Fortuna Köln – Westfalia Rhynern 3-0

Fünf Siege in Folge mit 15:2 Toren – und doch bin ich mir immer noch unschlüssig über die wahre Leistungsstärke des SC Fortuna Köln. Mir ist klar, dass ich mich damit dem Vorwurf des Defätistentums aussetze, und ich erkenne auch durchaus Veränderungen, die zu diesem Aufschwung geführt haben. Doch waren die Gegner, gegen die diese Serie erzielt wurde, meiner Ansicht nach zu schlecht, um die Trendwende abschließend zu diagnostizieren. Vier der fünf Gegner stehen auf den aktuellen Tabellenplätzen 12, 14, 15 und 16. Und der Tabellen-12., Wegberg-Beeck, spielt die Saison nur noch zu Ende, hat für die nächste Saison keine Oberliga-Lizenz beantragt und wird zweiter Absteiger nach der schon in der laufenden Saison zurückgezogenen Klever Mannschaft sein.

Die gute Mannschaft, die geschlagen wurde, war die SSVg Velbert, die gerade in einem Tief zu stecken scheint und ihre drei letzten Spiele deutlich verlor, wenn auch alle gegen gute Gegner (Fortuna, RWE, Alemannia II).

Doch nur mit Glück hat eine solche Serie natürlich auch nicht zu tun: Trainer Matthias Mink hat sein System umgestellt, und ich gebe zu, dass mir nach dreieinhalb Jahren 4-2-3-1 beim letzten Heimspiel nicht auffiel, dass die Mannschaft da bereits im 4-1-4-1 auflief. Ich hatte Hamdi Dahmani zwar schon mehr als Achter denn als Sechser gesehen. Tatsächlich spielt Dahmani aber den Freigeist in einem offensiven 4er-Mittelfeld: Während alle anderen Spieler ihre Positionen weitgehend halten, taucht Dahmani mal zentral offensiv neben Tibor Heber auf, bietet sich im Aufbauspiel auch mal tief neben Alex Ende an, nur um im nächsten Moment an der linken oder rechten Außenlinie Kombinationsmöglichkeiten zu schaffen. Diese Rolle scheint für Dahmahni wie geschaffen, der schon früher bei der Fortuna alle Mittelfeldpositionen außer Rechtsaußen mal besetzt hatte.

Die andere erkennbare Änderung ist die, dass der Fortuna nun endlich die letzten Pässe gelingen – und dass diese Pässe mit einer geradezu unheimlichen Effizienz auch in Tore umgemünzt werden.

Diese Spieler stellte Matthias Mink am Karnevals-Samstag in die Anfangsformation: Sela – Caspers, Schäfer, Schroden, Bartsch – Ende – Canizalez, Heber, Dahmani, Glaser – Montabell.

Auflaufen der Mannschaften

Die Südkurve

Fortuna Köln - Westfalia Rhynern

Wie schon in den vergangenen Partien dominierte die Fortuna den Gegner von Beginn an mit viel Ballbesitz und hatte auch mal das Glück eines frühen Tors: Eine weite Flanke von links wurde von Hamdi Dahmani an der rechten Fünfmeterraum-Linie zurück vor das Tor geköpft, wo Montabell am höchsten stieg und locker-souverän zum 1-0 verwandelte.

Jubel nach dem 1-0

Jubel nach dem 1-0

In der Folge spielte sich die Fortuna zwar weiter den Ball zu, konnte aber keine weiteren Torchancen erarbeiten. Anders Rhynern: Nachdem die den Rückstand verkraftet hatten, eroberten sie sich nach und nach sogar eine Feldüberlegenheit und kamen gegen Mitte der ersten Hälfte zu zwei 100%igen Chancen. Zunächst spielte Rhynern einen Konter sehr gut aus, der offensive Querpass vom linken auf den rechten Flügel kam für die Kölner Verteidigung unerwartet an den westfälischen Mann, der aus bester Schussposition im Strafraum aber deutlich vergab.

Chance vergeben

Kurz darauf gab es dann sogar die Doppelchance für Rhynern, die das durchweg schwache Schiedsrichtergespann zu einer dreifachen hätte machen können, vielleicht müssen: Nach einem Lattentreffer (?), Sela lag noch am Boden, wurde der folgende Kopfball aus wenigen Metern Distanz von einem Kölner Spieler auf der Linie geklärt. Rhynern reklamierte vehement Handspiel, und auch der gesamte Tribünenblock 4 rutschte, die Hand vor den Mund gelegt, mit weit geöffneten Augen tiefer in die Sitzschalen. Wohl jeder der nächstsitzenden Zuschauer hatte hier einen Elfmeter und eine rote Karte gesehen, auch wenn das Geschehen so schnell ablief, dass eine eindeutige Meinung schwer zu fassen war. Vielleicht bewog genau das auch den Schiedsrichter, weiterspielen zu lassen, anstatt einen Verdachtselfmeter zu pfeifen.

Jedenfalls war die Fortuna nun offensichtlich wieder geweckt, übernahm erneut die Kontrolle über das Spiel und wurde kurz vor der Pause belohnt: Stefan Glaser war bei einem Konter schön in den ganz freien Raum auf dem rechten Flügel geschickt worden, wartete auf das Nachrücken seiner Mannschaft, schlug dann eine scharfe Flanke auf den kurzen Pfosten, wohin sich Maycoll Canizales von links gestohlen hatte und mit einem schönen Flugkopfball vollendete. Sauber, mit Zug und Konsequenz ausgespielt – so hätte man sich die Fortuna-Konter schon während der gesamten Saison gewünscht, die Spieler dafür hat sie allemal!

Jubel nach dem 2-0

Das 2-0 war aber dennoch eine zu hohe Führung, selbst über ein Unentschieden hätte man sich zur Pause nicht beklagen können.

Westfälischer Tribünen-Supporter

In der zweiten Halbzeit machte dann Daniel Bartsch, für den verletzten Tevfik Furucu wieder in die Mannschaft gerückt, schnell den Sack zu: Im Strafraum der Rhynerner tanzte er in der 53. Minute gleich mehrere Gegner aus und verwandelte von halbrechts aus rund 14 Metern durch Freund und Feind hindurch. Ein Tor, das aus Sicht der Westfalia zu leicht fiel.

Jubel nach dem 3-0

In der Folge gab es noch ein paar Tormöglichkeiten, auch die Westfalia hatte noch gute Gelegenheiten, wenigstens den Ehrentreffer zu erzielen, aber letztlich hatte ihr die Fortuna mit der traumhaften Quote von drei Toren aus vier Chancen (einen platzierten Fernschuss von Alex Ende konnte Keeper Wegner noch in der ersten Hälfte um den Pfosten drehen) den Zahn schon gezogen.

Der Sieg der Fortuna war am Ende verdient, wenn auch mit Sicherheit zu deutlich. Und wie schon gegen Velbert hatte die Mannschaft auch das Glück, dass der Gegner selbst beste Möglichkeiten nicht verwertete. Dennoch gilt es festzuhalten, dass die neue Taktik offensiv aufzugehen scheint. Etwas Sorge macht mir nur, dass Alex Ende als nunmehr einziger Sechser zwar offensiv die Bälle gut und sicher verteilt, aber nicht der größte Zweikämpfer vor dem Herrn ist und stärkere Gegner hier ihre Chance sehen könnten. Solange die Fortuna jedoch mehr Tore schießt als sie kassiert, ist mir das nach Jahren der Entbehrung schon deswegen recht, weil es im Südstadion einfach mal wieder unterhaltsamen Fußball zu sehen gibt!

Ob es am Ende dann vielleicht sogar doch noch zum Aufstieg reicht, wird man sehen. Immerhin verlor Windeck zum zweiten Mal in Folge (in einem offensichtlich spektakulären Spiel), während die Fortuna ihr Nachholspiel unter der Woche gewann, so dass der Rückstand auf den Tabellenzweiten jetzt nur noch sieben Punkte beträgt.

Doch letztlich ist die Saison noch lang, und vor der Partie gegen ETB in zwei Wochen gilt es erst einmal in Bergisch-Gladbach zu gewinnen, wo sich Fortuna in den letzten Jahren immer schwer tat.

Jubel nach dem Spiel

Jubel nach dem Spiel

Jubel nach dem Spiel

Karnevalistischer Flitzer

Alle meine Fotos vom Spiel auf Flickr.

Advertisements

Schreibe einen Kommentar:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s