Kurz reingeschaut: "Der Kirschgarten" im Schauspielhaus Köln

Mal wieder ein Klassiker in Köln, Tschechows „Kirschgarten“, und die dritte Inszenierung von Karin Henkel, die ich in Köln sah. Der Kirschgarten vervollständigt das Spektrum meiner Eindrücke: unterwältigt vom „Menschenfeind„, begeistert von „Iphigenie„, und jetzt mal solide unterhalten, ohne jedoch wirklich bleibende Eindrücke mitgenommen zu haben.

Die Bühne ist in dieser Inszenierung nackt, völlig undekoriert, nur ein rundes Podest dreht sich in der Mitte, das von den Figuren immer wieder mal zum Karussel bevölkert wird.

Die Geschichte ist bekannt und wird von Karin Henkel nicht verändert, auch wenn sie das Stück etwas einkürzt und auf das Wesentliche fokussiert. So sind es also die Schauspieler, die ihren Figuren Leben einhauchen müssen, und das gelingt ihnen durchweg sehr gut: Charly Hübner spielt einen etwas grobschlächtigen und doch grundehrlichen Lopachin, der seine Botschaft, dass der Garten zur wirtschaftlichen Rettung verkauft werden muss, geradezu verzweifelt penetrant in die Köpfe von dessen Besitzern hämmern möchte. Lena Schwarz spielt die Gutsbesitzerin Ranjewskaja glaubhaft schmallippig, trotzdem ihr (Jahrgang ’76) die Rolle der Mutter nicht auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Matthias Bundschuh ist ein toller Gajew, der die erschütternde Erkenntnis seines Scheiterns mit desperater Lebemann-Attitüde zu überspielen versucht: Eine alberne Gestalt, die doch nie ihre Würde verliert.

Die herausragende Darstellerin des Abends ist aber Lina Beckmann, die endlich zeigen darf, dass sie mehr kann als nur komisch sein. Wie sie manchmal am Rande des Klamauks balanciert, dann aber wieder die tiefe innere Traurigkeit der von Lopachin verschmähten Warja glaubhaft werden lässt, das ist wirklich hohe Schauspielkunst. Verdient bekommt sie den größten Applaus.

So macht es am Ende Spaß, dem Treiben auf der Bühne zwei Stunden lang zuzusehen. Und doch verlässt man das Theater zwar unterhalten, aber wenig geläutert. Denn in all dem gut abgestimmten, schnell getakteten Trubel geht eine Aussage unter, die etwa über die Biographien und Emotionen der Figuren hinausgehen könnte.

Advertisements

2 Gedanken zu “Kurz reingeschaut: "Der Kirschgarten" im Schauspielhaus Köln

  1. vincent schreibt:

    ah!, lena schwarz ist in koeln? war in bochum meine lieblingsschauspielerin, unglaublich (un!-glaub!-lich!) gut als penthesilea. ich glaube, sie spielt jetzt hin und wieder im theater rottstrasze 5 unter der s-bahn — ebenfalls in bochum http://www.rottstr5-theater.de/ — das ich Dir uebrg nur waermstens empfehlen kann.

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s