouel, Dahmani, Remagen, Sanches, Kruth.
  • Unbequeme Spieler werden von Trainer Mink aus der Mannschaft geworfen, sogar das Wort „Mobbing“ hört man auf der Tribüne, auch wenn es Mobbing von oben gar nicht gibt. Den Vorwurf der unzureichenden Kommunikation gibt es gegen Matthias Mink jedenfalls schon viel zu lange, als dass er komplett falsch sein könnte.
  • Die Mitgliederzahlen von DFC sinken kontinuierlich, das Konzept der sportlichen Mitbestimmung durch Fußballfans ist inzwischen nur noch reine Makulatur, die Stimmung im Forum defätistisch-ironisch.
  • Die harten Fortuna-Fans sind in Gruppen zersplittert, die sich auch gegen 2.000 Essener Fans nicht zu einem Block zusammenfinden wollen oder können.
  • Nach dem Abgang von Ultrax als Capo sind die Gesänge seltener und die Sprechchöre pöbeliger geworden. Außer platten Beschimpfungen der gegnerischen Fans oder Spieler kommt da wenig. Lediglich der SC Mülltonn macht in der Südkurve noch positive Stimmung.

Exemplarisch für das vollständige Zerbröseln dieses so liebenswerten Vereins war gestern, dass nach dem Spiel nahezu alle Spieler sofort in die Kabine verschwanden, ohne zu den Zuschauern zu gehen. Früher war gerade der familiäre Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft einer der großen Pluspunkte der Fortuna, auch wenn da im Misserfolg schon mal überdeutlich geschimpft wurde. Ich will nicht das böse Wort von den „Söldnern“ in den Mund nehmen. Aber gestern wurde klar, dass es kein Band mehr zwischen den auf und denen neben dem Platz gibt. Und wenn dann auch noch der Erfolg ausbleibt, dann macht es einfach keinen Spaß mehr, zur Fortuna zu gehen.

Essener Jubel nach dem Spiel

Montabell im Interview

Auswärtssieg

Wer nicht hüpft der ist kein Essener

Feierabend

Mülltonns-Tribut an Christopher Möllering

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr: http://www.flickr.com/photos/surfguard/archives/date-taken/2011/02/05/detail/

Advertisements

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s